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Studie Finanz-Start-ups werden immer wertvoller

Europäische Fintechs konnten ihren Wert in den vergangenen Jahren deutlich steigern. Die bisherigen Stars der Branche könnten aber bald abgelöst werden.
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Einer der Haupttreiber bei den Fintechs ist die Smartphonebank N26. Quelle: Reuters
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Einer der Haupttreiber bei den Fintechs ist die Smartphonebank N26.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Europäische Finanz-Start-ups haben ihren Wert in den vergangenen fünf Jahren auf rund 177 Milliarden Euro gesteigert. Das zeigt eine Studie des Datenportals Dealroom und der Investment-Gesellschaft Finch Capital, die dem Handelsblatt vorliegt.

Unternehmen aus anderen Technologiesektoren hätten im Vergleich eine deutlich geringere Bedeutung: So haben europäische Firmen mit Fokus auf Unternehmenssoftware einen Wert von 74 Milliarden Euro erreicht, Firmen aus der Gaming-Branche 45 Milliarden Euro.

Haupttreiber bei den Fintechs waren demnach Smartphonebanken wie N26 und Revolut, Zahlungsdienstleister wie Adyen und Klarna sowie Kreditvermittler wie Funding Circle und OakNorth. Künftig könnte sich die Gewichte verschieben und solche Fintechs größere Bedeutung erlangen, die als Dienstleister für andere Finanzinstitute agieren.

Mit 128 Milliarden Euro geht laut der Studie ein Großteil der Bewertung auf rund 40 Firmen zurück, die bereits mehr als eine Milliarde Dollar wert sind. Vor einem Börsengang werden sie als Einhörner bezeichnet. In Deutschland haben diesen Status zuletzt N26 und die Zinsplattform Deposit Solutions erreicht.

Als wertvollstes europäisches Fintech gilt derzeit der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna mit einer Bewertung in Höhe von rund fünf Milliarden Euro. Auf etwa 49 Milliarden Euro schätzen die Autoren den Wert der Fintechs, die noch nicht den Einhorn-Status erreicht haben.

Finanz-Startups wollen die Finanzbranche revolutionieren, den alteingesessenen Instituten Marktanteile streitig machen oder sie gleich ganz vom Spielfeld verdrängen. Selbstbewusst preisen sie ihre einfach zu bedienende Software und intuitiven Smartphone-Apps, über die Nutzer Geld investieren, Kredite beantragen und Versicherungen abschließen können.

Dabei wollen sie transparenter und günstiger sein als traditionelle Firmen. Auch die Immobilienbranche haben sie erobert. Und wenn sie nicht um Endkunden buhlen, wollen sie die altmodischen Finanzhäuser fit für die digitale Welt machen. Allein in Deutschland wurden zuletzt rund 800 solcher Start-ups gezählt. Die Studie von Dealroom und Finch Capital konzentriert sich auf Firmen, die in den Bereichen Banking, Zahlungsverkehr, Versicherungen und Immobilien aktiv sind, sowie Dienstleister. Andere Studien definieren Fintech mitunter noch breiter.

Europaweit richtet sich der Großteil der wertvollsten Fintechs derzeit direkt an Konsumenten oder Unternehmenskunden. Insbesondere bei jungen Herausforderer-Banken sieht Radboud Vlaar, Co-Gründer von Finch Capital, jedoch Probleme. „Bei den Ertragsmodellen und einer echten Abgrenzung von anderen Banken hinken sie hinterher“, sagt er. „Oft werden solche Konten nur als Nebenkonten genutzt, Kunden zahlen dafür häufig keine Gebühren und bisher ist es den jungen Banken nicht gelungen, in margenträchtigere Produkte wie Kredite, Immobilienfinanzierung oder Anlageprodukte vorzudringen.“

Unklare Ertragsmodelle

Ähnlich äußerte sich im Gespräch mit dem Handelsblatt kürzlich Andreas Haug, Mitgründer des Risikokapitalgebers E-Ventures. „Sie geben extrem viel Geld aus, um Kunden zu gewinnen, die traditionelle Banken ohnehin gerne loswerden wollen – nämlich solche, mit denen sich kaum Geld verdienen lässt“, sagte er.

Die jungen Banken selbst lassen derweil keinen Zweifel daran, dass sie noch Großes vorhaben. So soll der britische N26-Konkurrent Revolut nach Informationen von Skynews gerade eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar planen – was das Unternehmen gegenüber dem Handelsblatt jedoch nicht kommentieren wollte.

Auch die dauerhaften Erfolgsaussichten von digitalen Geldanlageplattformen sieht Vlaar kritisch. Ihr Vorteil bestehe darin, dass sie das Kundenerlebnis für die Anleger stark verbessert hätten, doch inzwischen sei das kein Alleinstellungsmerkmal mehr, und an einer echten Produktdifferenzierung hapere es, so der Investor.

Kreditvermittler hätten zudem noch Probleme, über die lokalen Märkte hinaus zu wachsen – könnten sich aber mit Baufinanzierung ein neues Geschäftsfeld erschließen. Derweil könnten Zahlungsdienstleister ihr Geschäftsfeld um Bankdienstleistungen erweitern. Klarna tut das bereits, indem es Kreditkarten herausgibt.

Großes Potenzial können Unternehmen haben, die ihre Technologien anderen Finanzinstituten zur Verfügung stellen. Hier nahmen die Investments an Fahrt auf. Sie haben sich beispielsweise auf Analysen mit Künstlicher Intelligenz oder auf „Open Banking“-Dienst spezialisiert. Darunter fassen die Studienautoren Anbieter wie die Berliner Solarisbank, dank der auch Firmen ohne eigene Banklizenz im Banking agieren können oder das schwedische Tink, das unter anderem Technologien zum Finanz-Management bietet.

Eine Studie der Unternehmensberatung PWC hatte die allgemeine Fintech-Euphorie vor wenigen Monaten etwas gebremst. Demnach hatten seit 2011 allein in Deutschland 233 Fintechs ihr Geschäft eingestellt. Somit ist etwa jedes fünfte Unternehmen schon wieder vom Markt verschwunden. Zugleich gab es in Deutschland seit 2013 laut PWC 92 Fintech-Übernahmen.

Dass nicht alle Unternehmen in diesem Segment allein am Markt bestehen können, zeigt auch die Studie von Dealroom und Finch Capital. Ein Börsengang ist bisher nur wenigen Unternehmen gelungen – wobei sie damit einen Wert von 36 Milliarden Euro erreicht haben. Häufiger waren Verkäufe an andere Fintechs, Finanzinvestoren oder Finanzdienstleister. Dabei wurden die Firmen insgesamt mit 56 Milliarden Euro bewertet.

Mehr zum Thema: Wenige glänzen, viele scheitern: Bei Fintechs rollt die Pleitewelle.

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