Studie Fusionen zwischen europäischen Großbanken werden immer wahrscheinlicher

Lange galten Großfusionen unter europäischen Banken als Tabu. Analysten erwarten, dass sich das schon sehr bald ändern wird.
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Die Bankenaufseher der EZB haben sich bereits mehrfach für grenzüberschreitende Fusionen stark gemacht, weil solche Deals nötig sind, um die Bankenunion in der Währungsunion mit Leben zu füllen. Quelle: dpa
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Die Bankenaufseher der EZB haben sich bereits mehrfach für grenzüberschreitende Fusionen stark gemacht, weil solche Deals nötig sind, um die Bankenunion in der Währungsunion mit Leben zu füllen.

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FrankfurtDie Gerüchte machen schon eine ganze Weile die Runde: Müssen Commerzbank und Deutsche Bank nicht früher oder später zusammenkommen, um eine nachhaltige Perspektive zu bekommen? Würde die britische Großbank Barclays nicht gut zum Schwellenländerspezialisten Standard Chartered passen? Und könnte man aus der italienischen Unicredit und der französischen Société Générale nicht einen paneuropäischen Finanzriesen schmieden, der die EU-Bankenunion wirklich mit Leben erfüllt?

Die Analysten der Schweizer Großbank UBS erwarten, dass aus einigen dieser Gerüchte bald Wahrheit werden könnte. „Wir rechnen mit einem signifikanten Anstieg der Fusionstätigkeit“, schreiben Analyst Jason Napier und seine Kollegen in einer neuen Studie mit dem Titel „the urge to merge“. Ihr Zeithorizont: zwölf Monate.

Nach Meinung der UBS-Experten wächst der Druck auf europäische Banken, sich nach einem Partner umzusehen. Das geschieht allerdings nicht aus einer Position der Stärke heraus – sondern im Gegenteil: weil viele Banken zu schwach sind, um mit den kommenden Herausforderungen fertig zu werden.

Die Analysten fürchten, dass die Erträge der Banken deutlich einbrechen könnten, wenn die Europäische Zentralbank nicht bald mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik ernst macht. Ohne Zinserhöhungen könnten die Renditen der Geldhäuser auf das materielle Eigenkapital in den kommenden Jahren um 25 Prozent absacken, rechnen die Experten vor. Dazu kommt der harte Wettbewerb im Kreditgeschäft, der Investitionsstau im IT-Bereich und vermutlich weiter steigende Kapitalanforderungen.

Vor allem in Deutschland und Österreich sei der Banken-Markt nach wie vor deutlich überbesetzt, argumentiert die UBS. In Deutschland rangeln nach wie vor über 1600 selbständige Banken um Marktanteile. In Frankreich und Großbritannien sind es dagegen lediglich rund 400.

Obwohl die Banken nach der Finanzkrise ihre Kapitalpuffer massiv aufgestockt haben, könnten neue Verwerfungen einige Institute schnell in Schwierigkeiten bringen. Das gilt nach Meinung der UBS vor allem für die Deutsche Bank und die Commerzbank. Selbst wenn die beiden Institute nur zwei Prozent ihrer Aktiva abschreiben müssten, wäre bereits eine Kapitalerhöhung in Höhe des gesamten Börsenwerts notwendig, um die Kapitalvorräte wieder aufzufüllen, rechnen die Analysten vor.

Die UBS-Experten haben einen Index entwickelt, der zeigt in welchem Land eine Konsolidierung des Bankensektors am attraktivsten wäre. In diesen Index fließen Werte, wie Filialen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, der Anteil der fünf größten Banken an den gesamten Aktiva des Sektors oder die Eigenkapitalrendite ein. Ergebnis: Mit einem Indexwert von 1,99 liegt Deutschland vor Österreich mit 1,51 deutlich an der Spitze.

Über eine Verschmelzung von Commerzbank und Deutscher Bank wird seit langem spekuliert. Eine ganze Reihe von Analysten haben das Szenario bereits durchgerechnet. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich eine Fusion auf lange Sicht rechnen könnte, weil die Institute im heimischen Privat- und Firmenkundengeschäft an Marktmacht gewinnen würden und massiv Kosten sparen könnten.

Kurzfristig sind die meisten Finanzexperten und Investoren allerdings der Meinung, dass eine Hochzeit zwischen den beiden großen Privatbanken der falsche Weg wäre. Das Argument: Zwei nicht besonders starke Banken wären gemeinsam nicht besser als die Summe ihrer Schwächen.

Nach der Finanzkrise galten Großfusionen unter Banken lange als Tabu. Aufseher und Politik fürchteten, dass noch größere Banken das Risiko erhöhen, dass die Steuerzahler bei der nächsten Krise wieder als Retter für die Finanzindustrie einspringen müssen.

Doch das ändert sich allmählich. Die UBS-Analysten glauben, dass die Aufseher Großfusionen „stärker unterstützen“ könnten, weil die Branche mit dem Aufbau von Kapitalpuffern und dem Abbau fauler Kredite gut vorankomme. Inzwischen könnten große Zusammenschlüsse das Finanzsystem sogar sicherer machen, weil dadurch die Profitabilität der Institute gestärkt werde.

Die Bankenaufseher der EZB haben sich bereits mehrfach für grenzüberschreitende Fusionen stark gemacht, weil solche Deals nötig sind, um die Bankenunion in der Währungsunion mit Leben zu füllen. Die deutschen Aufseher scheinen Großfusionen dagegen etwas skeptischer zu sehen: Bevor es zu einer Umwälzung im Bankensektor kommen könne, müssten die Banken in Deutschland und auch Europa noch einige Hausaufgaben machen, meint der Präsident der deutschen Bankenaufsicht Bafin, Felix Hufeld.

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1 Kommentar zu "Studie: Fusionen zwischen europäischen Großbanken werden immer wahrscheinlicher"

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  • Sehr geehrter Herr Maisch,

    ich liebe Sandkastenspiele. Meistens sind sie unterhaltsam. Aber nur zu erzählen, irgendeiner hat irgendetwas gerechnet, ist doch recht dürftig. Da bleibt als Kommentar nur der Satz "shit happens".

    Übrigens: Zum "shit" gehört auch, dass rund 75 % aller Fusionen scheitern. Schon davon gehört?

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