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Studie In diesen Schwellenländern drohen Banken die größten Risiken

Lange ging es für die großen Schwellenländer nur bergauf. Doch nun häufen sich die Krisen. 2019 könnte zum Stresstest für die lokalen Banken werden, wie eine neue Studie zeigt.
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Für die Banken der Schwellenländer wird 2019 ein herausforderndes Jahr. Quelle: dpa
Istanbuls Finanzviertel Levent

Für die Banken der Schwellenländer wird 2019 ein herausforderndes Jahr.

(Foto: dpa)

Frankfurt 2019 wird kein einfaches Jahr für die Weltwirtschaft. Und was für die entwickelten Staaten gilt, gilt für die Schwellenländer umso mehr. Die lokalen Banken stehen besonders unter Druck, wie eine neue Studie der Ratingagentur S&P Global (früher Standard & Poor’s) zeigt.

Die Analysten haben zehn wichtige Schwellenländer untersucht und die jeweiligen größten Risiken für die Banken identifiziert. Nach vielen Jahren des Aufschwungs sind die Institute in Ländern wie China oder der Türkei auf Wachstum gepolt. Nun sind sie häufig schlecht vorbereitet auf eine Abkühlung der Weltwirtschaft, so die Diagnose.

Von den zehn untersuchten Ländern dürften 2019 nur noch drei starkes, wenn auch sich verlangsamendes Wachstum verzeichnen: China, Indonesien sowie Indien, das als einziges Land mit über sieben Prozent wachsen dürfte. In der Türkei und Argentinien dürfte die Wirtschaft hingegen schrumpfen, in Argentinien schon das zweite Jahr in Folge.

Und für die Mitglieder des Goldkooperationsrats, darunter Saudi-Arabien, „sind die Jahre der hohen Wachstumsraten definitiv vorbei. Wir erwarten hier sehr viel geringere, wenn auch stabile, Wachstumsraten“, schreiben die Analysten.

„Die globalen Finanzkonditionen sind Anfang 2019 schlechter, als sie es vor einem Jahr waren“, konstatiert die Studie. Die Liste an globalen Problemfeldern ist lang: Da sind die Zinserhöhungen der US-Zentralbank Fed, die Wachstumssorgen in Europa und China, die Unsicherheiten rund um den Brexit, die internationalen Handelsstreitigkeiten sowie die Vertrauenskrise in die US-Politik aufgrund des Haushalts-„Shutdowns“.

Zwar habe die Entscheidung der Fed vom 30. Januar, die Zinsen nicht weiter zu erhöhen, eine Atempause verschafft, schreiben die Analysten. Aber der Hintergrund dieser Entscheidung, die Abkühlung der Weltwirtschaft, könnte 2019 zu Turbulenzen in den lange Jahre wachstumsverwöhnten Schwellenländern führen.

Hinzu kommen hausgemachte Probleme. So litten viele der untersuchten Ökonomien unter ausufernden Staatsfinanzen, politischem Missmanagement und einer Überschuldung von Unternehmen und Haushalten. Gerade in den Schwellenländern ein Problem: die hohe Zahl an notleidenden Krediten (NPLs) in den Büchern der Banken.

Diese machen beispielsweise in Indien knapp 12 Prozent aller heimischen Kredite aus. Außerdem riskant: die wachsende Auslandsverschuldung der Geldhäuser, etwa in Katar oder der Türkei. So stehen die türkischen Banken mit 100 Milliarden Dollar im Ausland in der Kreide, allein 2019 müssen hiervon 40 Milliarden zurückgezahlt werden.

Zehn große Schwellenländer haben die Analysten auf zwei Hauptfragen hin abgeklopft: Wie sieht ihre Wachstumsperspektive 2019 aus? Und welche Risiken für die lokalen Banken (und damit für die heimische Wirtschaft) sind virulent?


China

Wachstumsperspektive: S&P erwartet für 2019 ein leicht schwächeres Wachstum von 6,2 Prozent. Die Anzahl notleidender Kredite dürfte sich erhöhen, aber die Regierung sollte entsprechend gegensteuern.

Hauptrisiko: Stark belasten würde China laut den Analysten eine Ausweitung des Handelskriegs mit den USA. Problematisch ist auch der hohe Verschuldungsgrad der privaten Haushalte und Unternehmen.


Indien

Wachstumsperspektive: Die Studie erwartet 2019 ein Wachstum von über sieben Prozent und eine Inflationsrate von unter fünf Prozent.

Hauptrisiko: Die Profitabilität zahlreicher öffentlicher Banken ist weiterhin schwach. Das, in Verbindung mit dem hohen Bestand an notleidenden Krediten, macht sie abhängig von staatlichen Zuschüssen. Außerdem kommt es im ersten Halbjahr 2019 zu zahlreichen Wahlen auf Bundesstaats- und nationaler Ebene. Das dürfte zu hoher Volatilität an den Märkten führen.


Indonesien

Wachstumsperspektive: Die Erholung der Rohstoffpreise treibt das Wachstum an, S&P rechnet mit einer Rate von 5,3 Prozent im Jahr 2019.

Hauptrisiko: Da Indonesien Rohstoffe aus- und Kapital einführt, ist seine Währung besonders anfällig für Abwertungen. Das könnte vor allem die Banken stark belasten, die Export- und Importgeschäft finanzieren. Viele indonesische Großunternehmen haben Geld im Ausland geparkt und könnten daher von einer Abwertung besonders betroffen sein.


Argentinien

Wachstumsperspektive: Nach den Wahlen im Oktober 2019 könnte es laut S&P zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen. Dafür, dass die größten Abwärtsbewegungen vorbei sind, sprechen auch die sinkenden Inflationsraten und Zinsen.

Hauptrisiko: Mitten in einem Wahljahr setzt Argentinien ein unpopuläres Sparprogramm um. Gelingt es der Regierung nicht, die Wirtschaft zu stabilisieren, sehen die Aussichten für die Banken düster aus.


Brasilien

Wachstumsperspektive: Die S&P-Analysten erwarten für das größte Land Südamerikas ein leicht höheres Wachstum in 2019 von 2,4 Prozent. Die Profitabilität der Banken dürfte sich dadurch verbessern.

Hauptrisiko: Der neue, politisch extrem weit rechts stehende Präsident Jair Bolsonaro hat zahlreiche Reformen angekündigt, darunter Ausgabenkürzungen und Privatisierungen. Es ist jedoch unklar, ob er diese umsetzen kann.


Mexiko

Wachstumsperspektive: Das Wachstum bleibt auf einem vergleichsweise geringen Niveau von 2,2 Prozent. Das Bankensystem ist laut S&P gesund. Der Anteil von Problemkrediten liegt bei rund zwei Prozent, die Institute wirtschaften profitabel und die Leitzinsen sind hoch.

Hauptrisiko: Hohe Inflation und politische Unsicherheiten stellen Risiken dar, sollten laut S&P für die Geldhäuser aber beherrschbar sein.


Katar

Wachstumsperspektive: Den Wirtschaftsboykott Saudi-Arabiens hat Katar laut den Analysten gut überstanden. Das Wachstum sollte anziehen auf über 2,5 Prozent.

Hauptrisiko: Die Banken in Katar sind stark abhängig vom Immobilien- und Baugeschäft das für 21 Prozent der ausstehendenden Kredite verantwortlich ist. Gleichzeitig ist dieses besonders vom andauernden Boykott betroffen. Außerdem sind die Banken Katars stark von ausländischen Krediten abhängig, deren Volumen inzwischen auf 23 Prozent der heimischen Kreditvergabe geklettert ist.


Saudi-Arabien

Wachstumsperspektive: Sollte es nicht zu einem starken Verfall der Ölpreise kommen, rechnen die Analysten für 2019 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent.

Hauptrisiko: Öl, Öl, Öl: Die saudi-arabischen Wirtschaft krankt laut S&P nach wie vor an ihrer strukturellen Abhängigkeit vom Schwarzen Gold. Ob Staat, private Haushalte oder die Geldinstitute: alle Sektoren sind mit der Ölwirtschaft verknüpft. 30 Prozent der Kreditvergabe geht an lediglich 20 Firmen, vor allem aus dem Rohstoffbereich.


Südafrika

Wachstumsperspektive: Das Wachstum könnte sich leicht erholen, von 0,8 auf 2,9 Prozent. Da jedoch gleichzeitig die Bevölkerung wächst, verpufft die Erholung laut S&P. Die Asset-Qualität der privaten Banken ist jedoch stabil.

Hauptrisiko: Steigende Leitzinsen, der hohe Anteil armer Haushalte und die wachsende und kaum beaufsichtigte Schattenbank-Branche könnten 2019 die klassischen Banken belasten.


Türkei

Wachstumsperspektive: S&P erwartet für das lange wachstumsverwöhnte Schwellenland 2019 einen Wirtschaftsabschwung von 0,5 Prozent. Die Inflationsrate dürfte weiter hoch liegen, die Investments dürften um sechs Prozent sinken. Dennoch sollten sich die heimischen Banken weiterhin refinanzieren können, wenn auch zu steigenden Kosten.  

Hauptrisiko: 2019 dürfte die Zahl der notleidendenden Kredite deutlich wachsen, da zahlreiche Kreditnehmer im Bau-, Immobilien- und Energiebereich in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Analysten schätzen, dass der Anteil der Problemkredite bis auf 20 Prozent steigen könnte. Die Lira-Abwertung und das sich eintrübende Wachstum werden zunehmend zum Problem. Für viele Banken, die kurzfristig im Ausland verschuldet sind, wird es deutlich schwieriger, sich zu refinanzieren. Sollte es zu einem Ansturm auf die Einlagen durch die Kunden kommen, könnte das Fortbestehen vieler Institute gefährdet sein.

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