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Studie Warum Lebensversicherungskunden aufatmen können - vorerst

Der langjährige Sinkflug bei den Zinsen der klassischen Lebensversicherungen ist beendet. Verantwortlich dafür ist auch eine Entscheidung der Regierung.
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Der Grund für das Ende des Sinkflugs der Rendite bei Lebensversicherungen ist die geringere Zinszusatzreserve. Quelle: dpa
Lebensversicherung

Der Grund für das Ende des Sinkflugs der Rendite bei Lebensversicherungen ist die geringere Zinszusatzreserve.

(Foto: dpa)

Köln Es ist eine Zahl von hoher Relevanz. 84 Millionen Lebensversicherungen gibt es in Deutschland, der Großteil davon sind klassische Policen mit Garantiezins. Jedes Jahr justieren die deutschen Versicherer dabei die Ausschüttungspolitik neu für die klassische Lebensversicherung, das jahrzehntelange Lieblingsprodukt der Deutschen, wenn es um die Altersvorsorge geht. Jahrelang kannte diese Neujustierung nur eine Richtung: abwärts.

Doch nun deutet sich erstmals seit rund einem Jahrzehnt ein Ende des Sinkfluges an, wie aus einer aktuellen Studie der Ratingagentur Assekurata hervorgeht. „Für 2019 verzeichnen wir erstmals seit vielen Jahren auf breiter Linie stabile Deklarationen“, sagte der Chef der Kölner Ratingagentur Assekurata, Reiner Will, bei der Vorstellung der jährlichen Studie am Donnerstag in Köln.

Die Zinstalfahrt bei Lebens- und Rentenversicherungen ist demnach gestoppt. Bei klassischen Verträgen mit Garantiezins liegt Assekurata zufolge die laufende Verzinsung in diesem Jahr im arithmetischen Schnitt bei 2,84 Prozent - ein minimales Minus von 0,01 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im gewichteten Schnitt stieg sie sogar um 0,01 Prozentpunkte auf 2,92 Prozent.

Die laufende Verzinsung des Altersvorsorgeklassikers setzt sich aus dem Garantiezins sowie der Überschussbeteiligung zusammen, über deren Höhe die Versicherer je nach Wirtschaftslage und Erfolg ihrer Anlagestrategie jedes Jahr neu entscheiden.

Die Lage bei den deutschen Lebensversicherern hat sich damit vorläufig stabilisiert – woran auch eine Entscheidung der Bundesregierung ihren Anteil trägt. Denn die zum Ende des Jahres beschlossene Senkung der staatlich verordneten Zinszusatzreserve (ZZR), die viele Lebensversicherer zum Verkauf lukrativer Kapitalanlagen gezwungen hatte, gibt den Firmen nun mehr Luft. Nach Schätzungen der Finanzaufsicht Bafin müssen sie in diesem Jahr nur noch etwa fünf Milliarden Euro statt 20 Milliarden zurücklegen, um die Zinsgarantien aus der Vergangenheit sicherzustellen.

Die ZZR war aufgebaut worden, weil sich viele Lebensversicherer mit der seit der Finanzkrise 2008 anhaltenden Niedrigzinsphase schwertun, ihre Zinsversprechen einzuhalten. Zuletzt war die milliardenschweren Einzahlungen jedoch zum Ballast geworden, denn das Geld für die ZZR konnten viele Firmen nur noch aufbringen, indem sie ältere Anleihen, Grundstücke oder Aktien verkauften. Damit realisierten sie Gewinne, um anschließend einen Teil des Geldes zu den heutigen schlechter verzinsten Konditionen wiederanzulegen. Im vergangenen Jahr beschloss die Regierung deshalb, die Lasten etwas zu reduzieren – wovon nun auch die Kunden profitieren.

Die Entspannung an der Zinsfront hatte sich bereits Ende des Jahres abgezeichnet. So hatte der unangefochtene Marktführer Allianz Leben hatte die Überschussbeteiligung Anfang Dezember im dritten Jahr in Folge bei 2,8 Prozent konstant gehalten und die Konkurrenz damit unter Druck gesetzt.

Das gilt auch für andere Anbieter wie die Axa Lebensversicherungs AG, die Nürnberger Lebensversicherung, die Alte Leipziger, die Württembergische und die R+V Leben. Noch mehr Grund zur Freude haben Kunden beispielsweise der Ideal Leben sowie der DEVK Leben und des DEVK Versicherungsvereins - diese Unternehmen erhöhen sogar die laufende Verzinsung.

Viele Unternehmen haben das Neugeschäft inzwischen auf Policen ohne lebenslange Zinsgarantien umgestellt, andere bieten gar keine klassischen Garantie-Policen mehr an. Unter den rund 84 Millionen Lebensversicherungen im Bestand dominieren aber immer noch Policen mit Garantiezins.

Die höchste Verzinsung bietet derzeit die Ideal Versicherung, die sie auf 3,3 (3,0) Prozent erhöht hat. Am unteren Ende der Skala rangiert wie im Vorjahr die Generali Leben, die weiterhin 1,25 Prozent ausschüttet. Sie ist mit vier Millionen Policen einer der zehn größten Lebensversicherer, hat das Neugeschäft jedoch vor einem Jahr eingestellt und will die Verträge an den Abwickler Viridium abgeben. Die Genehmigung der Bafin dafür steht aber noch aus.

Kunden mit relativ jungen Verträgen mit einem Garantiezins von nur 0,9 Prozent können der Studie zufolge in diesem Jahr mit einer laufenden Verzinsung von 2,46 Prozent rechnen. Auch dieser Wert liegt praktisch auf Vorjahresniveau. Altkunden bekommen teils deutlich mehr: Knapp die Hälfte der Kundenguthaben bei den Lebensversicherern weist demnach noch einen Garantiezins von drei Prozent oder mehr auf.

Angesichts der Zinsflaute an den Finanzmärkten haben allerdings immer mehr Versicherer den Verkauf klassischer Policen mit Garantiezins eingestellt. Stattdessen bieten sie Verträge mit modifizierten Garantien an, für die sie weniger Kapital vorhalten müssen.

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