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Studie zu deutschen Versicherern Versicherer tun sich schwer mit Aufbruch ins Digitale

Die deutsche Assekuranz investiert zwar viel Geld in die Digitalisierung. Innovative Geschäftsansätze entstehen daraus allerdings kaum.
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Eine von vielen technischen Möglichkeiten, die sich für Versicherer bieten. Quelle: dpa
Digitalisierung im Gesundheitsbereich

Eine von vielen technischen Möglichkeiten, die sich für Versicherer bieten.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs ist ein Zeichen, das sich nicht nur an den eigenen Konzern richtet. Europas größter Versicherer, die Münchener Allianz, schafft in wenigen Monaten ein eigenes Vorstandsressort für den digitalen Konzernumbau. Ivan de la Sota soll sich als Chief Business Transformation Officer vom 1. April an darum kümmern, dass sich der Münchner Versicherungsriese möglichst schnell auf das digitale Zeitalter vorbereitet, beschloss der Dax-Konzern vor wenigen Tagen.

Ein Vorstoß, für den es offensichtlich gute Gründe gibt. Nach einer neuen Studie, die dem Handelsblatt vorab vorliegt, investieren die deutschen Assekuranzen inzwischen zwar viel Geld in die Digitalisierung. Innovative Geschäftsansätze entstünden daraus bisher allerdings kaum, lautet das eher ernüchternde Ergebnis einer Untersuchung der Unternehmensberatung Zeb, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.

„Digitalisierung verändert die Versicherungsbranche durchgreifender als jeder technologische Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte“, verkündete vor wenigen Monaten der scheidende Talanx-Chef Herbert K. Haas. Mittlerweile hat die Branche die Bedeutung der Digitalisierung für die eigenen Geschäftsprozesse erkannt und investiert viel Geld in die neue Technologie.

So gaben 83 Prozent der von der Unternehmensberatung Zeb befragten deutschen Unternehmen an, zumindest punktuell Budgets für Digitalisierungsinvestments freizugeben. Doch wenn es um neue, innovative Geschäftsmodelle geht, kommt die Branche weiter kaum voran.

Denn nur acht Prozent dieser Investitionen werde über einen funktionieren Prozess in innovative Geschäftsansätze für das Unternehmen überführt, heißt es in der Studie, die Stefan Geipel, Partner bei Zeb, geleitet hat. Die Digitalisierung der deutschen Versicherungsbranche drohe damit nicht an den Budgets, sondern an internen Prozessen zu scheitern, warnt der Experte.

Es ist eine Wahrnehmung, mit der Geipel offensichtlich nicht alleine steht. So geht auch Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte der digitale Umbau im Konzern zu langsam. In den vergangenen zwei Jahren hatte Solmaz Altin als Chief Digital Officer eine Stufe unter dem Vorstand die Digitalisierungs-Strategie bei dem Dax-Konzern angeschoben, sich damit aber nicht immer gegen die mächtigen Landesgesellschaften durchgesetzt.

Als Vorstand hat de la Sota nun deutlich mehr Durchgriffsmöglichkeiten. Der 44-Jährige Altin geht dagegen im Sommer als designierter Asien-Chef nach Singapur. Statt dessen soll nun de la Sota in München bestehende Geschäftsmodelle weiterentwickeln, neue Modelle einführen sowie eine flexible Kombination von persönlicher Beratung und digitalen Angeboten ermöglichen. Als erster großer deutscher Versicherer schafft die Allianz damit dieses Jahr einen eigenen Vorstand für Digitalisierung.

Doch Zeb-Partner Geipel ist überzeugt, dass die Branche in diesem Bereich weiter Nachholbedarf hat. Noch sei der Grundsatz, vom Kunden her zu denken, nicht in der Praxis verankert, moniert der Berater. Während der Großteil der teilnehmenden Versicherungen angebe, die Bedürfnisse der Kunden zu kennen, beziehe weniger als die Hälfte der Versicherer die eigenen Kunden in die Produktentwicklung mit ein.

Auch bei Prozessen, IT und Daten seien die Versicherer in Deutschland noch nicht auf digitale Geschäftsmodelle ausgelegt und so in ihrer Transformationsgeschwindigkeit gehemmt. Künstliche Intelligenz setze die Branche bisher mehrheitlich nicht ein, einige Firmen prüften aber die Chancen der Technologie.

„Es überrascht, dass bisher nur jede zweite Versicherung eine eigene Digitalisierungsstrategie entwickelt hat und die Verantwortlichkeiten für die digitale Transformation nur bei jedem vierten Unternehmen definiert und eingefordert werden“, erklärte Berater Geipel. Die Unternehmensberatung Zeb hat für ihre Untersuchung über 50 Entscheider von deutschen Versicherungsunternehmen befragt, die insgesamt – nach Bruttoprämien gemessen – rund 60 Prozent des deutschen Marktes repräsentieren.

In vielen Vorstandsetagen sehen die Berater dabei noch Bedarf zum Nachjustieren. „Wollen Versicherer hier gezielter agieren, müssen sie deutlich an Tempo zulegen und vor allem die Managementkapazitäten zielgerichtet einsetzen“, empfiehlt Geipel. Es ist ein Ratschlag, den sich Allianz-Chef Bäte offensichtlich bereits zu Herzen genommen hat.

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