Studie zu Retailbanken Sparkassen verdienen mit Gebührenerhöhungen so viel wie nie

Jahrelang darbte das Privatkundengeschäft der deutschen Banken. Nun streichen sie wieder satte Provisionen ein.
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Sparkassen verdienen mit Gebührenerhöhungen so viel wie nie Quelle: picture alliance / Westend61
Frankfurter Bankentürme

Die Provisionen der Retailbanken sind so hoch wie lange nicht.

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FrankfurtDie deutschen Banken konnten durch Gebührenerhöhungen im Privatkundengeschäft 2017 die höchsten Provisionserträge seit 13 Jahren verzeichnen. Während die Zinserträge merklich sinken, lassen Einnahmen durch höhere Gebühren die Sparkassen und Volksbanken jubeln.

Provisionserträge waren noch nie die ganz große Stärke des deutschen Bankensystems. Mit ihren Kontoführungsgebühren, die den wesentlichen Teil dieser Erträge ausmachen, konnten Banken zwar Kunden größtenteils zufriedenstellen, aber nicht nennenswert Geld verdienen. Im vergangenen Jahr hat sich das nun geändert, wie finanz-szene.de berichtet.

Laut Analysen von Barkow Consulting stieg der durchschnittliche Provisionsüberschuss um 7,1 Prozent. Das ist der höchste Anstieg seit über 13 Jahren. Im Fokus stehen dabei Retailbanken – also Banken, deren Fokus auf dem Privatkundengeschäft liegt. Analysiert wurden über 500 Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Auf alle Retailbanken hochgerechnet dürfte der Überschuss laut finanz-szene.de über eine Milliarde Euro betragen.

Einzelne Institute wie die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) konnten ihren Vorjahreswert dabei sogar um über 30 Prozent steigern. Bezahlen mussten das weitestgehend die Kunden. Durch Preiserhöhungen – und kostenpflichtige Dienstleistungen, die bislang kostenlos waren.

„Der Abschied von der Gratiskultur ist notwendig. Unsere Leistungen sind etwas wert und haben ihren Preis“, wie es Andreas Schulz, der Vorstandsvorsitzende der größten Sparkasse Brandenburgs, 2016 begründete. Die Erhöhung betraf 470.000 Nutzer von Girokonten und 30.000 von Geschäftskonten.

So kostete bei der MBS ein normales Girokonto vor dem 1. Januar 2017 noch 6,50 Euro, danach 8,50 Euro. Für Onlinekonten, die bislang kostenlos waren, mussten nun 2,50 Euro an Grundgebühr gezahlt werden. Deutlich teurer traf es Unternehmen: Bezahlten sie bisher 4,50 Euro an Grundgebühr für ein Geschäftskonto, waren es nach dem Jahreswechsel satte 12,50 Euro.

Andere Sparkassen erhöhten ihre Gebühren bereits früher. Das Girokonto bei der Berliner Sparkasse kostete zum 1. Dezember 2016 auf einmal sieben Euro, statt bisher vier – eine Preiserhöhung von 75 Prozent. Und während die Bareinzahlung der über Jahre gesammelten Cent-Münzen lange Zeit kostenfrei war, kostete sie bei der Saalesparkasse ab dem 1. Januar 2016 pauschal fünf Euro.

Grund für die Erhöhung der Gebühren ist die Zinspolitik. Banken wie die Sparkassen, die sich vor allem um das Privatkundengeschäft kümmern, verdienten jahrelang vor allem durch das Zinsgeschäft. Seitdem die Europäische Zentralbank den Leitzins aber konstant bei 0 Prozent hält und sogar 0,4 Prozent Strafzins von Banken verlangt, die Geld bei ihr einlagern, sind die Einnahmen aus ebendiesem Zinsgeschäft stark zurückgegangen. Das Anlegen von Geld bringt den Banken kaum mehr Gewinn.

Höhere Gebühren und sogar Negativzinsen sollen diese Ausfälle kompensieren – und das in vielen unterschiedlichen Bereichen. Die Höhe der jeweiligen Gebühren legen die Banken selber fest.

Barkow Consulting rechnet auch 2018 mit einer Steigerung der Provisionserträge. Viele Banken erhöhten ihre Gebühren erst im Laufe des vergangenen Jahres, sodass mit den signifikanten Auswirkungen erst in diesem Jahr zu rechnen ist.

Die Gewinnsteigerung wird allerdings einen ebenfalls anhaltenden Trend nicht bremsen können: Die Anzahl der Kreditinstitute in Deutschland nimmt jedes Jahr ab. Laut aktueller Statistik der Bundesbank waren es demnach 2016 mit 1.888 Banken gut 400 weniger als 2007.

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1 Kommentar zu "Studie zu Retailbanken: Sparkassen verdienen mit Gebührenerhöhungen so viel wie nie"

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  • " Während die Zinserträge merklich sinken, lassen Einnahmen durch höhere Gebühren die Sparkassen und Volksbanken jubeln."


    Heißt übersetzt:

    Das eigentliche Geschäft der Banken (Kreditvergabe mit Zinsgewinn) ist dank der EZB-Geldpolitik mausetot. Um zu überleben, müssen Banken sich mit Gebühren über Wasser halten.

    Damit dieses Konzept aufgeht, werden mit fadenscheinigen Argumenten der Besitz und die Benutzung von Bargeld zunehmend erschwert bzw. gleich kriminalisiert (-> Schweden, Dänemark), denn Bargeld ist die einzige Möglichkeit, sich dieser Strategie zu entziehen.

    Meine Prognose:

    Sollte es wieder nennenswerte Zinsen existieren und damit das Kreditgeschäft wieder laufen, bleiben die Gebühren erhalten - es ist schließlich der einfachste Weg, Geld zu "verdienen".

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