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Subprime-Virus Geierfonds lauern gestrandeten Firmen auf

Längst nicht alle Banker fürchten die Finanzkrise. Viele haben nur darauf gewartet, dass die Verwerfungen endlich ihre ersten Opfer fordern. Seit vielen Monaten bereiten sich Hedge-Fonds, Investmentbanken, und Private-Equity-Firmen auf den Notfalleinsatz vor - so genannte Geierfonds warten geduldig auf ihre Chance.

LONDON. Sie stehen bereit, um faule Kredite aufzukaufen, überschuldete Firmen zu sanieren und Finanzlücken zu schließen. Im Branchenjargon werden sie oft als "Geierfonds" bezeichnet. Ihre Aufgabe: die Scherben des Booms zu Gold zu machen.

Experten erwarten in den kommenden Monaten eine Welle von faulen Krediten von Unternehmen, die in Finanznot geraten. Von Goldman Sachs über Morgan Stanley bis zur Deutschen Bank haben sich nahezu alle großen Investmentbanken darauf vorbereitet und ihre Restrukturierungsteams verstärkt.

Selbst Private-Equity-Gesellschaften wie Blackstone oder KKR bieten sich als Krisenhelfer an. Dass es sich bei den strauchelnden Firmen wahrscheinlich häufig um Kandidaten handeln wird, die unter dem Schuldenberg einer Übernahme durch Private-Equity ächzen, weckt in der Branche keine Gewissensbisse.

Frank Grell, Partner der Anwaltskanzlei Latham & Watkins erwartet, dass vor allem Übernahmekredite von Beteiligungsgesellschaften in Zahlungsverzug geraten werden. Die Wurzel des Problems liege in der Hochphase des Beteiligungsbooms der vergangenen drei Jahres, als sich die Banken mit aggressiven Finanzierungsangeboten übertroffen und die Private-Equity-Investoren Höchstpreise für Unternehmen bezahlt hätten. Nach Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, werden bis 2010 rund 500 Mrd. Dollar dieser Kredite fällig. "Die Refinanzierung dürfte vielen Schuldnern angesichts der Kreditkrise schwer fallen", warnt Grell.

Die Private-Equity-Branche hat sich bereits mit milliardenschweren Fonds auf die erwartete Pleitewelle vorbereitet. Im ersten Halbjahr sammelten die Beteiligungsgesellschaften nach Daten des britischen Branchendiensts Preqin 33 Mrd. Dollar für Investitionen in problembehaftete Unternehmenskredite ein. Die Rekordmarke setzte der US-Investor Oaktree mit einem Fonds über 10,6 Mrd. Dollar, die Texas Pacific Group strebt für ihren Distressed-Fonds ein Volumen von sieben Mrd. Dollar an.

Hedge-Fonds haben mit Investments in solche Problemkredite bereits gute Erfahrungen gemacht. In der US-Auto- und Luftfahrtindustrie haben die spekulativen Fonds die Schulden von bankrotten Unternehmen zu günstigen Preisen aufgekauft, nur um sie dann in Eigenkapital umzuwandeln und später teurer wieder zu verkaufen. Beispiele für solche Anlagestrategien sind die US-Autozulieferer Dana und Delphi. Die Fonds spekulieren darauf, dass die Märkte in Stresssituationen überreagieren und dadurch günstige Kaufgelegenheiten schaffen.

Gebremst wird der Optimismus der Kriegsprofiteure allerdings durch die Tatsache, dass auch der Handel mit faulen Krediten unter der Finanzkrise leidet. Einige Investoren fürchteten, dass die faulen Darlehen angesichts der fragilen Lage der Weltwirtschaft trotz Bewertungsabschlägen von bis zu 50 Prozent noch weiter an Wert verlieren, erläutert Anwalt Grell. Außerdem könnten die Anleger inzwischen auch weniger riskante Kreditpakete mit deutlichen Rabatten aus den Beständen der Banken kaufen. Aber auch dieses Geschäft ist eine direkte Folge der Kreditkrise und ein gefundenes Fressen für die Krisenprofiteure. mm

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