Super-Landesbank Sparkassen planen Mega-Fusion ihrer Spitzeninstitute

Die Sparkassen prüfen nach Informationen des Handelsblatts eine Mega-Fusion: Helaba, NordLB, LBBW, der Fondsdienstleister Deka und die Berlin Hyp sollen verschmolzen werden.
Update: 25.10.2018 - 17:46 Uhr Kommentieren
Sparkassen planen Mega-Fusion ihrer Spitzeninstitute Quelle: dpa
Landesbank Hessen-Thüringen

Überlegungen zu einer Großfusion der Spitzeninstitute.

(Foto: dpa)

FrankfurtGroße Auftritte liegen Helmut Schleweis nicht. Hölzern und etwas bieder kommt der seit Jahresanfang amtierende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) oft rüber. Sein Vorgänger Georg Fahrenschon, den eine Steueraffäre Ende 2017 zum Rückzug zwang, war da ganz anders. Schleweis wirkt mehr nach innen als nach außen. Und er hat hinter den Kulissen ein Projekt angeschoben, das den deutschen Bankenmarkt nachhaltig verändern könnte.

Die Sparkassen arbeiten nach Informationen des Handelsblatts an einer Fusion ihrer Spitzeninstitute. Aktuell werde ein Zusammenschluss der Landesbanken Helaba, NordLB, LBBW sowie des Fondsdienstleisters Deka und des Immobilienfinanzierers Berlin Hyp ausgelotet, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen.

Das fusionierte Institut hätte eine Bilanzsumme von rund 700 Milliarden Euro. Mittelfristig soll diese Summe Finanzkreisen zufolge auf etwa 500 Milliarden Euro sinken. Damit wäre die neue Super-Landesbank aktuell das drittgrößte deutsche Geldhaus – nach der Deutschen Bank und der DZ Bank.

In einem ersten Schritt sollen sich Finanzkreisen zufolge die Helaba und die NordLB zusammenschließen. Anschließend soll das fusionierte Institut dann mit der Deka, der LBBW und der Berlin Hyp verschmelzen – gegebenenfalls in mehreren Schritten. Die BayernLB ist beim geplanten Fusionsreigen erst einmal außen vor. Ob die Pläne am Ende wirklich umgesetzt werden, sei allerdings noch unklar, betonten mehrere Insider. Es sei ein sehr komplexes Vorhaben, bei dem es noch viele Hürden gebe.

Ausgangspunkt für die Fusionspläne ist die brenzlige Lage der NordLB, die auf der Suche nach Investoren ist. „Das von den Trägern der NordLB begonnene Verfahren für die Gewinnung von Kapitalinvestoren ist für den DSGV Anlass, mögliche Optionen und Handlungserfordernisse für die Sparkassen-Finanzgruppe aufzubereiten und mit seinen Mitgliedern zu beraten“, erklärte ein DSGV-Sprecher. „Die Überlegungen befinden sich noch am Anfang. Weder gibt es Vorentscheidungen, noch können beim jetzigen Stand mögliche Ergebnisse prognostiziert werden.“ Die beteiligten Institute äußerten sich zu dem Thema nicht.

Den Plänen zufolge soll die Helaba zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung bei der NordLB einsteigen. An der Kapitalstärkung der Hannoveraner Bank sollen sich darüber hinaus das Land Niedersachsen und die Sparkassen in der Region beteiligen. Im Anschluss würde die NordLB dann mit der Helaba fusionieren. Das Beteiligungsverhältnis würde davon abhängen, wie hoch der Wert von Helaba und NordLB im Rahmen einer Prüfung angesetzt werde. Die Verschmelzung mit Deka, LBBW und Berlin Hyp würde dann im Anschluss stattfinden.

Die Mehrheit an der Super-Landesbank hätten am Ende die Sparkassen. Vergleichsweise hohe Anteile würden dabei auf die Institute in Hessen, Thüringen und Baden-Württemberg entfallen. Darüber hinaus wären die Länder Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hessen und Thüringen maßgeblich beteiligt. Da Helaba und Deka in Frankfurt angesiedelt sind, dürfte die Zentrale der Bank in der Mainmetropole angesiedelt werden. Ein zweiter Firmensitz könnte Stuttgart sein, wo die nach der Bilanzsumme größte Landesbank LBBW beheimatet ist. Wer Chef der fusionierten Bank wird, ist noch offen.

In den vergangenen Jahren hat es bereits eine Bereinigung unter den Landesbanken gegeben – meist infolge von Schieflagen der Institute. Die WestLB als einst größte Landesbank wurde 2012 zerschlagen. Sie wurde wegen Fehlspekulationen in der Finanzkrise mit Milliarden an Staatsgeld gestützt. Die Aufspaltung folgte auf Druck der EU-Wettbewerbshüter. Auch die HSH Nordbank, die gerade an eine Gruppe von Finanzinvestoren verkauft wird, wird nur auf Druck der EU-Kommission privatisiert.

Sparkassenpräsident Schleweis hatte Ende Februar im Gespräch mit dem Handelsblatt bereits erklärt, dass es „Optimierungsbedarf“ in der Gruppe gibt. „Für mich ist klar, dass die Strukturen unserer Verbundunternehmen so nicht zukunftsfähig sind, daran müssen wir arbeiten“, sagte er. Als Vorbild gilt vielen die genossenschaftliche Finanzgruppe. Die Volks– und Raiffeisenbanken sind die größten Wettbewerber der Sparkassen. Sie buhlen um die‧selben Kunden, private sowie vor allem mittelständische Firmen. Und sie kommen mit einem Spitzeninstitut, der DZ Bank, sowie einer Bausparkasse und einem Versicherer aus.

Sollten sich die Sparkassen nun in die gleiche Richtung bewegen, könnten sie bei ihren Spitzeninstituten viel Geld einsparen – gerade in der Verwaltung und der IT. Zudem würde eine öffentlich-rechtliche Mega-Bank entstehen, die auch größere Transaktionen stemmen könnte – das würde sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik gerne gesehen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte Ende August auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts größere und stärkere deutsche Banken gefordert. Viele Politiker und Bankenaufseher sähen die Pläne positiv, sagen Insider. Die EZB-Bankenaufsicht hat sich bereits mehrfach öffentlich für eine Konsolidierung des Bankensektors starkgemacht.

Der Druck auf Schleweis ist also groß. Dabei ist klar, dass er eine Super-Landesbank nicht im Alleingang herbeizaubern kann. Denn bei den meisten beteiligten Instituten geben die Präsidenten der regionalen Sparkassenverbände oder die Bundesländer den Ton an. Wenn sie an einer großen Lösung nicht mitwirken, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Schleweis hat darauf schon zu Beginn seiner Amtszeit hingewiesen. „Ich werde mich als DSGV-Präsident nicht in die Rolle der Eigentümer begeben“, sagte er. „Sie haben die Verantwortung, das Notwendige zu tun.“

Startseite

Mehr zu: Super-Landesbank - Sparkassen planen Mega-Fusion ihrer Spitzeninstitute

0 Kommentare zu "Super-Landesbank: Sparkassen planen Mega-Fusion ihrer Spitzeninstitute"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%