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Tagung des Weltbankenverbands „Die können vor Kraft kaum laufen“: US-Banken protzen, Europäer klagen

Beim Klassentreffen der globalen Finanzelite in Washington zeigt sich: Die Schere zwischen amerikanischen und europäischen Banken geht immer weiter auseinander.
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Diskussionsrunde beim Weltbankenverband: (v.l) Kay Swinburne, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments, Jean Lemierre (BNP Paribas), Howard Davies (Royal Bank of Scotland), Andreas Treichl (Erste Group Bank) und Martin Zielke von der Commerzbank. Quelle: Bloomberg
Tagung des Weltbankenverbands IIF

Diskussionsrunde beim Weltbankenverband: (v.l) Kay Swinburne, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments, Jean Lemierre (BNP Paribas), Howard Davies (Royal Bank of Scotland), Andreas Treichl (Erste Group Bank) und Martin Zielke von der Commerzbank.

(Foto: Bloomberg)

Washington Jamie Dimon und James Gorman sind gut gelaunt, als sie die Bühne betreten. Die Chefs der US-Banken JP Morgan und Morgan Stanley haben in den vergangenen Tagen Milliardengewinne im dritten Quartal präsentiert. Sorgenfalten wie ihre Kollegen aus Europa, die wegen niedriger Zinsen und der Konjunkturabkühlung Trübsal blasen, haben die Amerikaner nicht.

„Wir sind beide Optimisten“, sagt Gorman bei der Tagung des Weltbankenverbands IIF in Washington. Die Stimmung bei den Konsumenten in den USA sei sehr gut. Und wegen der globalen Handelskonflikte solle man nicht in Panik verfallen. Der tatsächliche Schaden sei bisher vergleichsweise gering. „In den vergangenen 100 Jahren gab es Kriege und wirkliche geopolitische Umbrüche“, sagt Gorman. „In einer solchen Phase sind wir heute nicht. Es gibt lediglich Handelskonflikte.“

Das Geschäft mit Firmenkunden sei wegen der Handelsstreitigkeiten zwar etwas schwieriger, räumt sein Kollege Dimon ein, der mit JP Morgan alleine im vergangenen Quartal einen Gewinn von gut neun Milliarden Dollar eingefahren hat. Wie die Bank das schafft? „Wir profitieren davon, dass wir in den vergangenen fünf bis 15 Jahren die richtigen Entscheidungen getroffen haben“, erklärt Dimon. Nun gehe es für das Institut darum, seinen Wettbewerbsvorteil auszubauen.

Wer in Washington mit Bankern aus Europa spricht, bekommt ein völlig anderes Bild präsentiert. „Europäische Banken haben mit einer Kombination aus gedämpftem globalen Wachstum und niedrigen Zinsen zu kämpfen“, klagt Commerzbank-Chef Martin Zielke. Hinzu kämen politische Unsicherheiten wie Handelskonflikte und der Brexit. „Das ist eine wirkliche Herausforderung.“

Hauptverantwortlich für die Misere ist aus Sicht der Commerzbank und anderen deutschen Bankern die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Europäische Banken müssen seit Mitte 2014 Negativzinsen bezahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken. Amerikanische Geldhäuser bekommen dagegen positive Zinsen auf ihre Überschussliquidität.

Allein durch diesen Effekt sei die Ertragssituation bei den amerikanischen Banken in den letzten fünf Jahren um gut 120 Milliarden Euro besser gewesen als bei Instituten aus dem Euro-Raum, erklärte der deutsche Privatbankenverband BdB. „Das ist eine dramatische Zahl“, sagt BdB-Präsident Hans-Walter Peters. „Da kann man nicht gegen ankommen.“

„Die können vor Kraft kaum laufen“

Wie viele Banker hat auch Peters beim Treffen der globalen Finanzelite in Washington amerikanische Politiker getroffen. Und er ist neidisch, dass in den USA große Einigkeit herrscht, dass das Land starke Banken braucht. Die Stärke der amerikanischen Banken sei auch eine Folge der regulatorischen Rahmenbedingungen, sagt Peters. „Die können vor Kraft kaum laufen. In Europa ist es das Gegenteil.“

Der BdB-Präsident geht davon aus, dass die Schere zwischen amerikanischen und europäischen Banken in den nächsten Jahren noch weiter auseinandergehen wird. Denn es sei nicht zu erwarten, dass die neue EZB-Präsident Christine Lagarde in der Zinspolitik einen raschen Kurswechsel hinlege.

Die EZB habe bei der Krisenbekämpfung zunächst einen guten Job gemacht, sagt Commerzbank-Chef Zielke. Aber mittlerweile seien die positiven Effekte der Geldpolitik immer geringer und die Nebenwirkungen immer größer. „Die Aufgabe des neuen EZB-Teams ist es, aus dieser Falle herauszukommen“, fordert Zielke. Die EZB müsse ihren Kurs unter Lagarde „eher früher als später“ ändern.

Viele Bankchefs fordern in Washington auch strukturelle Reformen, um die Lage der europäischen Banken zu verbessern. Besonders wichtig sei es, Verbriefungen von Kreditrisiken voranzutreiben, sagt Jean Lemierre, der Chef der französischen Großbank BNP Paribas. In den USA sei dies bereits vor einigen Jahrzehnten geschehen.

Eine einheitliche europäische Einlagensicherung (Edis), über die seit Jahren gestritten wird, sei dagegen weniger wichtig, erklärte Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier. Er brauche Edis nicht, um eine paneuropäische Bank wie Unicredit zu führen, bekannte Mustier. „Was wir brauchen ist ein wirklicher pan-europäischer Finanzsektor.“

Andreas Treichl, der Chef der österreichischen Erste Group Bank, sieht das ähnlich. Das Fehlen einer europäischen Kapitalmarktunion sei das größte Problem für die Banken. „Deshalb hat Europa einen Nachteil gegenüber den USA und an anderen Weltregionen wie Asien, die intensiv daran arbeiten, ihre Kapitalmärkte schneller zu entwickeln als wir in Europa.“ Dass die neue EU-Kommission das Problem löst, glaubt Treichl nicht. „Die Chancen, dass wir es vermasseln, liegen deutlich über 50 Prozent.“

Fusionen nicht in Sicht

Aus Sicht von Experten ist die Schwäche des europäischen Bankenmarkts auch auf Überkapazitäten zurückzuführen. Große Übernahmen oder Fusionen hat es in den vergangenen Jahren trotzdem nicht gegeben. Und die meisten Banker in Washington gehen auch nicht davon aus, dass sich daran in den nächsten zwei bis drei Jahren etwas ändert.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass es in den unterschiedlichen Mitgliedsstaaten nach wie vor unterschiedliche Regeln gibt. „Die Politik in Europa stellt sich gerne hin und fordert grenzüberschreitende Fusionen“, sagt BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig. Aber so lange Institute Kapital und Liquidität nicht frei innerhalb der Euro-Zone bewegen könnten, ergebe ein Zusammenschluss für viele Geldhäuser keinen Sinn.

Aus Sicht von Unicredit-Chef Mustier ist der Hauptgrund für das Ausbleiben von Fusionen der niedrige Aktienkurs vieler Geldhäuser. Dadurch sei es schwer, Kapitalerhöhungen für mögliche Fusionen zu stemmen. „Man macht Fusionen, um Kosten zu sparen“, sagt Mustier. Um Kosten zu senken, müsse man jedoch zunächst Geld für die Restrukturierung aufbringen. Zudem brauche man möglicherweise zusätzliches Kapital, um höhere Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen. Bei den aktuellen Bewertungen sei es für Banken aber nicht attraktiv, neue Aktien für eine Fusion auszugeben. Mustiers Schlussfolgerung: „Es wird ziemlich lange keine grenzüberschreitenden Fusionen geben, auch keine inländischen.“

BNP-Chef-Lemierre sieht das ähnlich. „Investmentbanker verstehen unter dem Wort Konsolidierung Fusionen, Übernahmen und Gebühren. Aber in der Realität gibt es eine Konsolidierung von Marktanteilen.“ Banken nehmen anderen Instituten also lieber Geschäfte ab, als mit ihnen zu fusionieren. Das wird Aussicht Sicht von Lemierre noch einige Zeit so weitergehen.

Mehr: Zahlen der US-Banken – JP Morgan stellt Konkurrenz in den Schatten

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