Talanx Rekordfahrt mit Fragezeichen

Im Jahr 2016 hat Deutschlands drittgrößter Versicherungskonzern Talanx das beste Ergebnis in der Firmengeschichte erzielt. Doch Konzernchef Herbert Haas gibt sich für das laufende Jahr deutlich vorsichtiger.
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Der Konzern verringert die Abhängigkeit zur Tochter Hannover Rück. Quelle: dpa
Talanx

Der Konzern verringert die Abhängigkeit zur Tochter Hannover Rück.

(Foto: dpa)

HannoverHerbert Haas kennt das Geschäft. Seit 2006 lenkt der in Bad Urach geborene Topmanager mit der markanten Brille als Vorstandschef die Geschicke des drittgrößten Versicherungskonzerns Talanx in Hannover. Es ist eine Erfahrung, die den 62-Jährigen mit den kurzen grauen Haaren zur Zurückhaltung mahnt, selbst wenn es besser läuft als gedacht. Alle Geschäftsbereiche hätten zum „bisher besten Konzernergebnis in der Firmengeschichte beigetragen“, sagte Haas, der im grauen Anzug und gedeckter Krawatte auf das Podium tritt, auf der Bilanzpressekonferenz am Montag in Hannover.

Doch die „Niedrigzinsphase hält weiter an und zu den versicherungstechnischen Marktbedingungen kommen geopolitische Herausforderungen wie der Brexit“. So rechnet der drittgrößte Konzern der Branche in Deutschland für das laufende Jahr nicht mit einer Fortsetzung des Höhenflugs, sondern gibt sich lieber vorsichtig.

Rekordfahrt mit Fragezeichen also: Der Versicherungsriese kommt zwar bei dem angeschobenen Umbau des Industrie- und Privatkundengeschäfts besser voran als erwartet. Die Talanx-Gruppe steigerte ihr Konzernergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast 24 Prozent auf 907 Millionen Euro und übertrifft damit die selbstgesteckte Gewinnprognose deutlich, wie Haas betont.

Eine positive Überraschung, von der auch die Investoren profitieren: Die Dividende des im Börsenindex der mittelgroßen Unternehmen MDax notierten Konzerns soll um fünf Cent auf 1,35 Euro steigen. Das entspricht einer Dividendenrendite auf den Durchschnittskurs der Aktie im vergangenen Jahr von 4,8 Prozent – womit sich die Niedersachsen mit Branchengrößen wie Allianz und Munich Re messen lassen können. Doch für das laufende Jahr rechnen der Versicherungskonzern nur noch mit einem Gewinn von rund 800 Millionen Euro, wie Talanx bereits im Februar verkündete.

Anleger hatten offenbar mehr erwarten. Sie reagierten auf die Zahlen mit Aktienverkäufen, der Kurs gab bis zum Mittag um 1,5 Prozent nach.

Hier nehmen Versicherungen die höchsten Prämien ein
Platz 15: Brasilien
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In dem südamerikanischen Staat, in dem zuletzt die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele stattfanden, können Versicherungskonzerne gutes Geld verdienen. 47 Milliarden Euro an Prämien wurden demnach 2016 in Brasilien eingenommen – das sind 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Vergleich zur Rangliste von vor zehn Jahren kann sich Brasilien damit um acht Plätze verbessern und landet auf Platz 15.

Platz 14: Hongkong
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Die Metropole am Südchinesischen Meer war bis 1997 eine britische Kronkolonie und ist seither eine Sonderverwaltungszone innerhalb der Volksrepublik China. In Hongkong gelten die Gesetze der freien Marktwirtschaft – anders als im restlichen China. Versicherungskonzerne konnten hier 2016 ebenfalls 47 Millionen Euro an Prämien einnehmen, das macht etwa 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, also der Summe aller Wirtschaftsleistungen in Hongkong, aus. Die Stadt kann sich damit leicht um vier Plätze verbessern.

Platz 13: Spanien
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Spanien glänzt nicht nur durch seine Traumstrände am Mittelmeer, sondern auch durch eine Vielfalt von kulturell und architektonisch bedeutsamen Gebäuden, wie hier dem Königlichen Palast in Madrid. Auch Versicherungskonzerne wissen Spanien zu schätzen – 2016 konnten sie hier 56 Milliarden Euro an Prämien einnehmen – immerhin fünf Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts. Allerdings rutscht das südeuropäische Königreich damit im Ranking der Allianz ab – 2006 lag Spanien noch auf Platz 10.

Platz 12: Indien
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Indien mauserte sich in der Vergangenheit erfolgreich vom Entwicklungs- zum Schwellenland und verfügt heute über eine beachtliche Wirtschaftsleistung. Bereits über eine Milliarde Menschen leben in der ostasiatischen Bundesrepublik – sehr viele potentielle Versicherungskunden. Die Allianz errechnete für das vergangene Jahr Bruttoprämieneinnahmen in Höhe von 59 Milliarden Euro – 2,9 Prozent des indischen Bruttoinlandsprodukts. 2006 lag Indien noch auf Platz 20 der Rangliste.

Platz 11: Australien
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Australien konnte sich in der Rangliste ebenfalls leicht verbessern und erreicht mit Bruttoprämieneinnahmen in Höhe von 60 Milliarden Euro den elften Platz. Diese Prämien machen 5,3 Prozent des australischen Bruttoinlandsprodukts aus.

Platz 10: Kanada
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Ein weiteres beliebtes Auswandererziel ist Kanada. Genau wie in Australien regiert hier Königin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt. Und nicht nur die Queen will ihre Untertanen gut versichert wissen – auch die Versicherungskonzerne freuen sich über ihre zahlreichen Kunden. In Kanada nahmen sie im Jahr 2016 rund 80 Milliarden Euro ein – das sind 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Allerdings schwächelt der Markt in Kanada ein wenig, denn im Jahr 2006 reichte es nur noch für den neunten Platz des Rankings.

Platz 9: Taiwan
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Der von der Volksrepublik China beanspruchte Inselstaat im Pazifischen Ozean besitzt eine florierende Wirtschaft. Davon zeugt neben der regen Bautätigkeit in der Hauptstadt Taipeh auch die Summe der Bruttoprämieneinnahmen der Versicherer in 2016: 84 Milliarden Euro konnten die Konzerne einnehmen, das sind stolze 17,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2006 landete Taiwan noch auf Platz 11.

Der Schwabe Herbert Haas, der den Konzern seit 2006 leitet, gibt sich gern wie sein Unternehmen: ruhig und unprätentiös, dabei aber selbstbewusst. Es hätten auch günstige Umstände dazu beigetragen, dass der Versicherer 2016 sein Ergebnisziel deutlich übertroffen habe, betonte der Manager mit der markanten Brille. Haas nannte vor allem die geringe Belastung durch Großschäden, günstige Wechselkurse und ein gutes Kapitalanlageergebnis. Doch reiner Zufall sind die guten Zahlen nicht. Auch der Konzern selbst, der den weltweit drittgrößten Rückversicherer Hannover Rück und den etablierten Industrieversicherer HDI Industrie kontrolliert, ist wichtige Schritte vorangekommen.

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