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Technologie für Banken Gesichtserkennung am Geldautomaten: Russlands Banken setzen auf Digitalisierung

Im digitalen Banking sind russische Geldhäuser ihren westeuropäischen Konkurrenten oft einen Schritt voraus. Doch jetzt drohen Probleme mit dem Datenschutz.
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Russlands Banken wollen neue Technologien einsetzen. Quelle: E+/Getty Images
Gesichtserkennung

Russlands Banken wollen neue Technologien einsetzen.

(Foto: E+/Getty Images)

Moskau Kreditkarte gestohlen, Portemonnaie nicht dabei oder im entscheidenden Moment den PIN-Code vergessen? Diese Probleme können russische Bankkunden künftig elegant umgehen. Der mehrheitlich staatliche Telekomkonzern Rostelecom will in Kürze Bankautomaten mit Gesichtserkennung einführen. Das zumindest kündigte der Digital-Direktor des Konzerns, Iwan Berow, an.

Die Aktion dient der Schaffung des „Einheitlichen biometrischen Systems“ (EBS), einer staatlichen biometrischen Datenbank, die den Russen das Leben erleichtern soll. Ob beim Arzt, im Geschäft oder bei der Bank – die geplante Anwendung des Service ist vielfältig. Das EBS soll beispielsweise ärztliche Behandlungen auch auf größere Entfernungen bei genauer Identifikation des Patienten ermöglichen, erläutert Berow. Im größten Flächenstaat der Welt, wo hochwertige medizinische Zentren nach wie vor zumeist auf Moskau konzentriert sind, eine durchaus dringlich Aufgabe.

Die Datenbank ist Teil des nationalen Programms zur Digitalisierung der russischen Wirtschaft, für das der Kreml bis 2024 umgerechnet 30 Milliarden Euro ausgeben will. Auch wenn für die Datenbank nur ein Bruchteil der Summe reserviert ist, die Zielsetzung ist ambitioniert: Innerhalb von acht bis zehn Jahren sollen die biometrischen Daten aller Russen erfasst werden. Das hat Implikationen für den Datenschutz, denn auf Anfrage muss Rostelecom die Inhalte an das Innenministerium oder den Geheimdienst weiterleiten.

Bequemlichkeit als Anreiz

Noch verzichtet der Kreml darauf, die Bürger zur Abgabe ihrer Daten zu zwingen. Stattdessen soll Bequemlichkeit der Anreiz sein, dass sie ihre Fingerabdrücke, Stimmproben und Fotos preisgeben. Einer dieser Anreize ist komfortables Banking. Die Kosten für die Aufrüstung der Bankautomaten schätzt Analyst Leonid Delizyn auf etwa 1.000 Dollar pro Apparat. Rostelecom will die Popularität des Service zunächst mit einem Pilotprojekt testen, setzt aber darauf, die neuen Bankautomaten schon bald en gros absetzen zu können. Dabei tüftelt der Telekomriese nicht als einziges Unternehmen: Auch die Banken selbst sind bereits voll in die Forschung eingestiegen.

Allen voran die Sberbank: Deren Chef German Gref hatte sich nach seinem Amtsantritt einmal als Tanzlehrer für einen Elefanten bezeichnet. Tatsächlich ist es dem Russlanddeutschen gelungen, Bewegung in das das behäbige Institut zu bringen, an dem der Staat die Mehrheit hält Aus einer schwerfälligen Filialbank für Rentner, die Schlange standen, um ihre Miete und ihre Telefonrechnungen am Schalter zu zahlen, ist ein Geldhaus mit breitem Onlineangebot geworden.

Und wo Wladimir Putin beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) noch skeptisch ist und ethische Regeln für den Umgang fordert, klingt sein Vertrauter geradezu euphorisch: „Wir verheimlichen nicht, dass wir Technologien sehr lieben und ihnen viel Zeit schenken, wir lieben Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, weil das einfach cool ist“, meint Gref.

Schon 2017 ist die Bank in den Bereich Gesichtserkennung eingestiegen und hat eine Sperrminorität am Softwareentwickler Vision Labs erworben. Im gleichen Jahr stellte die Sberbank ihren ersten Testautomaten mit Gesichtserkennung auf. Inzwischen experimentiert das Geldhaus auch noch mit Fingerabdrücken und Stimmerkennung.

Nicht nur bei den Bankautomaten, auch online und per Telefon sollen sich Kunden bald mit Aussehen und Stimme identifizieren können statt mit PIN-Codes oder Passwörtern. Das sei ohnehin sicherer, argumentiert der Sberbank-Chef.

Die Bedeutung des Onlinebankings ist in Russland in den vergangenen Jahren mit rasanter Geschwindigkeit gewachsen. Inzwischen zahlt über die Hälfte der Russen im Alltag mit Karte oder – immer öfter – mit dem Handy. Gerade in Moskau ist der Bargeldverkehr massiv geschrumpft. Lesegeräte haben nicht nur Läden und Restaurants, sondern inzwischen auch fast jeder Friseur oder Zeitungskiosk in der Stadt.

Zielgruppe Kleinunternehmen

Auch im Internet kaufen die Russen immer mehr ein. 2018 ist der Onlinehandel auf ein Volumen von umgerechnet fast 24 Milliarden Euro gewachsen. Das hängt laut Dmitri Peskow, Berater des russischen Präsidenten für die Digitalisierung des Landes (und nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kremlsprecher), einerseits mit dem gut ausgebauten Netz – auch bei Mobilverbindungen – zusammen.

Andererseits liegt das aber auch an der Qualität und Fülle der von Banken angebotenen Services. „Digitale Bankendienstleistungen sind hervorragend bei uns entwickelt. Vorreiter sind Alfa Bank, Tinkoff und Sberbank“, sagte Peskow dem Handelsblatt. Bei der Digitalisierung sei Russland Europa teilweise voraus.

So können Russen mit ihrer Banking-App überall in Echtzeit Überweisungen vornehmen, sei es, um das Handy aufzuladen, sei es, um den Fahrschein für die U-Bahn oder Rechnungen zu bezahlen. Nimmt der Kunde bestimmte Operationen regelmäßig vor, merkt sich die App die Präferenzen, oder sie liest QR-Codes in Rechnungen aus, sodass nicht umständlich immer wieder Kontonummern oder Summen eingetippt werden müssen.

Gerade die Sberbank hat viel Geld darauf verwendet, das Design funktional und übersichtlich zu gestalten, sodass vieles mit einem Klick zu erledigen ist. Die Zeitschrift „Global Finance“ zeichnete die Bank jüngst mit fünf Preisen für ihr Onlinebanking aus. Allerdings musste das Institut zuletzt einen herben Imageschaden verkraften, als durch ein Informationsleck Tausende Kundendaten an die Öffentlichkeit gelangten. Für die Stärkung ihrer Sicherheitsvorkehrungen und den weiteren Ausbau von KI legte sich die Sberbank daher Anfang November einen Supercomputer für schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Dollar zu.

Noch mehr Preise als die Sberbank – nämlich acht – räumte die Tinkoff Bank bei Global Finance ab, unter anderem beim Thema Sicherheit. Das Geldhaus von Milliardär Oleg Tinkow ist eine reine Onlinebank ohne Filialen. Während die Sberbank vor allem das B2C-Geschäft dominiert, hat sich Tinkoff auf B2B-Services spezialisiert und ist gerade bei russischen Kleinunternehmern beliebt.

So bietet Tinkoff den Unternehmen seit einem Jahr eine App für das Ausfüllen von Steuererklärungen und anderen Dokumenten, inklusive elektronischer Unterschrift. Davon profitieren nicht nur die Unternehmer, sondern auch Tinkoff selbst. In einem ansonsten eher schwierigen Umfeld konnte TCS, zu der neben der Tinkoff Bank auch noch eine Versicherung zählt, ihren Reingewinn in den ersten neun Monaten um 32 Prozent steigern.

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