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Thomas Eichelmann Wirecards Kandidat für den Aufsichtsrat – Langeweile ausgeschlossen

Am 18. Juni wird abgestimmt. Ob der ehemalige Vorstand der Deutschen Börse den Anforderungen der Aktionäre gerecht werden kann, ist durchaus umstritten.
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Der Ex-Vorstand der Deutschen Börse soll bei Wirecard in den Aufsichtsrat gewählt werden. Quelle: Bert Bostelmann / bildfolio für Handelsblatt
Thomas Eichelmann

Der Ex-Vorstand der Deutschen Börse soll bei Wirecard in den Aufsichtsrat gewählt werden.

(Foto: Bert Bostelmann / bildfolio für Handelsblatt)

Frankfurt, DüsseldorfWirecard-Chef Markus Braun deutete es an: Schon bald soll der Aufsichtsrat des Zahlungsdienstleisters aus Aschheim bei München neu besetzt werden. Der amtierende Vorsitzende des Kontrollgremiums, der ehemalige Banker Wulf Matthias, will 2020 nicht für eine Wiederwahl antreten.

Nun taucht ein möglicher Nachfolger auf: Wirecard will seinen Aktionären auf der Hauptversammlung am 18. Juni vorschlagen, Thomas Eichelmann in den Aufsichtsrat zu wählen. Der ehemalige Vorstand der Deutschen Börse könnte laut Finanzkreisen 2020 zum Chef des Kontrollgremiums aufsteigen.

Mehr Fachkompetenz in seinen Aufsichtsgremien wäre für Wirecard zweifellos günstig. Das Unternehmen kommt seit Monaten nicht aus den Schlagzeilen. Kursausschläge von 20 Prozent und mehr machen das Papier zur Risikoanlage. In der Singapur-Einheit kam es zu Unregelmäßigkeiten, Investoren kritisierten die Konzernstruktur als intransparent und die Kommunikation als mangelhaft. Aktionäre brauchen starke Nerven.

Die Wirecard-Führung wirkt dabei wenig souverän. Vorstandschef Braun redete das Problem klein, das Unternehmen verklagte seinerseits die „Financial Times“. Die Londoner Wirtschaftszeitung berichtete als erste über die Vorkommnisse in Singapur. Wirecard sieht eine Verschwörung von Medien und Short-Sellern, die mit fallenden Kursen Geld verdienen.

Ob mit Thomas Eichelmann ein Neustart gelingt, ist offen. Die Nachricht seiner anstehenden Berufung hat am Finanzplatz jedenfalls für einiges Aufsehen gesorgt. Der 54-Jährige ist dort kein Unbekannter. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler startete seine Karriere 1994 als Berater bei der Boston Consulting Group und bei Bain. Von 2000 bis 2007 war er Geschäftsführer der Strategieberatung Roland Berger.

Unzufriedene Mitarbeiter

Ein ehemaliger Partner dort, der lange mit Eichelmann zusammengearbeitet hat, beschreibt ihn als „schillernde Persönlichkeit“. „Er war sehr aufbrausend und konnte nicht gut mit Mitarbeitern umgehen. Viele unter ihm haben gekündigt.“ Auch im Kundenkontakt mit zwei der großen Landesbanken sei es immer wieder zu Problemen gekommen.

Eichelmann äußert sich zu solchen Vorwürfen nicht – und auch nicht zu anderen Themen. Auf Anfrage sagte der Manager, er wolle die Wahl auf der Hauptversammlung von Wirecard im Juni abwarten. ‧Wirecard erklärte, Eichelmann verfüge über „umfassende Expertise in den Bereichen Finanz-, Audit- und Risikomanagementprozesse sowie in der Finanzdienstleistungsbranche“.

2007 wechselte Eichelmann als Chief Financial Officer (CFO) und Personalvorstand zur Deutschen Börse. Die Deutsche Börse zahlte ihm eine „erfolgsunabhängige Sondervergütung“ von 2,7 Millionen Euro. Das kam nicht gut an, war Eichelmann doch gekommen, um den Umzug von Frankfurt nach Eschborn zu organisieren und Gewerbesteuern einzusparen. Als das „Manager Magazin“ auch noch schrieb, Eichelmann habe als Sportwagenliebhaber die Dienstwagenordnung auf das Modell Porsche erweitert, mehrte auch das die Zahl seiner Kritiker.

Zu ihnen zählten bald auch seine Mitarbeiter. „Brachial“ sei sein Managementstil, berichtet ein ehemaliger Manager der Deutschen Börse. Er sei selbstüberzeugt und protzig aufgetreten. Dann überwarf sich Eichelmann auch noch mit seinem Aufsichtsratschef Manfred Gentz.

Wenige Monate vor einer anstehenden Vertragsverlängerung kam es zur Trennung. „Teilweise unterschiedliche Auffassungen zu einzelnen geschäftlichen Aspekten“ stand in der offiziellen Unternehmensmeldung. Ein Kollege: „Wir haben ihm keine Träne nachgeweint.“

Von 2010 bis 2018 leitete Eichelmann die Aton-Vermögensverwaltung von Lutz Helmig, dem Gründer der Helios-Kliniken, sowie das Family Office der Familie. Über sein Wirken dort ist wenig bekannt. In einem seiner seltenen Interviews erklärte er 2015, für die rund 150 Aton-Beteiligungen eine Mindestrendite von zehn Prozent anzustreben.

Mangel an Compliance

Vor knapp einem Jahr, Eichelmann äußert sich auch hierzu nicht, meldete Aton, der Manager sei ausgeschieden. Helmig dankte ihm für „herausragende Arbeit“. Eichelmann wolle sich „neu orientieren“, Helmig wünschte ihm „für seinen weiteren Weg alles erdenklich Gute“. Im Lebenslauf, den Wirecard gerade veröffentlichte, gibt es nach Aton keinen neuen Eintrag.

Nun hat er zumindest eine Aussicht auf eine neue Aufgabe. Bei Wirecard wartet auf die Aufsichtsräte reichlich Arbeit. Compliance-Experten wie Christian Strenger haben bereits eine Erweiterung des Aufsichtsrats angemahnt. „Es fehlen Fachleute für Compliance und für Technologie, die das Geschäft verstehen“, sagte Strenger dem Handelsblatt.

Auch Großanleger kritisierten den Konzern. Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka, erklärte Ende April, der Aufsichtsrat sei nicht ausreichend vielfältig zusammengesetzt, was ein Grund für die jüngsten Probleme sein könne.

„Wirecard hätte gut daran getan, schon früher einen Prüfungsausschuss einzurichten“, bemängelt Vanda Heinen, Analystin mit Schwerpunkt Corporate Governance bei Union Investment. „Um Vertrauen am Kapitalmarkt zurückzugewinnen, sollte ein renommierter und unabhängiger Rechnungs‧legungsexperte den Vorsitz übernehmen.“ Kann Eichelmann diese Anforderungen erfüllen? Die Wirecard-Aktionäre haben am 18. Juni die Wahl, eine Garantie haben sie nicht. Sicher scheint nur eines: Mit Eichelmann wird es nicht langweiliger.

Mehr: Aktionärstreffen werden immer öfter zum Tribunal für das Management. Dahinter stecken meist mächtige Berater und Fondsgesellschaften.

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