Totalumbau der Bank Unicredit plant offenbar riesige Kapitalerhöhung

Der neue Unicredit-Chef will offenbar zehn Milliarden Euro frisches Geld bei den Aktionären einsammeln. Zwei weitere, große Schritte sollen die Mutter der Hypo-Vereinsbank ebenfalls voranbringen.
Italiens größte Bank, hier die Zentrale in Mailand, will laut Financial-Times-Bericht zehn Milliarden Euro frisches Kapital einsammeln. Quelle: Reuters
Italy's largest bank UniCredit is pictured in downtown Milan

Italiens größte Bank, hier die Zentrale in Mailand, will laut Financial-Times-Bericht zehn Milliarden Euro frisches Kapital einsammeln.

(Foto: Reuters)

LondonDer neue Unicredit Chef Jean-Pierre Mustier will die angeschlagene italienische Großbank einem Bericht zufolge mit drei großen Schritten neu aufstellen. Um die Finanzstärke der HVB-Mutter zu stärken, sollen dabei neue Aktien für bis zu 10 Milliarden Euro am Markt platziert werden, berichtete die „Financial Times“ (Freitagausgabe) unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Personen. Dies wäre eine massive Kapitalerhöhung, da die Bank nach einem starken Kursverfall der Aktie an der Börse derzeit nur noch knapp 15 Milliarden Euro wert ist. Die Bank lehnte eine Stellungnahme auf Anfrage der Zeitung ab.

Bislang waren nur Pläne über eine halb so hohe Kapitalerhöhung veröffentlicht werden. Noch im Juli schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass Mustier erwäge, fünf Milliarden Euro bei den Aktionären einzusammeln.

Laut FT soll die Vermögensverwaltungssparte Pioneer jetzt ganz verkauft werden - eine Fusion mit dem selben Geschäft der spanischen Großbank Santander war im Sommer gescheitert. Über den bevorstehenden Verkauf des Vermögensverwalters hatte in dieser Woche bereits die italienische Zeitung Zeitung „Il Messaggero“ berichtet. Mögliche Käufer sollen die französische Bank BNP Paribas, der US-Vermögensverwalter Blackrock sowie die Versicherer Generali und Axa sein.

Gute Banken, schlechte Banken
Dunkler Himmel über den Banken in Frankfurt
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Europas Banken stecken in der Krise – das wussten Marktbeobachter schon vor dem großen Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere. Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Das KBV liegt bei den meisten Geldhäusern unter 1. Das bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen als von der Fortführung des Geschäfts – oder dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 1. Quartal 2018.

Quelle: Unternehmen, Bloomberg

Platz 8: Deutsche Bank
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Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 9: Credit Suisse
3 von 11

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 10: Commerzbank
4 von 11

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 5: Unicredit
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Nettogewinn: 5,5 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 11,9 Prozent

Eigenkapitalquote: 7,2 Prozent

KBV: 0,6

Platz 6: UBS
6 von 11

Nettogewinn: 943 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 7,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 15 Prozent

KBV: 0,88

Platz 5: Barclays
7 von 11

Nettogewinn: 992 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,8 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,6 Prozent

KBV: 0,41

Dritter Baustein der Unicredit-Neuaufstellung soll zudem die Auslagerung von notleidenden Krediten in zweistelliger Milliardenhöhe in eine neue Gesellschaft sein. Derzeit werde nach Investoren dafür gesucht. Zudem soll sich das neue Vehikel zum Teil über staatlich abgesicherte Wertpapiere refinanzieren. Diese Pläne sind aber politisch umstritten.

Die harte Kernkapitalquote bei Unicredit lag Ende Juni bei 10,3 Prozent, im Juli hat sie sich durch den Abbau von Anteilen an der Bank Pekao in Polen und am Online-Broker Fineco Bank auf 10,5 Prozent verbessert. Die Quote liegt aber immer noch ein knappes Prozent unter den Mindestanforderungen der Bankenaufseher für den italienischen Branchenprimus. Mit den Verkäufen wollte Mustier eine Kapitalerhöhung so klein wie möglich halten.

  • HB
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