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TSB Bank zieht Bilanz 1300 britische Bankkunden wegen IT-Panne bestohlen

Im April hat die britische TSB Bank ein wichtiges Computersystem gewechselt. Dabei kam es zu folgenschweren Pannen. Der Chef muss öffentlich Bericht erstatten.
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Seit dem Auftreten der IT-Panne kündigen täglich im Schnitt 400 bis 500 Kunden ihr Konto bei der Bank. Quelle: dpa
TSB-Filiale in London

Seit dem Auftreten der IT-Panne kündigen täglich im Schnitt 400 bis 500 Kunden ihr Konto bei der Bank.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVor einem Londoner Parlamentsausschuss hat der Chef der britischen TSB Bank, Paul Pester, Zwischenbilanz zu einer der größten IT-Pannen der Finanzgeschichte gezogen. Er trage die „volle Verantwortung“ für „inakzeptablen“ Kundenservice.

In 2.200 Fällen sei es gar zu versuchten oder tatsächlichen Betrügereien gekommen, als im April die Banksysteme kollabierten und 1,9 Millionen Kunden zeitweise über Wochen ihre Konten nicht zuverlässig nutzen konnten, so Pester. Die Panne ist immer noch nicht komplett ausgestanden.

In vielen Fällen hatten Kunden zeitweise die Kontostände von Fremden sehen können, und viele hatten auf einmal mehr oder weniger Geld auf dem Konto. Von den Kunden, die von Betrug betroffen gewesen seien, hätten 1.300 bereits von der Bank eine Entschädigung erhalten.

Das Debakel war beim Umzug eines Banksystems auf eine vom spanischen Mutterkonzern Sabadell verwendete Software geschehen. Seit dem Auftreten kündigen laut Pester täglich im Schnitt 400 bis 500 Kunden ihr Konto.

Die Politiker im Finanzausschuss des britischen Parlaments kritisierten die Bank für zu geringe Entschädigungen, die zusätzlich zur Erstattung von entwendeten Beträge gezahlt worden seien.

Nicky Morgan, konservative Abgeordnete im Finanzausschuss, schilderte den Fall eines Manns, dem 24.550 Pfund (28.000 Euro) von seinem Konto gestohlen worden seien. Die Bank habe zusätzlich zur Erstattung nur 192 Pfund überwiesen – unter anderem für Telefongebühren, die für Gespräche mit dem Kundenservice angefallen waren.

Ein anderer Abgeordneter nannte ein Beispiel, bei dem die Bankpanne eine Hochzeit ruiniert habe und dann 100 Pfund Entschädigung geflossen seien.

TSB hat bislang 70 Millionen Pfund für die Problembehebung gezahlt

Bankchef Pester sagte, dass TSB bislang 70 Millionen Pfund gezahlt habe, um die Probleme in den Griff zu kriegen, Konten wieder aufzufüllen und Kunden zu entschädigen. Der Bankchef entschuldigte sich während der Anhörung viele Male. Er wurde unter anderem gefragt, warum er immer noch im Job sei.

Die IT-Panne hat die britische Finanzaufsicht FCA in einem ausführlichen Brief erläutert. Unter anderem waren durch die Fehler beim Umzug der Konten von Privat- und Geschäftskunden sowohl Onlinebanking, Telefonbanking, das Filialgeschäft als auch Geldautomaten gestört. Eigentlich hatte das neue System die Daten über verschiedene Bankkanäle zusammenfassen sollen, doch hätten sich bei der Umstellung Fehler in allen Kanälen gezeigt.

TSB hatte nach Auftreten ein Team des Softwarekonzerns IBM angeheuert, um die Probleme in den Griff zu kriegen.

Unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Systeme war vor allem der Kundenservice enorm überlastet. Die Kommunikation nach Auftreten der Krise durch die Bank sei übertrieben optimistisch gewesen, so FCA-Chef Andrew Bailey. Und auch jetzt gebe es noch immer eine erhöhte Gefahr, dass TSB-Kunden Opfer von Betrügereien würden, so die Aufsichtsbehörde.

Die Bank hat mittlerweile eine dedizierte Hotline für Betrugsfälle geschaltet. 11,2 Millionen Pfund seien als Entschädigung gezahlt worden, und die Bank erwartet, dass die Zahl auf 20 Millionen Pfund steigen werde.

Pester wies allerdings Kritik zurück, dass der Umzug der Systeme überstürzt erfolgt sei. Die FCA schreibt, dass der Wechsel der IT-Systeme von November 2017 auf April 2018 verschoben worden sei, nachdem etliche Probleme im Vorfeld aufgetreten waren.

Die Ergebnisse einer durch eine Kanzlei geführte interne Untersuchung sollen veröffentlicht werden, sobald sie vorlägen, so TSB-Verwaltungsratschef Richard Meddings während der Anhörung. TSB gehört seit 2015 zur spanischen Sabadell-Gruppe.

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