UBS und Credit Suisse Reiche lassen bei Schweizer Banken Kassen klingeln

UBS und Credit Suisse profitieren vom anziehenden Geschäft in der Vermögensverwaltung. Superreiche Kunden trauten den Geldhäusern neue Gelde in Milliardenhöhe an. Damit heben sie sich von der europäischen Konkurrenz ab.
Update: 28.07.2017 - 14:03 Uhr Kommentieren
Unter dem Strich stand bei der Schweizer Großbank von April bis Juni ein Gewinn von 1,2 Milliarden Franken. Quelle: Reuters
UBS in London

Unter dem Strich stand bei der Schweizer Großbank von April bis Juni ein Gewinn von 1,2 Milliarden Franken.

(Foto: Reuters)

ZürichDer Ausbau des Vermögensverwaltungsgeschäfts macht sich für die Schweizer Großbanken immer mehr bezahlt. Reiche und superreiche Kunden aus der ganzen Welt vertrauten UBS und Credit Suisse im abgelaufenen Quartal neue Gelder in Milliardenhöhe an, wie beide Institute am Freitag mitteilten. Zusammen mit Sparanstrengungen sorgte dies dafür, dass die beiden Häuser ungeachtet des schwierigen Marktumfeldes mit Gewinnsteigerungen glänzen konnten. Damit profitieren die Institute auch von der Schrumpfung des schwankungsanfälligen Investmentbankings seit der Finanzkrise, deren Ausbruch sich dieses Jahr zum zehnten Mal jährt. Dennoch: Die vor der Krise üblichen Überschüsse werden die Konzerne auf absehbare Zeit nicht mehr erreichen.

Dank steigender Gewinne in der Kernsparte konnte der Platzhirsch UBS Einbußen in anderen Sparten ausgleichen und den Gewinn im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken steigern. „Es ist noch etwas früh, von einem Trend zu sprechen, aber die positiven Impulse scheinen vorhanden zu sein“, sagte UBS-Chef Sergio Ermotti. Bei Credit Suisse half der vor eineinhalb Jahren gestartete Konzernumbau, den Gewinn um 78 Prozent auf 303 Millionen Franken zu steigern. „Unsere Fokussierung auf das globale Vermögensverwaltungsgeschäft zahlt sich aus“, erklärte Konzernchef Tidjane Thiam.

Mit den Verbesserungen heben sich die Schweizer von anderen europäischen Banken ab, die am Freitag ebenfalls Zwischenberichte vorlegten: Afrikanische Altlasten sorgten bei der britischen Barclays für tiefrote Zahlen. Die französische BNP Paribas litt wie die großen US-Häuser und die Deutsche Bank unter der Flaute im Anleihenhandel. An der Wall Street triumphierten jene, die verstärkt auf die Vermögensverwaltung setzen: Morgan Stanley etwa stellte den unter Einbußen im Handel leidenden Dauerrivalen Goldman Sachs in den Schatten.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
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Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
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Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
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James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
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Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
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Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

In der Schweiz hatte das vergleichsweise stabile Geschäft mit Milliardären und Millionären bei den Großbanken nicht immer Priorität: Vor der Finanzkrise wollten die Institute lieber im Investmentbanking ein großes Rad drehen. Doch dieser Traum platzte mit dem Zusammenbruch des US-Hypothekenmarkts; UBS musste mit milliardenschweren Staatshilfen gerettet werden. Danach steuerte die Bank um, dampfte ihre Investmentbank ein und baute die Vermögensverwaltung aus.

Credit Suisse folgte diesem Kurs - allerdings erst mit dem Amtsantritt des neuen Konzernchefs Thiam im Sommer 2015. Inzwischen hat er die Risiken der Bank halbiert, mit zwei Kapitalerhöhungen die Bilanz saniert und die Kosten gedrückt. "Wir rufen keinesfalls den Sieg aus", erklärte der Ivorer und dämpfte gleichzeitig übertriebene Hoffnungen. "Wir haben erst die halbe Wegstrecke hinter uns. Es gibt noch viel zu tun." Er warnte, die von geopolitischen Unsicherheiten ausgelöste Passivität vieler Kunden könne sich im Sommer noch verschärfen und Spuren im Ergebnis hinterlassen.

Im zweiten Quartal hielt bei CS der Schwung beim Neugeld-Wachstum an, sodass die verwalteten Vermögen auf einen Rekordwert von 716 Milliarden Franken kletterten. "Das Resultat markiert das Ende der Übergangsphase und zeigt, dass die Strategie der Gruppe an Zugkraft gewinnt", erklärte Kepler-Cheuvreux-Analyst Peter Casanova. Die Credit-Suisse-Aktie legte knapp zwei Prozent zu.

Weniger gut kam der Zwischenbericht der UBS an, deren Aktie zwischenzeitlich rund vier Prozent absackte. Grund dafür waren Bedenken der Anleger wegen der im Quartalsvergleich auf 13,5 von 14,1 Prozent gefallenen harten Kernkapitalquote. Grund dafür waren strengere Vorschriften der Regulierer zur Berechnung von Risiken. Dies sei eine negative Überraschung gewesen, erklärten die Analysten der Bank Vontobel.

Im europäischen Vergleich stehen die Schweizer Banken aber vergleichsweise gut da. Das hilft auch im Vermögensverwaltungsgeschäft, denn schließlich bringen die Kunden ihr Geld lieber zu einer sicheren Bank. Barclays und BNP etwa hinken den eidgenössischen Instituten hinterher.

Fernab der Tagesbetrachtung trauen die Anleger der Credit Suisse aber immer noch nicht ganz über den Weg: Die Nummer zwei des Landes wird im Gegensatz zur UBS an der Börse immer noch unter ihrem Buchwert gehandelt, weil sich Investoren vor weiteren Verlusten im Handelsgeschäft oder in der Abwicklungseinheit fürchten.

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