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Umbaupläne Keine Tabus mehr: Commerzbank prüft Schließung von Filialen

Die Commerzbank steht unter Druck, mit einer neuen Strategie den Abwärtstrend zu stoppen. Das Geldhaus erwägt, mehr als hundert Filialen zu schließen.
1 Kommentar
Commerzbank prüft Schließung von mehr als 100 Filialen Quelle: Commerzbank AG
Commerzbank-City-Filiale

Bereits im Rahmen der aktuellen Strategie plant das Geldinstitut, 9600 Vollzeitstellen abzubauen.

(Foto: Commerzbank AG)

Frankfurt Die Commerzbank schwimmt seit Jahren gegen den Strom. Während andere Institute reihenweise Geschäftsstellen dichtmachen, halten die Frankfurter an ihrem Netz von rund 1000 Filialen fest. „Der Mythos, dass Kunden Filialen überflüssig finden, stimmt nicht“, sagte Privatkundenvorstand Michael Mandel im vergangenen Jahr.

Die Commerzbank profitiere von den Filialschließungen der Konkurrenz und gewinne in ihren Niederlassungen zahlreiche neue Kunden. „Wir fühlen uns aktuell gut aufgestellt mit einem Netz von 1000 Filialen“, betonte Mandel damals.

Doch die Zeiten ändern sich. Da die Rahmenbedingungen immer schwieriger werden, stellt nach Informationen des Handelsblatts nun auch die Commerzbank ihr Filialnetz auf den Prüfstand. Im Zuge der laufenden Strategieüberprüfungen werde eine Verkleinerung des Filialnetzes in Erwägung gezogen, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen.

Eine Arbeitsgruppe innerhalb der Bank rechne unter anderem durch, ob eine Reduktion der Filialen auf 800 bis 900 Zweigstellen sinnvoll wäre. Dadurch könnte die Commerzbank die Kosten senken und wäre dennoch weiter flächendeckend präsent. Letzteres ist für das Institut auch deshalb wichtig, weil sich bundesweite Werbekampagnen sonst nicht mehr lohnen. Und diese sind für die Commerzbank als Sponsor der deutschen Fußballnationalmannschaft von großer Bedeutung.

Die Commerzbank äußerte sich zu dem Thema nicht. Innerhalb des Instituts sind viele der Ansicht, dass nicht die Zahl der Filialen entscheidend ist, sondern wie das Filialnetz bewirtschaftet wird. Auch Teile der Belegschaft hätten nichts gegen eine Ausdünnung.

Aktuell müssten wegen Personalknappheit immer wieder Filialen geschlossen bleiben, berichten Mitarbeiter. Aus ihrer Sicht wäre es sinnvoll, wenn sich die Bank auf weniger Filialen konzentriert und diese personell besser ausstattet.

Bisher sind bei der Commerzbank Finanzkreisen zufolge keine Entscheidungen zum Filialnetz und zu anderen grundlegenden Kurskorrekturen gefallen. Die neue Strategie soll Insidern zufolge erst Ende September mit dem Aufsichtsrat diskutiert und dann vermutlich im Oktober präsentiert werden.

Gewinneinbruch auf 391 Millionen Euro

Der Druck auf das Management, dabei grundlegende Änderungen vorzunehmen, ist zuletzt deutlich gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine weitere Lockerung der Geldpolitik angekündigt. Zudem kühlt sich die Konjunktur ab. Der Gewinn der Commerzbank brach im ersten Halbjahr um über ein Viertel auf 391 Millionen Euro ein.

Commerzbank-Aktien, die im vergangenen Jahr aus dem Leitindex Dax gefallen sind, befinden sich seit Monaten im Sinkflug. Vergangene Woche fiel der Kurs auf ein Rekordtief von 4,66 Euro. Seit einem Zwischenhoch während der Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank Mitte April hat die Aktie damit rund 40 Prozent an Wert verloren.

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Die Marktkapitalisierung ist auf 6,3 Milliarden Euro geschrumpft. Damit ist die Commerzbank inzwischen weniger wert als die Biotechfirma Qiagen oder der Laborausrüster Sartorius.

„Die Herausforderungen für die Branche und für uns nehmen weiter zu“, räumte Vorstandschef Martin Zielke Anfang des Monats ein. „Dies wird vermutlich weitere Investitionen erfordern, und genau das prüfen und bewerten wir im aktuellen Strategieprozess.“ Viele Investoren verlangen neben Investitionen jedoch vor allem weitere Einsparungen. „Die Kosten müssen deutlich runter“, sagt ein großer Investor. „Im aktuellen Marktumfeld darf es keine heiligen Kühe geben.“

Zu den heiligen Kühen zählt bei der Commerzbank neben dem Filialnetz bisher auch das kostenlose Girokonto, mit dem das Geldhaus in Deutschland seit Jahren neue Privatkunden gewinnt. Doch Investoren wie Michael Hünseler vom Vermögensverwalter Assenagon glaubt nicht, dass die Bank dieses Angebot noch lange aufrechterhalten kann.

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Grund: Die EZB könnte die Strafzinsen, die Banken bezahlen müssen, wenn sie über Nacht Geld bei der Zentralbank parken, bald noch weiter in den negativen Bereich drücken. Auf die Commerzbank kämen dann weitere Millionenlasten zu. „Es ist eine Vollkatastrophe“, klagt ein Investor.

Manche Anleger finden, das Management hätte schon früher gegensteuern müssen. Denn wesentliche Ziele, die der Vorstand für 2020 ausgegeben hatte, wurden bereits Ende 2018 beziehungsweise Anfang 2019 kassiert. „Man hat fast ein Jahr zugeschaut, wie die Erträge bröckeln, statt die Ärmel hochzukrempeln“, kritisiert ein Investor. „Jetzt sind die Spielräume noch geringer als damals.“

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1 Kommentar zu "Umbaupläne: Keine Tabus mehr: Commerzbank prüft Schließung von Filialen"

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  • Was hinter dem unscheinbaren Wort 'Filialschließung' steht, konnte man im letzten Jahr in Düsseldorf in einer Filiale erleben - nach einer Automatensprengung war diese für Monate geschlossen.

    Geschäftsleute mußten sich ins Auto setzen um zu einer anderen Filiale zu fahren, um z.B. die Tageseinnahmen einzuzahlen. Besonders ältere Kunden hatten Probleme, eine andere Filiale zu erreichen. Da wurde dann schon mal der Enkel zwangsverpflichtet, mit dem Auto die Oma zur Bank zu fahren.

    Wäre die Filiale dauerhaft geschlossen worden, was auch zur Diskussion stand, wären wohl einige Kunden zu einem lokalen Geldinstitut abgewandert, welches direkt gegenüber noch eine Filiale betreibt.

    Insofern...alles hat zwei Seiten.