Skyline von Frankfurt

Banken hüten besonders sensible Daten.

(Foto: dpa)

Umfrage Deutsche vertrauen beim Datenschutz den Banken mehr als dem Staat

Sparkassen haben ein skandalfreies Image bei der Verwendung von Daten und damit einen Wettbewerbsvorteil. Kunden von Direktbanken sind hingegen realistischer.
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FrankfurtGeldhäuser genießen das höchste Ansehen bei der Datensicherheit. Das zeigt eine repräsentative Umfrage unter 2000 Teilnehmern der Unternehmensberatung Berg Lund & Company (BLC), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. 42 Prozent der Befragten vertrauen beim Schutz ihrer persönlichen Informationen den Banken „stark“ beziehungsweise „sehr stark“. Auf den Plätzen folgen Krankenkassen mit rund 40 Prozent. Der Staat und Behörden liegen mit 34 Prozent „starkem“ beziehungsweise „sehr starkem“ Vertrauen nur auf dem dritten Platz.

Im Gegensatz dazu wird den Technologie- und Internetkonzernen die meiste Skepsis entgegengebracht. Nicht einmal die Hälfte der Verbraucher vertraut Onlinehändlern oder deutschen Technologiekonzernen beim Datenschutz. Bei ausländischen Technologie-Konzernen ist es nicht einmal jeder Dritte. Und nur jeder Fünfte traut sozialen Netzwerken.

Der Spitzenplatz für die Finanzhäuser ist auch zwingend geboten, hüten die Institute doch die aus Kundensicht sensibelsten Informationen: Finanzdaten werden von den befragten Verbrauchern als mit Abstand am schutzwürdigsten eingestuft. Weit vor Personalien, Aufenthaltsorten oder gar Hobbys.

Auffällig dabei ist, dass den Sparkassen das meiste Vertrauen entgegengebracht wird. „Das liegt daran, dass diese Institute als skandalfrei wahrgenommen werden“, erklärt Thomas Nitschke, Senior Partner bei BLC. Direktbanken weisen hingegen den niedrigsten Werte auf. „Diese Kunden sind nicht unbedingt skeptischer, sondern eher realistischer“, erklärt Nitschke.

Sie seien aufgeklärter und wissen, dass auch Banken die Daten ihrer Kunden analysieren. So störten sie sich auch im Vergleich am wenigsten an einem unautorisierten Zugriff auf ihre Finanzdaten oder der Verarbeitung durch Dritte.

Das Vertrauen in die Finanzbranche ist laut Nitschke einerseits Verpflichtung, andererseits aber auch ein klarer Wettbewerbsvorteil zum Beispiel gegenüber Fintechs. „Die neuen digitalen Wettbewerber werden die bestehende Vertrauenslücke schließen müssen, zum Beispiel durch Kooperationen mit etablierten Finanzhäusern“, so der Experte. „Umgekehrt können Banken und Sparkassen den Vertrauensvorschuss und ihre große Kundenbasis nutzen, um neue Geschäftsmodelle mutig anzugehen.“

Digitale Vertragsmanager zur Verwaltung und Optimierung von Verträgen etwa oder sichere Cloud-Speicher passen dem Berater zufolge zum Image der Banken – und immerhin würde laut der BLC-Umfrage jeder Dritte, der solche Angebote derzeit kostenlos nutzt, eine monatliche Gebühr von im Schnitt knapp sechs Euro bezahlen, wenn der Dienst werbefrei ist und keine persönlichen Daten auswertet. Erste Geldhäuser wie beispielsweise die Deutsche Bank mit ihrem „Esafe“ bieten solche virtuellen Dokumente-Speicher schon an.

Die Geldhäuser haben längst erkannt, auf welchem Datenschatz sie sitzen und dass sie durch eine Auswertung ihre Kunden gezielter beraten könnten. Doch die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die am 25. Mai in Kraft tritt, bremst allzu wilde Ideen. Um Verbrauchern künftig mehr Datensouveränität zu geben, schreibt sie allen Unternehmen, die Geschäfte in Europa machen, unter anderem vor, dass Kunden der Verarbeitung ihrer Daten für jeden einzelnen Zweck zustimmen müssen.

Der private Bankenverband BdB fürchtet, dass die Kunden durch die Datenschutzerklärungen schnell „überflutet“ werden können, und sah sich jüngst genötigt, ein Positionspapier zu veröffentlichen. Darin fordern die Lobbyisten unter anderem, die Zweckbindung aufzuweichen und breiter zu fassen.

Flankiert werden soll dies mit einem an die digitale Welt angepassten „Bankgeheimnis 2.0“. Doch auch der Hauptgeschäftsführer des BdB, Andreas Krautscheid, betont in einem Blogbeitrag zum Thema: „Es geht für die Banken darum, durch Technologie neuen Kundennutzen zu stiften und gleichzeitig absolut vertrauenswürdig zu bleiben.“

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