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Umstrukturierung Darum baut die Deutsche Bank ihr Asien-Geschäft trotz Sparkurses aus

Werner Steinmüller, Asien-Chef des Konzerns, will die Präsenz in Wachstumsmärkten wie Indien anschieben. Das bedeutet investieren und sparen zugleich.
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In Indien betreut die Deutsche Bank auch außerhalb Deutschlands Privatkunden. Quelle: EyeEm/Getty Images
Mumbai

In Indien betreut die Deutsche Bank auch außerhalb Deutschlands Privatkunden.

(Foto: EyeEm/Getty Images)

Bangkok Auf Dienstreise in Bangkok ist Deutsche-Bank-Vorstand Werner Steinmüller mit dem Tuk Tuk unterwegs. Zusammen mit dem früheren Bankchef Jürgen Fitschen, der vor Jahrzehnten für den Konzern in Thailand arbeitete, besucht er große, potenzielle Firmenkunden. Am Abend bringt Fitschen seinen Kollegen mit dem landestypischen Transportmittel in eines seiner Lieblingsrestaurants. Gut und günstig, findet Steinmüller.

Der Bewirtungsbeleg für die beiden zeigt am Ende 50 Euro – inklusive Getränke. „Das ist echte Kosteneffizienz“, kommentiert er angesichts der konzernweiten Sparanstrengungen lakonisch. Kosteneffizienz ist ein wichtiges Stichwort für den 64 Jahre alten Manager, der seit 2016 im Deutsche-Bank-Vorstand das Asien-Geschäft verantwortet.

Deutschlands größtes Geldhaus will in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Euro einsparen – und auch das Asien-Geschäft muss seinen Teil dazu beitragen. Doch Steinmüller hat weitaus mehr vor, als ausschließlich die Kosten zu kürzen: Er will die Geschäfte des Konzerns in dem wichtigen Zukunftsmarkt Asien neu aufstellen. Immerhin gut zwölf Prozent der Erträge des Geldhauses werden in der Region Asien-Pazifik erwirtschaftet.

Gelingen soll das mit Investitionen in Wachstumsmärkte, einer neuen Führungsmannschaft – und natürlich auch einem Beitrag zu weiteren Kostensenkungen. Viel Zeit dafür hat Steinmüller nicht: In der Presse bereits als Ruhestandskandidat gehandelt, wurde sein Vertrag kürzlich um ein Jahr bis Ende Juli 2020 verlängert, wie der Manager im Gespräch mit dem Handelsblatt bestätigt.

Die gravierenden personellen Veränderungen stellen Steinmüller vor große Herausforderungen. So verließen in den vergangenen Monaten die Länderchefs in Indien, Singapur, Thailand, Indonesien und Japan das Unternehmen. Der Finanzdienst Bloomberg sprach von einer fast kompletten Demontage des Führungsteams, das die Bank in der Region in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut hatte.

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Bisher ist es Steinmüller nicht gelungen, alle Löcher zu stopfen: In Indien und Thailand konnte er noch keine Nachfolger für die frei gewordenen Chefposten finden. Die Abgänge erfolgten, nachdem die Bank angekündigt hatte, rein lokales Geschäft in Asien zurückzufahren.

Steinmüller bestreitet, dass der Konzern dadurch an Attraktivität für die Führungskräfte verloren habe. Er stellt die Abgänge als Konsequenz seiner neuen Führungsstrategie dar. „Wir haben die Managementstruktur in der Region optimiert“, sagt er. Er wolle den Aufgabenbereich der Länderchefs ausweiten und ihnen zusätzlich Verantwortung für einzelne Geschäftszweige geben.

„Unser neuer Singapur-Chef verantwortet beispielsweise das Anleihegeschäft sowie die Transaktionsbank in der Region“, sagt Steinmüller, der selbst seit fast drei Jahrzehnten für die Deutsche Bank tätig ist. Ob diese Änderungen mit dem alten Führungsteam nicht möglich gewesen wären, will er nicht kommentieren. „Uns ging es darum, das Geschäft insgesamt effizienter zu machen und mehr Energie in die Märkte zu bringen.“

Investmentbanker wollen weg

Auch in anderen Teilen des Unternehmens kam es zu zahlreichen Abgängen. Eine Sprecherin bestätigt Berichte, wonach an den Standorten Singapur und Hongkong in den vergangenen Monaten 50 Mitarbeiter die Bank verließen, darunter mehrere Abteilungsleiter. Sie wurden durch 35 Neueinstellungen ersetzt.

Das Fachportal eFinancialCareers berichtete im vergangenen Jahr davon, dass Headhunter in der Region eine stark gestiegene Nachfrage von Investmentbankern erlebten, die die Deutsche Bank verlassen wollten. Im Zuge der Personalfluktuation besetzte Steinmüller Posten, auf denen bisher erfahrene und teure Mitarbeiter tätig waren, mit jungen und vergleichsweise billigen Kollegen.

„Wir haben die bewusste Entscheidung getroffen, die Mitarbeiterstruktur zu verändern“, sagt er. „Das ist natürlich auch ein Weg, um Kosten zu sparen.“ Beim Sparen will Steinmüller seiner Bank ebenfalls mit seinem Standort Indien helfen. Dort beschäftigt der Konzern bereits jetzt rund 10 .000 Mitarbeiter. Der Großteil von ihnen arbeitet in internen Servicezentren, die den verschiedenen Geschäftsbereichen der Bank weltweit zuarbeiten.

Künftig soll die Zahl der Mitarbeiter in Indien weiter steigen – zulasten anderer Standorte rund um den Globus, an denen die Personalkosten höher sind, wie Steinmüller bestätigt. „Wir suchen immer nach Optimierungsmöglichkeiten“, sagt der studierte Wirtschaftsingenieur. Indien sei angesichts der gut ausgebildeten Mitarbeiter und hohen Kosteneffizienz sehr attraktiv. „Wir planen, in Indien weitere Jobs zu schaffen. Dabei geht es natürlich auch darum, Kosten einzusparen.“

Laut US-Medienberichten werden unter anderem Buchhaltungsjobs von Florida nach Mumbai verlegt. Die Deutsche Bank ist nicht der einzige Finanzkonzern, der Stellen nach Indien verlagert: Die Investmentbank Goldman Sachs startete 2014 mit dem Bau eines rund 250 Millionen Dollar teuren Bürokomplexes in der indischen IT-Metropole Bangalore, der in diesem Jahr eröffnet werden und Platz für rund 9000 Mitarbeiter bieten soll.

Ein Fokus liegt auf Indien

Steinmüller hat als erster Vorstand in der Geschichte der Deutschen Bank seinen Hauptsitz in Asien. Während seine Kollegen in Hongkong das chinesische Neujahrsfest feierten, reiste Steinmüller Anfang Februar nach Indien. In der südindischen Metropole Chennai, in der sich viele ausländische Automobilhersteller niedergelassen haben, besuchte er Fabriken seiner Kunden. Der Manager sieht in dem Subkontinent mehr als nur einen billigen Backoffice-Dienstleister.

„Indien ist konstant einer unserer fünf profitabelsten Märkte global und immer häufiger auch der profitabelste in der Region Asien-Pazifik“, sagt er. Für das abgelaufene Finanzjahr 2017/2018 meldete die Bank in Indien einen Nachsteuergewinn von umgerechnet rund 113 Millionen Euro.

Asiens drittgrößte Volkswirtschaft ist einer der wenigen Märkte, in denen die Deutsche Bank außerhalb Deutschlands auch Privatkunden betreut. Ein Verkauf der Sparte wurde 2018 abgeblasen, nachdem sich kein geeigneter Käufer gefunden hatte. Statt in dem Land zu schrumpfen rüstet der Konzern nun auf: Im Dezember führte die Bank in Indien eine Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro durch.

Die Geschäfte der Bank legten in dem Land – ebenso wie in China – nach Unternehmensangaben zuletzt mit einer zweistelligen Wachstumsrate zu. Weiteres Wachstum im indischen Privatkundengeschäft erhofft sich Steinmüller durch neue digitale Angebote. Er plant, die Umsätze in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln. Allerdings sind dafür seiner Ansicht nach weitere Investitionen nötig: „Wir bauen unsere Privatkundenbank zu einer digitalen Plattform um. Dazu brauchen wir technologische Innovation.“

Innovationen holte er sich zuletzt auch über Zukäufe. Im vergangenen Jahr übernahm die Deutsche Bank das indische Fintech-Unternehmen Quantiguous, das auf IT-Schnittstellen spezialisiert ist. Steinmüller will künftig weitere Fintechs an sich binden: „Es geht darum, unsere Systeme auf ein neues Niveau zu heben und zusammen mit Fintechs an neuen Technologien und Lösungen zu arbeiten“, sagt er. „Wir müssen die Innovationen zu uns holen. Asien ist in diesem Bereich fortschrittlicher als Europa.“

In Strategiepapieren für die Region, die Steinmüller in den kommenden Wochen konzernintern präsentieren möchte, will er vor allem für Investitionen in die IT-Systeme der Transaktionsbank plädieren. Der Geschäftsbereich ist aus seiner Sicht zusammen mit der Corporate-Finance-Abteilung und der Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden der wichtigste Wachstumstreiber für die Bank in der Region.

Großer Andrang herrscht vor einer Filiale der Deutschen Bank in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Quelle: picture alliance / Stefan Mauer/
Deutsche Bank in Indien

Großer Andrang herrscht vor einer Filiale der Deutschen Bank in der indischen Hauptstadt Neu Delhi.

(Foto: picture alliance / Stefan Mauer/)

Er führt das unter anderem auf den Boom neuer Bezahlsysteme in Ländern wie China und Indien zurück, wo Kunden von der Stromrechnung bis zur Rikscha-Fahrt einen Großteil ihrer Alltagsgeschäfte per App bezahlen können.

Neben den beiden bevölkerungsreichsten Ländern des Kontinents will Steinmüller auch den südostasiatischen Staatenbund Asean, zu dem Länder wie Vietnam, Indonesien und Thailand gehören, stärker in den Fokus nehmen. „Wir wollen uns stärker in der Asean-Region engagieren“, sagt er. Im Bankensektor spreche man vor allem über China und Indien. „Asean wird häufig vernachlässigt. Das ist meiner Meinung nach ein Fehler.“

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