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Unicredit und Intesa Für Italiens Banken läuft es besser, aber noch lange nicht gut

Italiens Banken profitieren von der Entspannung an den Märkten, wie die Zahlen der Großbanken zeigen. Doch es sind längst nicht alle Schwierigkeiten gelöst.
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Der Nettogewinn von 1,1 Milliarden Euro für das dritte Quartal ist das beste Ergebnis seit einer Dekade. Quelle: imago stock&people
Unicredit

Der Nettogewinn von 1,1 Milliarden Euro für das dritte Quartal ist das beste Ergebnis seit einer Dekade.

(Foto: imago stock&people)

Rom Es war ein Wettlauf der Superlative: Beide italienische Großbanken präsentierten diese Woche gute Zahlen, die über den Erwartungen der Analysten lagen und sich unmittelbar im Börsenkurs niederschlugen. Unicredit und Intesa Sanpaolo meldeten gestiegene Gewinne, kündigten hohe Dividenden an und erklärten, dass der Abbau fauler Kredite schneller läuft als geplant.

„Unser Nettogewinn von 1,1 Milliarden Euro für das dritte Quartal ist das beste Ergebnis seit einer Dekade“, freute sich Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier. Bei der Gelegenheit dementierte der Vorstandschef der Hypovereinsbank-Mutter auch Berichte, eine in Deutschland ansässige Holding für die ausländischen Töchter gründen zu wollen. „Man sollte mir glauben, nicht Spekulationen“, sagte er.

Intesa-Chef Carlo Messina hatte zwei Tage zuvor für die ersten neun Monate des Jahres einen Nettogewinn von 3,3 Milliarden Euro verkündet – 9,9 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2018. „Das ist das das beste Neunmonatsergebnis seit 2008“, sagte Messina. Beide Banker bestätigten die Jahresziele. Unicredit stellt Anfang Dezember in London seinen neuen Strategieplan vor.

Vor allem die hohe Anzahl an notleidenden Krediten in den Büchern hatten die Banken in Italien in den vergangenen Jahren in Schieflage gebracht. Doch die Zeiten, als sie beinahe 300 Milliarden Euro betrugen, sind vorbei.

„Vor drei Jahren lag die Quote notleidender Kredite bei 17 Prozent, heute ist sie unter neun Prozent“, sagt Fabrizio Pagani vom Vermögensverwalter Muzinich & Co. „Heute sind wir wieder beim Niveau von 2009“, attestiert Giuliano Cicioni, Partner bei KMPG in Italien, in seinem Jahresbericht. Diesen werden die Bilanzen der 18 Bankengruppen Italiens untersucht, die 67 Prozent des gesamten Systems umfassen.

Zugute kommt den Banken auch die Entspannung an den Märkten, seit die neue Regierung in Rom den Konfrontationskurs und die antieuropäischen Töne der Vorgänger beendet hat. Der Risikoaufschlag auf zehnjährige italienische Papiere im Vergleich zu Bundesanleihen ist seitdem stark gesunken und damit auch die Refinanzierungskosten.

Neue Systemkrise wird ausgeschlossen

Die italienischen Banken haben nach Zahlen des Bankenverbands ABI Anleihen im Wert von 401 Milliarden Euro in ihren Büchern. Schon jetzt haben die fünf größten Institute mit 2,4 Milliarden Euro vom Rückgang des sogenannten Spreads seit September profitiert, hat das Wirtschaftsblatt Il Sole-24ore errechnet. „Eine Rückkehr politischer Spannungen könnte den positiven Effekt sofort beenden“, warnt jedoch der Ökonom Marcello Messori von der römischen Wirtschaftsuniversität Luiss.

Eine neue Systemkrise schließen Banker, Politiker und Ökonomen im Prinzip aus. Das heißt zwar noch nicht, dass die Bereinigung der Bankbilanzen abgeschlossen ist. Dieses Ziel sei aber ganz klar zu erreichen, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Gualtieri.

Nur gute Nachrichten also? „Das Thema ‚italienische Banken‘ existiert nicht mehr“, meint Finanzexperte Pagani. „Alle Banken in Europa haben die gleichen Probleme.“

Doch es gab den Beinahecrash der Regionalbank Carige, davor musste der Staat mehrere Regionalbanken retten, und es gibt den Problemfall Monte dei Paschi. Lokale Krisen könnten wieder ausbrechen, vor allem im Süden, warnt Messori. Die seien zwar zu handhaben, hätten aber ihre Kosten.

Für ihn liegen die Probleme tiefer. Noch immer hätte die Bankenbranche Schwierigkeiten, günstig Kapital am Markt zu bekommen. „Die Branche hat die schlimmsten Momente überwunden, aber die Anfälligkeit bleibt“, erklärt er. „Denn die Gewinnspanne der ganzen Branche ist strukturell zu niedrig.“

Um die älteste Bank der Welt steht es schlecht

Zu viele Banken, Filialen und Mitarbeiter, das sind die Probleme, die seit langem bekannt sind. „Konsolidierung ist unvermeidlich“, betont Messori. Fusionen und Verkäufe über die Landesgrenze hinaus innerhalb von Europa sieht er aber skeptisch. Notenbankgouverneur Ignazio Visco mahnt anderes an. Die Banken müssten Kosten reduzieren durch Investitionen in Technologie. Es gäbe Verbesserungen, aber nicht ausreichend, um den digitalen Wandel zu bewältigen.

Schlecht steht es um Monte dei Paschi, die älteste Bank der Welt, die 2017 mit einem acht Milliarden Euro schweren Rettungspaket des Staats vor dem Kollaps bewahrt werden musste.

In den ersten neun Monaten erwirtschaftete die Bank ein Nettoergebnis von 187 Millionen Euro, 379 Millionen waren es im Vorjahreszeitraum. Ende des Jahres soll Monte dei Paschi zurück an den Markt, das ist mit der EU-Kommission vereinbart. Doch es sieht nach Verlängerung der Frist aus. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns“, sagte Bankchef Marco Morelli. „Monte dei Paschi hatte in den vergangenen Jahren einen sehr erfolgreichen Turnaround, jetzt wird das Thema Konsolidierung dringend“, meint Finanzexperte Pagani.

Und schon zieht die nächste Bedrohung des Friedens herauf: Unicredit hat erklärt, ab 2020 die Negativzinsen an vermögende Privatkunden weiterzugeben. Intesa betont dagegen, das komme nicht in Frage. Für den italienischen Bankenverband sind Minuszinsen kein Thema. Doch der Ertragslage der Branche wird nicht besser, und der Druck auf die Banken, daran etwas zu ändern wird immer größer.

Mehr: Intesa Sanpaolo legt bessere Quartalszahlen vor als erwartet. Seit Ende 2017 hat die Großbank den Bestand fauler Kredite um rund 20 Milliarden Euro reduziert.

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