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Untersuchungsbericht Australischer Bankenskandal trifft auch Allianz-Tochter

Eine Kommission der australischen Regierung urteilt harsch über die eigene Finanzbranche. Das trifft auch die Allianz. Der Dax-Konzern gibt sich kleinlaut.
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Der Chef der Kommission kritisiert die australische Finanzbranche. Quelle: Eddie Jim / METHODE
Kenneth Hayne

Der Chef der Kommission kritisiert die australische Finanzbranche.

(Foto: Eddie Jim / METHODE)

Sydney, FrankfurtFast ein Jahr hat die „Königliche Kommission zur Untersuchung des Fehlverhaltens in der Finanzbranche“ in Australien Banken, Versicherer und andere Finanzdienstleister unter die Lupe genommen.

Am Ende kommt der Vorsitzende der Kommission, Kenneth Hayne, zu einem vernichtenden Urteil: „Sehr oft verstieß das Verhalten gegen Gesetze. Und wenn es nicht gegen Gesetze verstieß, dann verhielten sich die Finanzfirmen nicht so, wie es die Gemeinschaft von ihnen erwarten darf.“

Am Ende der Untersuchungen, der öffentlich geführten Interviews mit Opfern und harten Verhören von Führungskräften der Banken kommt die Kommission zum Schluss, der Sektor müsse Vorschriften und Verhaltensregeln für den Verkauf von Finanzprodukten, Versicherungen und Hypotheken komplett überholen.

Die Kommission gab 76 Empfehlungen an die Regierung, mit denen die Führung und Überwachung des Sektors verbessert werden sollen. Gleichzeitig meldete sie 24 Firmen wegen möglicher Verfehlungen oder krimineller Taten an die Finanzaufsichtsbehörden Asic und Apra.

Zu den Unternehmen gehören die zwei australischen Großbanken Australia New Zealand Bank (ANZ), National Australia Bank (NAB) sowie die Versicherungen Comminsure sowie der führende Vermögensverwalter AMP – aber auch die Tochter des deutschen Versicherers Allianz.

Beim deutschen Dax-30-Konzern gab man sich entsprechend kleinlaut. „Allianz Australia respektiert und unterstützt die Arbeit, die die Royal Commission geleistet hat, und teilt ihre Ziele, um die besten Ergebnisse für die Kunden zu erzielen“, sagte Nick Scofield, Chief Corporate Affairs Officer der Allianz Australien.

Die australische Tochter des deutschen Versicherers werde den Bericht des Kommissars einer umfassenden Überprüfung unterziehen „und die Auswirkungen auf die australische Versicherungsbranche und ihre Geschäftstätigkeit bewerten“. Die freundlichen Worte können allerdings nicht überdecken, dass die Allianz es lange versäumt hatte, den Problemen im Hause nachzugehen.

Der Allianz wird Kundentäuschung vorgeworfen

Die oberste Risikomanagerin von Allianz Australia, Lori Callahan, musste bereits im vergangenen Herbst vor der Kommission einräumen, sie habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte gebeten, einen kritischen Bericht zur Unternehmenskultur zurückzuziehen, „weil er meine Fragen nicht beantwortet hat“.

Die Kommission wirft der Allianz vor, Kunden bei Reiseversicherungen in die Irre geführt zu haben. Der Versicherer habe im Internet eine weltweit unbegrenzte medizinische Versorgung versprochen, obwohl die Policen Grenzen sowohl bei der Höhe der Zahlungen als auch bei der regionalen Gültigkeit enthielten.

Die Erkenntnisse sind ein Rückschlag für die Münchner: Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die Allianz-Tochter in Sidney wissentlich und über Jahre hinweg nichts unternahm um die Fehlinformationen zu korrigieren.

Vorstandschef Oliver Bäte kann das nicht gefallen. Er will den Konzern noch stärker digital ausrichten und die Kunden mehr denn je über digitale Kanäle erreichen. Die Täuschung von Kunden im Internet durch die australische Tochter passt kaum in diese Strategie und hinterlässt Kratzer bei einem der wichtigsten Kriterien, mit denen der Gigant aus München im Internet punkten kann: seinem guten Namen.

Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch das Urteil der Kommission über die übrigen Institute alles andere als schmeichelhaft ausfällt. „Gier und Gewinnsucht“ seien über Jahre die Treiber der Branche gewesen, so das Fazit von Kommissionschef Hayne, einem ehemaligen Richter.

Wesentliche Bereiche der Finanzwirtschaft funktionierten auf Basis von Kommissionen und Gratifikationen. Je mehr ein Berater verkaufe – wenn möglich die hauseigenen Produkte, auch wenn sie schlechter sind oder gar nutzlos –, desto höher seine Kommission.

10.000 Privatpersonen betroffen

„Der Schaden für die Betroffenen und für die Finanzdienstleistungsindustrie ist groß“, so Hayne in seiner Abschlusserklärung. Er hatte im Verlauf der Untersuchung Tausende von Fällen von Verfehlungen und möglichem kriminellem Verhalten durch Vertreter von Banken und anderen Finanzdienstleistern aufgedeckt.

Rund 10.000 Privatpersonen, Geschäftsleute, Mittelständler und Rentner, die zum Teil ihr gesamtes Vermögen verloren hatten, berichteten schriftlich über ihr Leid und die Schäden, die zum Teil ihre wirtschaftliche Existenz vernichteten.
Die konservative Regierung unter Premierminister Scott Morrison erklärte, sämtliche von der Kommission gegebenen Empfehlungen evaluieren zu wollen. Laut Hayne sollen Hypothekenmakler in Zukunft „im besten Interesse des potenziellen Kunden handeln“ müssen, nicht mehr im Interesse der Bank.

Ein besonderes Gewicht soll künftig der fairen Behandlung von Landwirten und weniger gut situierten Bankkunden eingeräumt werden. Auch solle Finanzberatern in Zukunft verstärkt auf die Finger gesehen werden.

Ob die Regierung die Empfehlungen wirklich umsetzen wird, hängt nicht zuletzt von der einflussreichen Bankenindustrie ab. Die Sprecherin der Branche, Anna Bligh, spricht von einem „neuen Anfang“. Verschiedene Vertreter der Banken hatten im Vorfeld gemeint, eine Verschärfung der Bestimmungen und Regeln würde sich negativ auf das Hypothekengeschäft auswirken.

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