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US-Bankensystem Wie der Chef einer Mini-Bank zum Top-Verdiener der Branche avancierte

Gregory Garrabrants von der Bank Axos Financial bekommt für das vergangene Jahr 34,5 Millionen Dollar. Grund ist die bizarre Zusammensetzung seines Vergütungspakets.
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Der Chef der Bank Axos Financial ist der Rekordverdiener 2018 unter den US-Bankchefs. Quelle: Reuters
Skyline von San Diego

Der Chef der Bank Axos Financial ist der Rekordverdiener 2018 unter den US-Bankchefs.

(Foto: Reuters)

San FranciscoGerade erst mussten sich die Top-Banker der Wall Street vor dem US-Kongress wegen ihrer exorbitanten Vergütungspakete verantworten, als den gewählten Volksvertretern klar wurde, dass sie die falschen Leute vorgeladen hatten. Völlig unbehelligt vom Zorn der Gesetzgeber dürfte an diesem Tag der Vorstandschef einer Mini-Bank im kalifornischen San Diego seinen Morgenkaffee genossen und sich dem Tagesgeschäft zugewandt haben.

Die Bank, Axos Financial, ist eigentlich nicht der Erwähnung wert. Die Bilanzsumme des Geldinstituts, früher als „Bank of Internet“ bekannt, ist mit 9,8 Milliarden Dollar ein Witz verglichen mit den Billionen von Dollar, die Goldman Sachs, Bank of America oder JP Morgan jedes Jahr ausweisen. Und doch schaffte der CEO etwas, was die Wut des Kongresses über die Luxus-Vergütungen in der Finanzbranche noch deutlich gesteigert hätte, hätte die Politiker es gewusst.

Gregory Garrabrants, seit 2007 an der Spitze des Instituts, profitierte von einer Neuordnung seiner Vergütung, die er erst 2017 ausgehandelt hatte. Ein komplexes und schwer durchschaubares Paket bescherte ihm einen Geldsegen von 34,5 Millionen Dollar für das Kalenderjahr 2018. Ein Verdienst, von dem selbst die Super-Banker David Solomon von Goldman Sachs oder Jamie Dimon von JP Morgan nur träumen können.

Das alles war auch nicht unbekannt oder nicht vorhersehbar, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Es habe heftige Kontroversen innerhalb des Aufsichtsrats gegeben, der laut Bloomberg nur mit einer knappen Mehrheit von etwas über 50 Prozent das Paket genehmigt hatte. Die renommierten Informationsdienste für Großinvestoren ISS und Keefe, Bruyette & Woods hätten ausdrücklich vor den Risiken gewarnt.

Michael Perito von Keefe wird von Bloomberg mit den Worten zitiert, JP Morgans Jamie Dimon hätte 2018 rund 400 Millionen Dollar kassiert, wenn sein Vergütungspaket ähnlich „bizarr“ zusammengesetzt gewesen wäre. Die versteckte Botschaft an den US-Kongress kann da nur lauten: Wer glaubt, dass die Einkommensungleichheit schon ihren Gipfel erreicht hat, der irrt gewaltig. Da geht noch eine ganze Menge.

Wie kommt das Ganze zustande? Der Trick war eine Aufsplittung der Vergütung in einen unverdächtigen Basisteil und ein zweites Paket, das eine potenzielle Zeitbombe war. Zu Garrabrants Grundgehalt von 700.000 Dollar und einem Bonus von ohnehin schon 1,42 Millionen Dollar kommt ein zweiter Teil. Der herangezogene Referenzindex im Berechnungszeitraum war das Geschäftsjahr von Axos Financial, das immer Ende Juni endet. In diesem Zeitraum war der Referenzindex um elf Prozent gestiegen, die Aktie aber um 72 Prozent, sodass der Riesenbetrag fällig wurde.

Es nicht das erste Mal, dass Vergütungsstrukturen völlig aus dem Ruder zu laufen scheinen. In den Boom-Zeiten vor dem 2008er-Crash der Weltwirtschaft konnten Wertpapierhändler in Investmentbanken teilweise das Mehrfache ihrer Chefs mit nach Hause nehmen. Verteidigt wurde es mit den fulminanten Gewinnen, die die Händler mit gewagten Transaktionen für die Banken eingefahren hatten. Nur wenig später mussten die Steuerzahler die Zeche bezahlen und Banken weltweit vor dem Untergang retten.

Der Boom der Axos-Aktien ist längst vorbei. Seit dem wichtigen Stichtag im Juni 2018, als der Kurs über 41 Dollar notierte, ist er bis jetzt auf 31 Dollar abgesackt. Alleine im März ging es um zehn Prozent bergab, wofür eine Reihe von selbstverschuldeten und externen Faktoren verantwortlich sind.

Extern lastet die Entscheidung der US-Notenbank Fed, ihre Zinserhöhungen auszusetzen, auf dem gesamten Bankensektor. Intern sorgt eine Zahlung von 16,5 Millionen Dollar an einen Kunden für Stirnrunzeln. Sie soll die Verluste des nicht genannten Kunden kompensieren, die durch eine nicht genehmigte Transaktion eines Bankmitarbeiters entstanden sein sollen.

Doch das alles muss den CEO nicht mehr kümmern. Seine Zahlungen für 2018 hat Gregory Garrabrants sicher.

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