US-Großbank JP Morgan und Citigroup legen starke Zahlen fürs zweite Quartal vor

Gut vorgelegt: Die US-Großbanken JP Morgan und Citigroup verzeichnen im zweiten Quartal ein deutliches Plus bei Umsatz und Gewinn. Nur Wells Fargo kann nicht mithalten.
Update: 13.07.2018 - 14:53 Uhr 1 Kommentar
JP Morgan und Citigroup legen gute Zahlen fürs zweite Quartal vor Quelle: Reuters
Jamie Dimon

Der CEO von JP Morgan hat Grund zum Feiern.

(Foto: Reuters)

New YorkDie gute Konjunktur und gesunkene Steuern lassen bei JP Morgan die Kassen klingeln. Der Gewinn der größten US-Bank stieg im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar. „Das Unternehmen hat in diesem Quartal Rekordergebnisse eingefahren“, zog JP-Morgan-Chef Jamie Dimon am Freitag Bilanz. Die Wirtschaft wachse weltweit, vor allem in den USA sei die Stimmung der Verbraucher und Firmen gut.

Die Nachfrage nach Krediten stieg, der Zinsüberschuss kletterte dank der höheren Leitzinsen in den USA um zehn Prozent. Auch das Investmentbanking brummte: Im Aktienhandel stiegen die Erträge um 24 Prozent, im Anleihenhandel um sieben Prozent. Noch im Mai hatte die Bank die Erwartungen gedämpft und mit einem stagnierenden Handelsgeschäft gerechnet. Die Erträge des Konzerns kletterten um 6,5 Prozent auf 28,4 Milliarden Dollar.

Die US-Institute profitieren nicht zuletzt von Trumps Steuerreform. Bei JP Morgan sank der durchschnittliche Steuersatz binnen Jahresfrist auf 21 Prozent von 28 Prozent. Im vorbörslichen Handel notierte die JP-Morgan-Aktie leicht im Plus.

In den ersten sechs Monaten verdiente JP Morgan bereits 17 Milliarden Dollar und ist damit auf dem besten Weg zu einem Rekordergebnis im laufenden Jahr. Von Bloomberg befragte Experten rechnen im Schnitt derzeit mit einem Anstieg um rund ein Viertel auf mehr als 30 Milliarden Dollar. Das sind aktuell umgerechnet etwas mehr als 25 Milliarden Euro. Damit würde die US-Bank in einem Jahr mehr verdienen, als die Deutsche Bank derzeit an der Börse wert ist.

Für die Citigroup zahlen sich gesunkene Steuern, höhere Gebühreneinnahmen und das starke Privatkundengeschäft in Mexiko aus. Der Gewinn legte im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar zu, wie die drittgrößte Bank der USA am Freitag mitteilte. Die Erträge legten lediglich um zwei Prozent auf 18,5 Milliarden Dollar zu. Während Citigroup im Aktienhandel zulegen konnte, gingen die Erträge im Anleihenhandel zurück. Der Konkurrent JP Morgan hatte dagegen in beiden Bereichen Zuwächse verbuchen können. 

Obwohl das Geldhaus damit besser abschnitt als von Analysten erwartet, gab die Citigroup-Aktie im vorbörslichen Handel um ein halbes Prozent nach. In den Monaten April bis Juni profitierte die Bank erneut von ihrer breiten Aufstellung. Neben dem einträglichen Kapitalmarktgeschäft warf auch das Privatkundengeschäft mehr ab. Die steigenden Zinsen in den USA machen das Geldverleihen profitabler. Allerdings brachte die Verwaltung von Geld für multinationale Konzerne noch mehr ein. Die Citigroup verdient mehr Geld im Ausland als jede andere Bank aus den USA.

Die US-Großbank Wells Fargo hat im zweiten Quartal wegen Sonderkosten und geringerer Erlöse deutliche Abstriche machen müssen. Verglichen mit dem Vorjahreswert sank der Gewinn um fast zwölf Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar (4,5 Mrd Euro), wie das Geldhaus am Freitag in San Francisco mitteilte. Finanzchef John Shrewsberry machte insbesondere eine Sonderlast von 481 Millionen Dollar an Einkommensteuern für den starken Rückgang verantwortlich.

Doch auch die Erträge - die gesamten Einnahmen der Bank - sanken um rund drei Prozent auf 21,6 Milliarden Dollar. Analysten hatten deutlich bessere Zahlen erwartet, die Aktie fiel vorbörslich zunächst um über drei Prozent. Nach Skandalen wegen fingierter Konten und anderer dubioser Praktiken kämpft das Institut mit Image-Problemen und hatte viel Ärger mit den Behörden. Bankchef Tim Sloan betonte aber, dass die internen Kontrollen weiter verbessert worden seien.

In der kommenden Woche werden Goldman SachsMorgan Stanley und Bank of America ihre Unternehmenszahlen vorlegen.

Bereits Anfang Juni hatte Jamie Dimon auf einer Konferenz in New York von „einem goldenen Zeitalter in der Bankenwelt“ geschwärmt. Die größte US-Bank profitiert wie ihre Pendants von einer Mischung aus geringeren Steuern, dem Abbau der Bankenregulierung, steigenden Zinsen und neuen Technologien, mit denen sich Kosten senken lassen.

Wie lange das von Dimon postulierte goldene Zeitalter noch anhalten wird, ist ungewiss. Der drohende Handelskrieg und eine immer flacher werdende Zinskurve bereiten den Investoren Sorgen. Der Branchenindex S&P 500 Financials hat in diesem Jahr gut zwei Prozent nachgegeben und liegt gut zehn Prozent unter dem Jahreshoch von Ende Januar. Der breiter gefasste S&P 500 hat dagegen 2018 gut drei Prozent zugelegt.

Erst im Juni verzeichneten die Aktien der Geldhäuser 13 Tage in Folge Verluste, die längste Minusserie aller Zeiten. Nach den Ergebnissen der Bankenstresstests der US-Notenbank Fed haben sich die Kurse jedoch wieder etwas erholt.

Die Zinskurve ist derzeit so flach wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Das heißt, dass der Abstand zwischen den Renditen von zwei- und zehnjährigen Staatsanleihen sinkt, weil Anleger vermehrt längerlaufende Bonds kaufen. Das steigert den Druck auf die Margen im Kreditgeschäft. Derzeit diskutiert die Fed heftig darüber, ob man die Zinsen in diesem Jahr noch ein oder zwei Mal anheben sollte.

Anleger können sich nun auf satte Auszahlungen freuen. Die US-Notenbank hatte den Instituten im Stresstest bescheinigt, dass sie auch in einer schweren Rezession noch über genügend Kapitalreserven verfügen, um Kredite an Unternehmen und Privatpersonen zu vergeben. Die großen US-Banken werden daher in den kommenden zwölf Monaten die Rekordsumme von 164 Milliarden Dollar an ihre Aktionäre ausschütten, wie die Investmentbank Barclays berechnet hat. Das sind 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

Allein die vier größten Institute, JP Morgan, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo, schütten insgesamt 110 Milliarden Dollar aus. „Das stärkt das Vertrauen in die Bankenbranche“, sagt Lisa Kwasnowski von der Ratingagentur DBRS.

Da die Fed den Banken bescheinigt hat, ausreichend kapitalisiert zu sein, könnten diese ihre Aktionäre und Anleiheinvestoren nun leicht zufriedenstellen. Goldman Sachs und Morgan Stanley können aber nur so viel ausschütten wie im Vorjahr: Sie haben den Stresstest mit einem enttäuschenden Ergebnis bestanden und zwei wichtige Richtgrößen knapp überboten.

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1 Kommentar zu "US-Großbank: JP Morgan und Citigroup legen starke Zahlen fürs zweite Quartal vor"

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  • Ganz leise schleicht der Zweifel und die Wehmut ein, bei mir als Aktionär von deutschen Banken. Die Ergebnisse sind es nicht mehr, die Beklemmung schaffen, das war bekannt. Fatal ist es aber Jahr für Jahr das Siechtum zu verfolgen, während andere Banken nur so strotzen, vor lauter Kraft. Warum denn nur die deutschen Banken ???

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