Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Investmentbank Goldman Sachs denkt über eigene Kryptowährung nach

David Solomon und seine Bank Goldman Sachs haben „umfangreiche Recherchen“ über eine unabhängige Kryptowährung gestartet. Konkurrenz JP Morgan ist bereits deutlich weiter.
Kommentieren
CEO David Solomon betrachtet die Entwicklungen im Kryptomarkt genau. Quelle: Reuters
Goldman Sachs

CEO David Solomon betrachtet die Entwicklungen im Kryptomarkt genau.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Nach der Ankündigung einer globalen Facebook-Kryptowährung rückt das Thema auch bei den Banken noch stärker in den Fokus. Wie Goldman-Sachs-Chef David Solomon der französischen Tageszeitung „Les Echos“ sagte, beschäftigt sich die US-Investmentbank aktuell intensiv mit dem Thema Digitalwährung.

Man habe „umfangreiche Recherchen“ zu dem Thema gestartet. Dabei gehe es um die Tokenisierung, also die Umwandlung von Währungen und Vermögenswerten in digitale Verträge, die mit Hilfe der Blockchain-Technologie gehandelt werden sollen. „Alle großen Finanzinstitute auf der ganzen Welt“ dürften sich jetzt damit beschäftigen, sagte er.

Facebook hatte vergangene Woche ein Konzeptpapier für die Kryptowährung Libra vorgestellt. Sie soll von einer separaten, unabhängigen Vereinigung, der Libra Association, geführt werden. Neben Facebook gehören ihr 27 weitere Mitglieder an, darunter die Kreditkartenfirmen Mastercard und Visa, die Fahrdienstleister Uber und Lyft sowie die Kryptobörse Coinbase.

Bereits im Februar hatte US-Konkurrent JP Morgan seinen „JPM Coin“ auf den Weg gebracht. Der Coin ist ein bankeigenes Verrechnungsmittel für die Netze von JP Morgan. Dafür hatte das Geldhaus einen dreistelligen Millionenbetrag im Jahr für die Erforschung der Blockchain-Technik ausgegeben.

Mit Unterstützung von Ethereum-Entwicklern hatte die Bank eine eigene Blockchain namens Quorum aufgebaut. Diese bildet die Plattform für den JPM Coin. Bislang handelt es sich dabei um einen Prototyp, der mit einer kleinen Zahl von Geschäftskunden getestet wird. Laut Umar Farooq, der die Blockchain-Projekte und den digitalen Zahlungsverkehr bei JP Morgan leitet, gibt es aktuell keine Pläne, den JPM Coin für Endkunden anzubieten.

Er ist 1:1 an den Dollar gebunden, die Bank garantiert den unbegrenzten Umtausch. Weitere Währungen wie der Euro sollen bald angebunden werden. Laut Farooq soll die Kryptowährung Zahlungen beschleunigen und Transaktionen vereinfachen. Für die Kunden könnten diese damit deutlich billiger werden. Im Gegensatz zur Facebooks Libra wäre er damit keine Konkurrenz für Bitcoin und Co.

Eine Frage der Regulierung

Solomon wollte sich nicht dazu äußern, ob Goldman Sachs Gespräche mit Facebook geführt habe. Er sagte, dass blockchainbasierte „stable coins“, die an reale Währungen gebunden seien, „die Richtung sind, in die das Zahlungssystem gehen wird“. Er sei der Meinung, dass die Tech-Unternehmen versuchen werden, mit Banken zusammenzuarbeiten, statt sie herauszufordern. Als Beispiel nannte er Goldmans Kreditkartenpartnerschaft mit Apple.

Zur Debatte um die Regulierung von Kryptowährungen wie Libra hat er eine klare Haltung. Während Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Cheflobbyist Nick Clegg immer wieder betonen, dass Libra richtig reguliert werden muss, um zu funktionieren, ist Solomon der Meinung, dass Unternehmen wie Facebook kein Interesse daran hätten, sich den gleichen regulatorischen Beschränkungen zu unterwerfen wie JP Morgan oder Goldman Sachs.

In dieser Woche gab es zahlreiche Forderungen zur Regulierung von Libra. Randal Quarles, der Chef des Finanzstabilitätsrats FSB, eines internationalen Gremiums von Finanzregulierern, hatte am Mittwoch die G20-Staaten in einem Brief zu mehr Wachsamkeit und Kooperation aufgerufen. „Neue Arten von Kryptowährungen, die zum Bezahlen im Einzelhandel eingesetzt werden können, müssten von den Behörden genau beobachtet werden, um sicherzustellen, dass auch für sie ein hoher Regulierungsstandard gilt“, stellte Quarles klar.

Das FSB würde gemeinsam mit anderen Aufsehern die Lage genau beobachten und wenn nötig einschreiten, so Quarles. „Wir denken über zusätzliche multilaterale Antworten nach“, heißt es weiter in dem Brief.

Auch Mark Carney, Chef der britischen Notenbank, fand deutliche Worte. Die Bank von England, die Federal Reserve, alle großen Zentralbanken und Aufseher müssten eine Aufsicht über dieses Projekt haben, forderte er. „Es muss sicher sein, oder es wird nicht passieren.“

Ähnlich äußerte sich Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz. „Sollte Libra in größerem Umfang verwendet werden, sind weitreichende Implikationen für die Finanzbranche, für die Finanzstabilität und für die Geldpolitik nicht auszuschließen“, erklärte er.

Mehr: Experten sehen drei große Baustellen in Bezug auf Libra. Lesen Sie hier, wie gefährlich Facebooks Kryptowährung wirklich ist.

Startseite

Mehr zu: US-Investmentbank - Goldman Sachs denkt über eigene Kryptowährung nach

0 Kommentare zu "US-Investmentbank: Goldman Sachs denkt über eigene Kryptowährung nach"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote