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US-Zentralbank Die Fed-Sitzung wird für Jerome Powell zum Stresstest

Die Märkte haben hohe Erwartungen an die Fed, doch die Gemeinde der Ökonomen ist gespalten. Zentralbankchef Powell steht zwischen den Stühlen.
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Die Fed-Sitzung am Mittwoch wird für den Zentralbankchef ein Test. Quelle: Reuters
Jerome Powell

Die Fed-Sitzung am Mittwoch wird für den Zentralbankchef ein Test.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Am Mittwoch wird Jerome Powell seine Worte noch sorgsamer wählen als gewöhnlich. Denn jeder Zungenschlag, jede auch nur vermeintliche Andeutung des Chefs der US-Notenbank (Fed) hat das Potenzial, Verwerfungen an den Finanzmärkten auszulösen. Die Investoren in den USA und weltweit haben hohe Erwartungen an die Fed.

Obwohl die US-Wirtschaft noch rundläuft, rechnen sie in den nächsten Monaten mit bis zu drei „vorsorglichen“ oder „präventiven“ Zinssenkungen, um einer möglichen Rezession gar nicht erst eine Chance zu geben. Ebrahim Rahbari, Ökonom der Citigroup, glaubt, dass Powell sich „dovish“, also geldpolitisch weich, äußern wird; „Tauben“ werden im Gegensatz zu „Falken“ Vertreter einer lockeren Gangart genannt. Aber die entsprechenden „Erwartungen sind hoch“, warnt er, „und es ist ungewiss, ob die Fed bereit ist, eine künftige Lockerung definitiv anzukündigen“.

Wenn Powell signalisiert, dass es demnächst zu einem Zinsschritt kommt, dürften die Märkte einigermaßen zufrieden sein. Bei einem deutlichen Hinweis werden sie jubeln, noch mehr, wenn es schon zu einer Zinssenkung kommt. Aber wenn er sich zurückhält oder gar versucht, die möglicherweise überzogenen Erwartungen zu dämpfen, dann könnte es einen empfindlichen Rückschlag vor allem an den Aktienbörsen geben.

Basierend auf Daten der CME Group scheinen die Märkte zu 80 Prozent jetzt nicht mit einem Zinsschritt zu rechnen, aber zu 85 Prozent mit einer Absenkung um einen Viertel- oder einen halben Prozentpunkt im Juli, schreibt Stefan Gerlach, Chefökonom der EFG Bank in Zürich. Im Dezember sehen sie demnach die Fed-Leitsätze nur noch in einer Spanne zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Zurzeit ist der Leitzins als Spanne zwischen 2,25 und 2,5 Prozent festgelegt.

Zum Vergleich: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins bei null und den in der Praxis noch wichtigeren Zins für Bankeinlagen bei minus 0,4 Prozent. Die Ökonomen sind sich so uneinig wie nur selten über den Kurs der Fed. Während Goldman Sachs immer noch skeptisch ist, ob es 2019 überhaupt zu einer Zinssenkung kommt, geht die Deutsche Bank von drei Schritten bis Ende Dezember aus, um jeweils einen Viertelprozentpunkt.

JP Morgan liegt mit einer Prognose von zwei Zinsschritten um je einen Viertelprozentpunkt dazwischen. Die Citigroup hält eine Senkung um einen halben Punkt im September für wahrscheinlich. Es gibt auch ausgesprochene Gegner von Zinssenkungen. Amanda Agati, Strategin bei PNC Financial, würde einen Schritt in diese Richtung „absolut für einen Fehltritt“ halten, wie sie dem US-Sender CNBC sagte. Sie verweist auf gute Daten für die Industrieproduktion und die Quartalsergebnisse der Unternehmen.

Keine Angst vor Inflation

Tatsächlich lassen sich zurzeit sehr leicht Argumente für oder gegen eine geldpolitische Lockerung finden, was die Meinungsvielfalt der Ökonomen verständlich macht. Auf der einen Seite ist die Inflation in den USA niedrig. Der Index der persönlichen Ausgaben (PCE), den die Fed besonders beachtet, lag im April nur um 1,5 Prozent über dem Vorjahreswert.

Diese Kennziffer bleibt beharrlich unterhalb des Ziels der Fed von rund zwei Prozent. Dabei würde die US-Notenbank nach der langen Zeit zu niedriger Inflation auch eine Weile ein Überschießen über die zwei Prozent hinaus tolerieren. Hinzu kommt: Nach einer Umfrage der Universität von Michigan sind vor Kurzem die Erwartungen der Verbraucher mit Blick auf die kommenden fünf Jahre gesunken: von 2,6 Prozent noch im Mai auf nunmehr 2,2 Prozent.

Das läge zwar oberhalb des Ziels, aber Notenbanker werden immer nervös, wenn sich Inflationserwartungen verändern – weil dies sehr starke Rückwirkungen auf die tatsächliche Inflation hat. Dieses Abrutschen der Inflationserwartungen ist zurzeit ein weltweites Phänomen.

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Angst vor einer zu hohen Preissteigerung gibt es also nicht – und daher auch keinen Grund, auf eine Zinssenkung zu verzichten. Auf der anderen Seite spricht aus den Daten aber auch keine Notwendigkeit, die Zügel zu lockern. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Wachstum ist robust und entspricht etwa den zwei Prozent, die Ökonomen langfristig für möglich halten – dem sogenannten Potenzialwachstum. Die Einzelhandelsverkäufe haben jüngst sogar leicht zugelegt.

Hinzu kommt: Ein allzu hastiger Zinsschritt könnte die Glaubwürdigkeit der Fed ankratzen. Sie würde sich der Gefahr aussetzen, den Märkten gegenüber allzu hörig zu sein. Dass US-Präsident Donald Trump immer wieder niedrigere Zinsen fordert, ist auch nicht hilfreich für das Ansehen der Notenbank.

Letztlich ist Trump indirekt aber sogar der Grund für die Lockerung, wenn sie denn eintritt. Denn der Handelskrieg, das befürchten zum Beispiel die Ökonomen von JP Morgan, dürfte auf längere Sicht das Vertrauen der Unternehmen in die wirtschaftliche Zukunft untergraben. Wer nicht mehr einschätzen kann, wo es sinnvoll ist, in Lieferketten zu investieren, hält sich mit Investitionen zurück.

Und das kann auf Dauer die Konjunktur dämpfen und letztlich auch auf die bisher stabile Stimmung der Verbraucher durchschlagen. Für Powell ist der Mittwoch auch ein Test seiner kommunikativen Fähigkeiten. Bis zum vergangenen Dezember gab er sich so optimistisch, dass die Märkte fürchteten, die Fed könne einer möglichen Rezession zu spät entgegenwirken.

Vor Kurzem deutete er an, sie stehe bereit, bei Problemen zu handeln. Das haben die Märkte begierig als Ankündigung von Zinssenkungen aufgegriffen – vielleicht allzu begierig.

Mehr: Über die nächsten Schritte der Fed sind sich Ökonomen erstaunlich uneinig. Das liegt auch an der unberechenbaren Situation im Handelsstreit mit China.

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