Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Verdacht auf Insiderhandel Berenberg-Co-Chef Hendrik Riehmer – ein Top-Banker mit Defiziten

Er hat die Berenberg Bank saniert, liebt Aktien, ist ein Weltbürger. Nun wird gegen den Hamburger wegen des Verdachts auf Insiderhandel ermittelt.
Kommentieren
Menschen, die lange mit ihm zusammengearbeitet haben, beschreiben Riehmer als exzellenten Banker „mit persönlichen Defiziten“. Quelle: Getty Images Sport/Getty Images
Hendrik Riehmer

Menschen, die lange mit ihm zusammengearbeitet haben, beschreiben Riehmer als exzellenten Banker „mit persönlichen Defiziten“.

(Foto: Getty Images Sport/Getty Images)

Frankfurt„Er ist ein ganz besonderes Kaliber“, sagt einer, der Hendrik Riehmer lange kennt. Er sei „nicht der typische Banker“, sagt ein anderer. Im Fall des Hamburgers, der seit Jahren vor allem in London und New York lebt, ist das durchaus als Kompliment zu verstehen. Nicht die Herkunft hat Riehmer an die Spitze von Hamburgs feiner Privatbank gebracht, sondern persönliche Leistung.

Er hat Berenberg saniert, als es der Bank miserabel ging, seit 2009 ist er Co-Chef. Klar ist: Ohne ihn wäre das Institut nicht da, wo es heute ist. Doch nun könnte die gemeinsame Erfolgsgeschichte abrupt enden – und das hängt auch mit dem Menschen Hendrik Riehmer zusammen.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Verdacht auf Insiderhandel. Die Ermittler hegen den Verdacht, dass Riehmer bereits Anfang 2017 die ihm nahestehende Bekannte sowie den Immobilienunternehmer von einem bevorstehenden Aktiengeschäft unterrichtet habe, bei dem der Reisekonzern Tui seinen Bestand an Hapag-Lloyd-Papieren zu einem garantierten Mindestpreis verkaufen würde.

Die beiden anderen Beschuldigten erwarben demnach in der Folge Anteile – und profitierten von Kurssteigerungen, als Tui seinen Plan konkretisierte. Berenberg war globaler Koordinator für die Aktientransaktion.

Beamte der Hamburger Staatsanwaltschaft und der Finanzaufsicht Bafin durchsuchten Riehmers Villa, die Bankzentrale am Jungfernstieg sowie weitere Objekte. Ermittelt wird neben Riehmer gegen zwei weitere Beschuldigte: eine enge Bekannte und einen Hamburger Immobilienunternehmer. Die Staatsanwaltschaft hat eine Arrestsumme von 20,5 Millionen Euro eingefroren, die mutmaßlich mit den Straftaten verdient worden ist.

„Hintergrund ist, dass Herr Riehmer nach dem bisherigen Ergebnis der Ermittlungen nicht selbst einen unmittelbaren Vorteil aus den Taten erlangt hat, sondern sein Wissen lediglich weitergegeben hat“, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Finanzaufsicht Bafin bestätigte, dass sie nach einer förmlichen Untersuchung wegen Insiderhandels Ende März Anzeige erstattet hatte, weil ihr konkrete Anhaltspunkte für Gesetzesverstöße vorgelegen hatten.

Hohe Gehälter waren ihm wichtiger als gute Beziehungen

Man habe die förmliche Untersuchung im Nachgang zu einer Pflichtmitteilung der Reederei Hapag-Lloyd am 10. Juli 2017 gestartet. Berenberg hatte mitgeteilt, dass man mit den Behörden kooperiere und davon ausgehe, dass sich der Verdacht nicht bestätigen werde. Riehmer selbst wollte sich nicht äußern.

Menschen, die lange mit Hendrik Riehmer zusammengearbeitet haben, beschreiben ihn als exzellenten Banker „mit persönlichen Defiziten“. Hohe Gewinne und Gehälter seien ihm wichtiger gewesen als gute Beziehungen zu seinem beruflichen Umfeld.

Auf der einen Seite steht der unbedingte Wille zum Erfolg. Auf der Schule im edlen Viertel Blankenese gilt der 1968 geborene Sohn eines Seerechtsanwalts als Außenseiter mit mäßigen Noten. Seine Leidenschaft ist die Börse. Nach dem Abschluss macht Riehmer eine Lehre bei der Hamburger Sparkasse und steigt 1990 bei Berenberg ein. Dort reüssiert er in der Kaltakquise neuer Kunden, erarbeitet sich einen Ruf als Arbeitstier.

„Er ist Deutschlands bester Aktienhändler“, sagt Oliver Diehl, der lange den Bereich Equity Capital Markets bei Berenberg geleitet hat und nun zur Konkurrenz gewechselt ist. Diehl beschreibt Riehmer als sehr fokussiert.

2001 übernimmt Riehmer die Leitung des Investmentbankings und bringt das einst dröge Institut auf Angriffskurs. Während Hans-Walter Peters die reichen Privatkunden betreut, zentralisiert Riehmer das Aktienresearch in London, schafft im europäischen Geschäft mit Neuemissionen den Sprung unter die Top Ten der Investmentbanken. In der Branche gilt seine Strategie, Kunden Kapitalerhöhungen zu garantieren und dabei Berenbergs Eigenmittel aufs Spiel zu setzen, als riskant.

Lange Jahre schien ihm der Erfolg recht zu geben. Ob Hendrik Riehmer im Fall des Tui-Deals die Bodenhaftung verloren hat, müssen nun die Ermittler klären.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Verdacht auf Insiderhandel - Berenberg-Co-Chef Hendrik Riehmer – ein Top-Banker mit Defiziten

0 Kommentare zu "Verdacht auf Insiderhandel: Berenberg-Co-Chef Hendrik Riehmer – ein Top-Banker mit Defiziten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.