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Berenberg-Hauptsitz

Die Staatsanwaltschaft hat die Zentrale des Geldhauses durchsucht.

(Foto: Berenberg)

Verdacht auf Insiderhandel Ermittlungen gegen Co-Chef der Berenberg Bank

In Hamburg wurden die Zentrale der Berenberg Bank und Privathäuser von Kriminalbeamten und Aufsehern durchsucht. Der Vorwurf: Insiderhandel.
Update: 03.03.2019 - 17:10 Uhr Kommentieren

Ungebetener Besuch bei einem hochrangigen Manager der traditionsreichen Hamburger Berenberg Bank: Kriminalbeamte und Experten der Finanzaufsicht Bafin haben die Villa von Hendrik Riehmer, einem der zwei persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses, durchsucht.

Die Razzia stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel gemäß Paragraf 38 des Wertpapierhandelsgesetzes, teilte eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft am Sonntag gegenüber dem Handelsblatt mit. Auch in der Zentrale der Berenberg Bank am Jungfernstieg habe es deshalb Durchsuchungen gegeben, hieß es weiter.

Es werde zudem gegen einen Hamburger Immobilienunternehmer ermittelt. Im Fall von Riehmer geht es um den Verdacht auf Weitergabe von Insiderinformationen, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Bereits Anfang 2017, so der Verdacht von Ermittlern der Abteilung Wirtschaftskriminalität im Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft, soll Riehmer eine ihm nahestehende Person sowie den Immobilienunternehmer von einem bevorstehenden Aktiengeschäft unterrichtet haben, bei dem der Reisekonzern Tui seinen gesamten Bestand an Hapag-Lloyd-Papieren zu einem garantierten Mindestpreis verkaufen würde. Das berichtete das „Hamburger Abendblatt“.

Aufgrund der Information über die Pläne sollen die beiden Personen Aktien von Hapag-Lloyd erworben haben, heißt es in dem Zeitungsbericht. Als am 11. Juli 2017 die Absicht von Tui veröffentlicht worden sei, sei der Börsenkurs der Papiere um fast zehn Prozent gestiegen.

Die Anteilscheine der Person aus Riehmers privatem Umfeld sollen dabei um fast 200.000 Euro an Wert gewonnen haben, die aus dem Besitz des Immobilienunternehmers um mehr als drei Millionen Euro, schreibt das „Hamburger Abendblatt“. Berenberg war als globaler Koordinator für die Aktientransaktion tätig gewesen. Tui-Chef Fritz Joussen hatte allerdings bereits im Dezember 2016 bei der Vorlage des Jahresberichts signalisiert, dass er das Aktienpaket von Hapag-Lloyd möglichst bald abgeben wolle.

Nach dem Börsengang von Hapag-Lloyd Anfang November 2015 hatten die Papiere deutlich an Wert verloren, gut ein Jahr später zog der Kurs dann an. Die Übernahme des deutschen Hapag-Rivalen Hamburg Süd durch den Konzern Maersk hatte die Kurswende damals eingeleitet.

Die Bank hat unterdessen auf das Vorgehen der Ermittler reagiert: „Die Behörden untersuchen eine Transaktion unter dem Gesichtspunkt des Verdachts auf Insiderhandel. Wir kooperieren vollumfänglich mit den Behörden und gehen fest davon aus, dass sich dieser Verdacht nicht bestätigen wird“, erklärte ein Sprecher der Privatbank dem Handelsblatt am Sonntag.

Laut „Hamburger Abendblatt“ erwirkten Finanzermittler aus dem Bereich organisierte Kriminalität im Rahmen der Vermögensabschöpfung auch sogenannte Arrestbeschlüsse. Mehrere Millionen Euro sollen dabei auf Firmen- und Privatkonten sichergestellt worden sein.

Gewinnrückgang 2018

Die Ermittlungen treffen Berenberg zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Im Geschäftsjahr 2018 brach der Gewinn auf 23 Millionen Euro ein – nach 90 Millionen im Jahr zuvor. Im kommenden Jahr dürfte außerdem ein Wechsel an der Führungsspitze der Bank anstehen.

2020 feiert Bankchef Hans-Walter Peters, der auch Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) ist, seinen 65. Geburtstag. Bislang schieden bei Berenberg die meisten persönlichen Gesellschafter mit dem Erreichen dieser Altersgrenze aus.

Neben den Turbulenzen an den Märkten im vierten Quartal 2018 macht Berenberg auch der Aufwand für das neue unter dem Stichwort Mifid II bekannte Regulierungspaket der Europäischen Union zu schaffen und die Kosten für Abfindungen, die durch Stellenstreichungen notwendig wurden. Zum ersten Mal seit vielen Jahren musste die Bank im vergangenen Jahr Stellen abbauen und sich von etwa 150 Mitarbeitern vor allem im Investmentbanking und in der IT trennen.

Im vergangenen Jahr war Berenberg im wichtigen Investmentbanking an 48 Börsengängen und Kapitalerhöhungen beteiligt, drei weniger als im Vorjahr. Das Emissionsvolumen hat sich dennoch von 8,6 auf 16,7 Milliarden Euro fast verdoppelt.

Damit gelang der Bank im europäischen Geschäft mit Aktienplatzierungen erstmals der Sprung unter die Top Ten der Investmentbanken. Bankmanager Riehmer war im Juli 1990 zu Berenberg gekommen. Seit Januar 2009 ist er persönlich haftender Gesellschafter. Bankchef Hans-Walter Peters und Riehmer gehören insgesamt 26,1 Prozent der Stimmrechtsanteile.

In der Unternehmensleitung verantwortet Riehmer das Investmentbanking, das an den Standorten London und zuletzt auch in New York in den vergangenen Jahren stark ausgebaut wurde. Heute decken zum Beispiel 87 Analysten in London 761 Unternehmen und zwölf Analysten in New York 95 Unternehmen ab, während andere Institute eher abbauen.

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