Vergütung Deutsche-Bank-Chef Cryan rechtfertigt hohe Boni

John Cryan verteidigt die Boni-Zahlungen. Die Deutsche Bank könne nicht drauf verzichten, wenn sie das Top-Personal halten will.
Update: 02.02.2018 - 11:57 Uhr 11 Kommentare
Deutsche-Bank-Chef John Cryan verteidigt die Boni-Zahlungen Quelle: AP
John Cryan

„Die Bezahlung unserer Mitarbeiter wird sich konsequent am Geschäftserfolg orientieren.“

(Foto: AP)

Üppige Boni sind bei der Deutschen Bank nach Darstellung von Konzernchef John Cryan kein Automatismus. „Die Bezahlung unserer Mitarbeiter wird sich konsequent am Geschäftserfolg unserer Bank orientieren“, versicherte Cryan laut Redetext am Freitag in Frankfurt. „Die diesjährige variable Vergütung ist eine einmalige Investition, um der neuen Führung unserer Unternehmens- und Investmentbank die Chance zu geben, unsere Marktposition zu sichern und auf ausgewählten Geschäftsfeldern auszubauen.“

Im neuen Jahr will das Geldhaus trotz erneuter roter Zahlen etwa eine Milliarde Euro als Bonuszahlung an ihre Mitarbeiter und Manager ausschütten. Vor allem die traditionell gut bezahlten Investmentbanker sollen sich für wieder höhere Boni eingesetzt haben. Es habe im Investmentbanking auch Bereiche gegeben, die sich sehr gut entwickelt hätten, wie etwas das Kreditgeschäft, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Marcus Schenck am Freitag in Frankfurt. Die Mitarbeiter in diesen Sparten hätten wenig Verständnis dafür gehabt, wenn die Deutsche Bank keine Boni bezahlt hätte, nur weil es kurz vor Jahresschluss in den USA eine Steuerreform gegeben habe.

Im internationalen Vergleich zahle die Deutsche Bank ihren Mitarbeiter geringe Gehälter, betonte Schenck. „Wir liegen immer noch in der unteren Hälfte, wenn wir uns mit unseren Wettbewerbern vergleichen.“ Die Bank müsse wettbewerbsfähig zahlen, wenn sie sich gegenüber der internationalen Konkurrenz behaupten wolle.

Co-Chef Marcus Schenck hatte den Schritt kürzlich in einem Interview verteidigt: „Wir müssen gerade jetzt in unsere Leute investieren und international wettbewerbsfähig bleiben – auch bei den Gehältern.“ Mehrere Politiker hatten die Bank dafür bereits scharf kritisiert. Cryan betonte bei der Bilanzvorlage: „Kommendes Jahr ist eine ähnliche Vergütung nur bei entsprechendem Geschäftserfolg zu rechtfertigen.“

Die Deutsche Bank hatte am Freitagmorgen den dritten Jahresverlust in Folge präsentieren müssen. Das größte deutsche Geldhaus machte nach Steuern ein Minus von 500 Millionen Euro. Besonders der Einmaleffekt der US-Steuerreform hat das negative Ergebnis beschert.

Nach dem dritten Verlustjahr in Folge will die Deutsche Bank 2018 wieder schwarze Zahlen schreiben. Er sehe „ein erfolgreiches Geschäftsjahr“, sagte Konzernchef Cryan. „Das Geschäft mit unseren Kunden nimmt wieder Fahrt auf – in allen Sparten.“ Zwar werde auch das laufende Jahr „wieder ein Jahr harter Arbeit“, aber eines „in dem wir Gewinn anstreben – nicht nur vor Steuern, sondern natürlich auch nach Steuern“, sagte Cryan.

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11 Kommentare zu "Vergütung: Deutsche-Bank-Chef Cryan rechtfertigt hohe Boni"

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  • well , well , well ... global markets management strategy is like this:
    bigger bonuses will be distributed to selcted producers; then management claimes, that they are managing this few so excellent. Due to this fact, they claim a higher bonus for themselves and chacka ! bonus is for them at the right place ! more or less management only ! I would guarantee , that none of the management will leave Deutsche, if their bonus would be zero EURO. The ones who get the biggest bonuses are non producing managers and therefore not important as some people think. If I would be Cryan; I just would open the door and ask them to leave, if they dont agree to work harder in bad times. I promise: none of those managers will leave, because their fix salaries are so high (> € 500.000,-- p.a.) , that the don´t need a bonus to cope with life. on working level performers will continue to leave in this environment. Those people feel cheated and they are right. I did not write this, because I am jealous. Performers should be paid according to their performance after cost of risk.
    stock holders got nothing for taking the risk.
    As stock holder I would run fast : very fast !

  • Das Argument, Top Leute mit der Bezahlung zu halten war bis vor wenigen Jahren durchaus zutreffend.
    Nur scheint es dieser "Führungselite" entgangen zu sein, dass in großem Ausmass in der Welt in den Banken Personal abgebaut wurde / wird. Hierbei handelt es nicht durchweg zu Personal aus dem Kassenbereich, sondern auch aus dem aktiven Handel. Mit ein wenig Geschick wird es durchaus gelingen können aus dem Heer der Entlassenen geeignete Leute zu bekommen, ohne dass das Geld der Aktionäre in ungerechtfertigt hohe Boni fließt.

  • Nur wer das Prinzip der persönlichen Bereicherung am Kapitalmarkt wirklich in all seinen Facetten verstanden hat, es optimal umsetzen und maximieren kann, es als Lebenshaltung verinnerlicht hat, kommt in einer Bank nach oben. Je höher in der Hierarchie,
    desto mehr Meister ihres Fach sind dort naturgemäß anzutreffen. Die Shareholder, Aktionäre, Owner, gerade die kleinen haben eben nicht diese "Qualifikation" und daher das Nachsehen. Der langsamere verliert das Rennen.

  • Die Mentalität der Manager, die Bank als Instrument zur persönlichen Bereicherung zu benutzen, ist in der angelsächsischen Tradition Standard. Das wird sich nie ändern. Wer was anderes glaubt oder gar noch predigt, sollte zur Heilsarmee gehen. Der Witz mit dem Kulturwandel war nur für die Galerie und alle haben gelacht.

  • Was ist das denn für ein Top-Personal, dass ständig Verluste produziert und einen Prozess nach dem anderen verliert? Da muß man schon sehr abgehoben sein, um dies auch noch mit Boni zu honorieren. Kein Wunder, dass die Deutsche Bank so schlecht dasteht.

  • Die alte Leier. Kosten vs Ertrag. Wenn es Cryan nicht kann, sollte es jemand anders machen.

  • Gerne 25% vom Gewinn als Boni an VERDIENTE Mitarbeiter geben - 25% Dividende, 50% Rückstellungen - das ist ok
    ABER
    1 Milliarde Boni bei 500 Millionen Euro Verlust - das geht nicht!
    Die Investmentbanker - die eher spekulieren als investieren - die keine Gewinne erwirtschaften - die man als TOP Leute bezeichnet - die keine Ahnung haben, sonst würden sie Gewinne für die Bank erzielen - deren Egozentrismus gnadenlos die Bank schädigt -
    AUF DIESE TOP LEUTE, AUF DIESE INVESTMENTBANKER, KANN MAN GERNE VERZICHTEN!
    Reisende soll man nicht aufhalten.

  • Aber schön vom Steuerzahler alimentieren lassen das Ganze. Und wenn der komplette Laden vor die Wand fährt, wird schon auch wieder der dumme Staat einspringen.

    Die Moral der angeblichen "Elite" ist derart verkommen, da fällt einem nichts mehr ein.

    Und das angebliche Top-Personal muss soweiso nicht mit Boni gehalten werden - bei deren Leistungen würde die ein anderes Unternehmen doch nicht mal geschenkt nehmen.

  • Ich kann es nicht mehr hören. Das Argument gab es seit der Daimler-Hochzeit 'im Himmel' mit Chrysler! Wenn den 'Spitzenkräften' das Salär nicht angemessen hoch genug ist, dann müssen sie halt ein anderes Engagement suchen - Reisende soll man nicht aufhalten! Übrigens - diese 'Top-Manager', besonders im Investment-Bereich, sind die nicht gerade eben MIT VERANTWORTLICH für eine Teil der ausgewiesenen Verluste ??

  • Wenn ich Top-Personal halten will, dann erwarte ich auch Top-Ergebnisse für mein Unternehmen. Das aber passt bei der Deutschen Bank überhaupt nicht zusammen. Es scheint mir wird einmal ein kollektives Versagen der Bank-Elite zu sein.

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