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Verlagerung des Konzernsitzes Schwedische Großbank Nordea beschließt Umzug nach Helsinki

Die größte schwedische Bank liegt mit der Regierung über Kreuz. Nun verlässt sie die Hauptstadt Stockholm und zieht ins finnische Helsinki.
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Die größte schwedische Bank soll in in die Geldwäsche-Affäre um Skandinaviens Banken verwickelt sein. Quelle: Reuters
Nordea in Stockholm

Die größte schwedische Bank soll in in die Geldwäsche-Affäre um Skandinaviens Banken verwickelt sein.

(Foto: Reuters)

StockholmDie größte schwedische Bank, Nordea, wird ihren Hauptsitz von Stockholm in die finnische Hauptstadt Helsinki verlegen. Das beschloss am Donnerstag die Hauptversammlung der Bank mit großer Mehrheit. 96 Prozent der Aktionäre sagten Ja zu dem in Schweden umstrittenen Umzug. Für den Umzug war eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. Die Verlagerung des Konzernsitzes soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Europas neuntgrößte Bank hatte im vergangenen Jahr nach monatelangen Streitigkeiten mit der rot-grünen Regierung in Stockholm mitgeteilt, dass sie vom zweiten Halbjahr 2018 an ihren Sitz von Schweden nach Finnland verlagern werde. Nordea-Chef Casper von Koskull begründete den Schritt offiziell damit, dass Schweden nicht Mitglied der europäischen Bankenunion ist, Finnland aber doch.

Durch den Umzug werde Nordea künftig genauso reguliert wie seine europäischen Konkurrenten, erklärte er. Da Finnland im Gegensatz zu Schweden der Euro-Zone angehört, wird die Bank in Zukunft von der EZB überwacht. Der Umzug nach Finnland werde Einsparungen von rund einer Milliarde bringen, so von Koskull.

Doch es gibt nach Ansicht der meisten Analysten noch einen weiteren Grund für den Umzug. Schweden, das zwar der EU, aber nicht der Währungsunion angehört, hatte vor einem Jahr angekündigt, dass Banken höhere Abgaben in einen Sicherungsfonds einzahlen sollen. Dieser Fonds soll im Falle einer Bankenkrise tätig werden und den Geldhäusern bei Bedarf finanziell unter die Arme greifen. Außerdem wollte Finanzministerin Magdalena Andersson höhere Steuern von den Banken kassieren.

Die schwedischen Banken, allen voran Nordea, protestierten scharf gegen diese Vorschläge. Nachdem Nordea öffentlich mit einem Umzug nach Dänemark oder Finnland gedroht hatte, nahm die Regierung teilweise ihre Vorhaben wieder zurück. Das allerdings reichte Nordea offenbar nicht. Ein Sprecher von Nordea begründete den Umzug denn auch mit der Unsicherheit über die künftige Politik der schwedischen Regierung.

Für die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Löfvén ist der Weggang von Nordea ein enormer Prestigeverlust. Nach der teilweisen Rücknahme der ursprünglich geplanten äußerst scharfen Kapitalvorschriften war man am Regierungssitz in Stockholm davon ausgegangen, dass die größte Bank des Landes den angedrohten Umzug abbläst. Im Herbst dieses Jahres wird in Schweden ein neues Parlament gewählt, insofern wäre der Verbleib von Nordea ein Prestige-Gewinn der jetzigen Regierung gewesen.

Finanzministerin Andersson hatte die Nordea-Leitung im Frühjahr verärgert, als sie unterstrich, dass ein Umzug nach Dänemark oder Finnland nur „gut für den schwedischen Steuerzahler“ sei. Denn dadurch sinke das Risiko für Schweden, sollte die Bank in finanzielle Turbulenzen geraten. Die Vorgängerbanken von Nordea waren bereits zweimal vom Staat gerettet worden.

Die Verlagerung des Firmensitzes nach Helsinki hat nach Aussagen von Nordea-Chef von Koskull keine Auswirkungen auf die Kunden und Mitarbeiter. Tatsächlich wird nur der juristische Sitz verlagert. Nur das Toppmanagement wird künftig in Finnland arbeiten. „Der Umzug wird nicht viel verändern“, erklärte Nordea-Aufsichtsratschef und -Großaktionär Björn Wahlroos. „Wir sind eine europäische Bank und gehören in die europäische Bankunion“.

Trotz der Ankündigung, der Umzug habe kaum praktische Auswirkungen für die Kunden, kann der Umzug negative Konsequenzen für Nordea haben. Neben dem Imageverlust in Schweden haben mehrere Gewerkschaften angekündigt, ihre Geschäftsbeziehungen mit Nordea zu beenden. Einer der größten Pensionsfonds in Schweden, Alecta, begrüßte dagegen den Nordea-Umzug. „Damit spart die Bank viel Geld, und das ist gut für unsere Kunden“, sagte eine Sprecherin.

Bei Analysten löste die Umzugsankündigung dagegen Erstaunen aus. Der Schritt sei „nicht im Geringsten durchdacht“, kritisierte Peter Malmqvist, Chef-Analyst bei der Fondsgesellschaft Remium die Entscheidung gegenüber der Zeitung „Svenska Dagbladet“. „Ich sehe überhaupt keinen Vorteil mit dem Umzug und hoffe wirklich, dass die Leitung verdeutlichen kann, wo man Geld sparen will“, sagte er. Ann Grevelius, die bei der Risikokapitalgesellschaft GP Bullhound arbeitet, sieht durch die Verlagerung des Firmensitzes vor allem einen Nachteil für den Finanz-Standort Stockholm. „Der Fall zeigt auch, dass der Dialog zwischen Regierung und Wirtschaft nicht richtig klappt“.

Für Finnland ist der Nordea-Umzug dagegen ein Gewinn, wenngleich das Risiko für das kleine Land im Falle finanzieller Schwierigkeiten von Nordea größer geworden ist. Durch den Umzug nach Helsinki verdoppelt sich die Bilanzsumme der finnischen Banken. Der finnische Finanzminister Petteri Orpo twitterte dennoch: „Welcome to Finland“ und sprach in einem Interview von einer „großen symbolischen Bedeutung“, die der Umzug für sein Land habe.

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