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Vermögensverwalter Für Geldmanager endet ein goldenes Jahrzehnt

Mit turbulenten Finanzmärkten brechen härtere Zeiten für Vermögensverwalter an. Auch der Ansturm der Investoren auf billige Anlageprodukte drückt Einnahmen und Gewinne.
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Kursrückschläge belasten Vermögensmanager. Quelle: Bloomberg/Getty Images
New Yorker Börse

Kursrückschläge belasten Vermögensmanager.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

FrankfurtManchmal irrt auch die Börse – zumindest kurzfristig. Am Mittwoch sprang der Kurs der Blackrock-Aktie spontan um fünf Prozent, nachdem der weltgrößte Vermögensverwalter seine Zahlen für das vergangene Jahr präsentiert hatte. Der erste Jubel der Anleger täuschte allerdings.

Die Kursgewinne schmolzen nicht nur im Handelsverlauf deutlich ab, langfristig zeigt der Markt ein ganz anderes Bild: Die Blackrock-Aktie verlor seit ihrem Top im vergangenen Jahr ein Drittel an Wert. „Die Börsianer sind skeptischer geworden. Es ist ein Signal, dass die Zeiten für Asset-Manager härter werden“, sagt Matthias Hübner, Investmentexperte bei der Beratungsfirma Oliver Wyman.

Beim Branchenprimus Blackrock deuten einige Zahlen bereits schwierigere Jahre an. Das verwaltete Vermögen fiel im Jahresvergleich um fünf Prozent und damit knapp unter die Marke von sechs Billionen Dollar. Netto investierten die Anleger zwar noch fast 44 Milliarden Dollar, doch das sind satte zwei Drittel weniger als im Jahr davor.

Und vor allem: Während Rekordbeträge in die Indexfonds mit geringen Gebühren flossen, zogen die Kunden aus den viel teureren, aktiv gemanagten Fonds Geld ab. So erodierte die Gewinnmarge. Im vierten Quartal sank der Gewinn je Aktie auf 6,08 Dollar, deutlich weniger als die von Analysten erwarteten 6,28 Dollar.

Wenn Experten härtere Zeiten für die Asset Manager anbrechen sehen, dann liegt das vor allem an der Zeitenwende an den Börsen. „Die Branche hat lange von steigenden Märkten profitiert, das ist mit den Börsenturbulenzen jetzt erst einmal vorbei“, sagt Thomas Schulte, Partner bei der Beratungsgesellschaft BCG. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres begann es an den Märkten zu kriseln. Seit der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt waren die Wertpapierkurse relativ stetig nach oben gelaufen.

Grafik

So stiegen Kapital und Gewinne der Asset-Manager praktisch automatisch, denn ihre Einnahmen sind fixe prozentuale Anteile am betreuten Kapital. Daher haben sich seit dem Finanzkrisenjahr 2008 die verwalteten Gelder der Branche laut BCG mehr als verdoppelt und fast 80 Billionen Dollar erreicht (siehe Grafik). Die Gewinne kletterten mit 275 Milliarden Dollar im vorletzten Jahr nur wenig langsamer.

Schwierigere Märkte

Für das abgeschlossene Jahr liegen zwar noch keine Daten vor. Doch Schulte erwartet wegen der rückläufigen Börsen einen Rückgang des verwalteten Vermögens auf 76 Billionen Dollar. Das wäre das erste Minus seit 2008. „Für 2019 könnte ich mir vorstellen, dass sowohl Einnahmen wie auch Gewinne fallen — wenn sich die Märkte nicht schnell erholen sollten“, warnt BCG-Partner Schulte.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Aktienbörsen. „Denn die Ertragsbringer für die Verwalter sind Aktienprodukte und Mischfonds mit ihren Aktienanteilen“, erläutert Hübner. Die Belastung könnte fortbestehen, denn viele Analysten rechnen mit anhaltend schwankenden Märkten und geringeren Anlageerträgen in den kommenden Jahren.

Zu den Marktturbulenzen kommt der harte Preiswettbewerb in der Branche. Im Fokus steht der Siegeszug der günstigen Indexfonds, ein Feld, auf dem Blackrock Marktführer ist. Anleger drängen in diese Produkte. „Sie werden immer preisbewusster“, weiß Hübner.

Zum Vergleich: In Europa verlangen Anbieter bei Privatanlegern beispielsweise für aktiv betreute Aktienfonds meist ein bis zwei Prozent Jahresgebühr, während die Indexfonds oft nur ein Zehntel kosten. Und die Preise fallen in diesem Segment weiter.

Erst im vergangenen Jahr etwa hatte der größte Konkurrent von Blackrock im Indexfondsgeschäft, Vanguard, sein Deutschlandgeschäft gestartet. Auf dem großen Asset-Management-Markt USA erprobte der Anbieter Fidelity zum ersten Mal einige Produkte mit Nullgebühr. Manche Akteure spekulieren nun sogar über negative Sätze, was für manche Beobachter allerdings absurd klingt. „Mehr an ‚Geiz ist geil‘ geht nicht, Preisdumping pur“, nennt Michael Klimek, Gründer der Beraterfirma Dolphinvest Consulting, das.

Verschärft wird der Druck auf die Margen durch Großinvestoren wie Versicherungen oder Pensionskassen, die immer härter um die Konditionen bei aktiv betreuten Geldern verhandeln. Eine neue Facette sind flexible Gebührenmodelle, bei denen ein geringer Fixsatz mit einem variablen Anteil kombiniert wird, der vom Anlageerfolg abhängt. Auch damit wollen die Anbieter Kunden halten oder gewinnen.

Es gibt weitere Gründe für die Margenerosion, meint BCG-Mann Schulte: „Digitalisierung und Regulierung schaffen mehr Transparenz, sodass Anleger verschiedene Angebote auch besser vergleichen können.“ Berater Klimek warnt vor den Folgen des Preisverfalls: „Sollte sich Dumping ungehindert in der Branche ausbreiten, könnten die Folgen so brandgefährlich wie ein Trump‘scher Handelskrieg sein. Es ist kaum vorstellbar, dass einen totalen Preiskrieg viele überleben würden.“

In schwierigeren Zeiten kommen neben den Einnahmen auch die Ausgaben auf die Agenda. „In einer Dekade sind die Kosten in der Branche um ungefähr die Hälfte gestiegen“, sagt Oliver-Wyman-Mann Hübner. Das sei bisher durch steigende Kurse und damit steigende Einnahmen gedeckt gewesen, jetzt müsse die Branche umdenken: „Die Firmen müssen an die Kosten ran, letztlich heißt das auch weniger Mitarbeiter.“

Blackrock etwa gab in der vergangenen Woche bekannt, die Zahl der Beschäftigten um drei Prozent oder rund 500 Mitarbeiter zu senken. Die Gewinnmarge war im vierten Quartal bereits auf 36,3 Prozent gesunken, drei Prozentpunkte weniger als im Vorjahresquartal.

Im Vergleich zu namhaften Konkurrenten, die ebenfalls im aktiven und gleichzeitig im Indexfondsgeschäft aktiv sind, steht Blackrock aber noch relativ gut da. Börsennotierte Asset-Manager wie Invesco, Amundi oder auch die DWS mussten im vergangenen Jahr höhere Kursabschläge wegstecken.

Sie verloren gemessen an den Höchstständen teilweise mehr als die Hälfte an Wert. „Die guten Zuflüsse bei Indexfonds sind also keine Lösung des Geschäftsproblems, sonst würde auch Blackrock nicht die Kosten kappen“, meint Klimek.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, raten Experten den Asset-Managern sich stärker auf alternative Investments wie Hedgefonds oder Private Equity zu konzentrieren, alles Geschäfte, in denen die Margen noch attraktiv sind. Klimek sieht eine Bestätigung für diese Strategie in der Aktienkursentwicklung.

US-Adressen wie Blackstone oder Hamilton Lane kamen recht gut durch das Jahr. Für Branchenführer Blackrock dagegen steht die langfristige Erfolgsstory zur Diskussion: Wer zur Jahrtausendwende 28.000 Dollar investierte, der war im vergangenen Jahr stolzer Millionär. Doch ein Drittel dieses Geldes ist inzwischen wieder verschwunden.

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1 Kommentar zu "Vermögensverwalter: Für Geldmanager endet ein goldenes Jahrzehnt"

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  • ... endlich. Für solche Gehälter gehört für mich als Voraussetzung dazu, Verantwortung im Unternehmen zu tragen, zur Volkswirtschaft etwas produktives beizutragen und vielen Menschen Arbeit zu geben. Soziale Marktwirtschaft eben... eigentlich ganz logisch, oder?

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