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Vermögensverwalter Julius Bär verfehlt Ziele und kündigt Entlassungen an – Aktie verliert deutlich

Für die Schweizer Privatbank sind die fetten Jahre vorbei. Jetzt will das Institut die Kosten senken – und sich dabei auch von Mitarbeitern trennen.
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Das Institut will die Kosten um 100 Millionen Franken pro Jahr senken. Quelle: dpa
Schweizer Privatbank Julius Bär

Das Institut will die Kosten um 100 Millionen Franken pro Jahr senken.

(Foto: dpa)

Zürich Unter den Schweizer Banken galt Julius Bär einst als Erfolgsstory: Jahr für Jahr wies der Vermögensverwalter ein fulminantes Wachstum aus. Doch nun verspüren die Banker aus der Zürcher Bahnhofstraße zunehmenden Gegenwind.

Zwar machte Bär 2018 einen etwas höheren Gewinn als im Vorjahr. Doch die verwalteten Vermögen sanken um sechs Milliarden Franken auf 382 Milliarden Franken. Auch ihr selbst gestecktes Kostenziel hat die Bank verfehlt.

Bankchef Bernhard Hodler will nun mit Sparmaßnahmen gegensteuern: Der Schweizer versprach am Montag, die Kosten der Bank um rund 100 Millionen Franken zu senken. Dabei will sich Bär auch von Mitarbeitern trennen. Die Rede ist von zwei Prozent der Belegschaft – das entspräche etwa 135 Jobs.

„Es wird Entlassungen geben, aber die genaue Zahl kann ich noch nicht nennen“, sagte Hodler. Trotz der Einsparungen wolle Bär jedoch weiter wachsen und in bestimmten Bereichen neues Personal einstellen.„Wir haben eine fantastische Marke, die wir nicht gefährden wollen“, sagte Hodler.

Der Manager hatte Ende 2017 die Führung der Bank übernommen. Unter seinem Vorgänger Boris Collardi war der Vermögensverwalter mit atemberaubendem Tempo gewachsen. Collardi stellte neue Berater ein, die wohlhabende Kunden mit ihrem Vermögen zu dem Institut lockten.

So hatten sich die verwalteten Vermögen seit 2012 mehr als verdoppelt. Entsprechend blieb auch mehr Geld in der Kasse der Bank hängen. Doch die fetten Jahre scheinen nun vorbei: Zwar gelang es Bär auch 2018, frisches Geld bei der Kundschaft einzusammeln. Doch unterm Strich ging das verwaltete Vermögen zurück. Denn die Kursverluste am Aktienmarkt trafen auch die Vermögen der Bär-Kundschaft: Die „negative Marktperformance“ sorgte für ein Minus von 22 Milliarden Franken.

Das machte sich auch beim Ergebnis bemerkbar. Der bereinigte Gewinn legte nur leicht auf 810 Millionen Franken zu – und lag damit unter den Erwartungen der Analysten. „Das Ergebnis enttäuscht auf der ganzen Linie“, urteilt ZKB-Analyst Michael Kunz.

Zwar habe sich bereits abgezeichnet, dass das schwierige Umfeld an den Märkten seinen Tribut fordern würde. „Das Ausmaß ist jedoch überraschend.“ Die Aktien von Julius Bär verloren bis zum Montagmittag rund 4,5 Prozent an Wert.

Auch das selbst gesteckte Kostenziel hat die Bank verfehlt. Eigentlich soll das Aufwand-Ertrag-Verhältnis (Cost-Income-Ratio) zwischen 64 und 68 Prozent liegen. Stattdessen kletterte die Quote auf rund 71 Prozent. Das bedeutet, dass die Bank 71 Rappen ausgeben musste, um einen Franken zu verdienen. Fortan peilt Bär nur noch eine Quote von „unter 68 Prozent“ an. Und auch das neue Margenziel fällt etwas weniger ambitioniert aus.

Unter der Führung von Boris Collardi sei Bär zu einem zu hohen Preis gewachsen, heißt es oft in Zürich. Doch diesen Einwand wies Bankchef Hodler zurück: „Ich glaube nicht, dass wir zu schnell gewachsen sind und deshalb jetzt die Kosten reduzieren müssen“, sagte Hodler. „Das Umfeld hat sich geändert.“

Allerdings räumte der Bär-Chef ein, dass sich die Bank von einigen „faulen Äpfeln“ getrennt hat. Gemeint sind Kunden, die den Compliance-Anforderungen nicht entsprechen.

In den vergangenen Jahren hatte Julius Bär im Zusammenhang mit diversen Skandalen für Schlagzeilen gesorgt – darunter die Korruptionsaffäre um die staatliche venezuelanische Ölgesellschaft PDVSA. Laut Hodler sei die Bank derzeit dabei, jeden einzelnen Kunden unter die Lupe zu nehmen – und habe sich dabei von mehreren Kunden getrennt.

Auch an der Spitze der Bank steht ein Umbruch an. Im Januar war publik geworden, dass der langjährige Verwaltungsratschef Daniel Sauter zurücktritt. Seinen Posten soll Romeo Lacher, der Verwaltungsratschef der Schweizer Börse Six, übernehmen.

Trotz des Wechsels im Kontrollgremium möchte CEO Hodler weiter die Geschäfte der Bank führen. „Ich mag meinen Job, auch wenn wir Gegenwind von den Märkten spüren“, sagte Hodler.

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