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Vermögensverwaltung Blackrock schockiert die Branche mit Jobabbau

Der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock entlässt Hunderte Mitarbeiter. Auch in Deutschland befürchtet man Einschnitte bei Fondshäusern.
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Der Fondsriese reagiert auf den Wandel in der Branche. Quelle: dpa
Blackock-Gebäude in New York

Der Fondsriese reagiert auf den Wandel in der Branche.

(Foto: dpa)

Frankfurt Diese Nachricht schreckte die Branche der Vermögensverwalter auf: Der weltgrößte Fondsmanager Blackrock, der insgesamt 6,4 Billionen Dollar Kundengelder betreut, streicht drei Prozent seiner Arbeitsplätze.

Das ist der stärkste Einschnitt seit zwei Jahren. Insgesamt müssen 500 Leute gehen, wie aus einem internen Memorandum des Präsidenten Rob Kapito hervorgeht, das dem Handelsblatt vorliegt.

Auch die deutsche Tochterfirma des Vermögensmanagers ist betroffen.

Noch dazu hat mit State Street ein weiterer großer Spieler Entlassungen angekündigt und plant, das Management auf der Leitungsebene um 15 Prozent zu kürzen.

Die Branche zählt zu den Spätzyklikern, erläutert Ingo Mainert von Allianz Global Investors (AGI). Sie spürt konjunkturelle Veränderungen also erst mit einiger Verzögerung. Dabei wird schon seit Langem die Konsolidierung der Fondsbranche vorhergesagt. Aber erst seit den vergangenen zwei Jahren nimmt sie an Fahrt auf.

„Die Unsicherheit im Markt wächst.“ Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Blackrock-Präsident Rob Kapito

„Die Unsicherheit im Markt wächst.“

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

Für Rüdiger Sälzle, Vorstand beim Münchener Analysehaus Fonds Consult Research, ist „Blackrock ein Vorreiter in der Branche, in der sich der Druck auf der Ertragsseite in den nächsten Monaten und Jahren weiter verschärfen wird“. Sowohl die Digitalisierung der Branche als auch der stärkere Einsatz passiver Fonds als Ersatz für aktives Management beschleunige den Umbau, sagt AGI-Manager Mainert.

Übernahmen werden erwartet

Deshalb rede die Fondsbranche in Deutschland nicht mehr nur über Fusionen und Übernahmen, sondern setze derartige Pläne auch in die Tat um, betont Berater Sälzle. Der Experte erwartet, dass „dabei drei bis fünf Prozent der Mitarbeiter entlassen werden“.

Infolgedessen orientieren sich diese bereits um: Wechselkandidaten, die ihre bisherige Karriere im Asset-Management verbracht hätten, seien inzwischen offen für artverwandte Segmente bei Versicherern, Pensionskassen oder Family-Offices, beobachtet Nils Wilm, Geschäftsführer des Personalberaters Bankenwelt Executive Search. Sogar eine Fortsetzung der Karriere in der Finanzaufsicht oder bei den großen vier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften werde erwogen.

In Europa spielen die neuen Anlageregeln, auch Mifid II genannt, seit diesem Jahr eine zusätzliche Rolle. „Erstmals wird vollständige Kostentransparenz bei Gebühren herrschen“, sagt Sälzle.

In den Berichten werden die Fondsgesellschaften auflisten, welche direkten und indirekten Gebühren bei Anlegern anfallen. Die fixe Kostenquote etwa von Aktienfonds bewegt sich nach Einschätzung des Experten durchschnittlich bei 1,3 bis 1,6 Prozent und liegt damit um ein Vielfaches höher als bei börsennotierten Indexfonds, den ETFs.

Zusammen mit den Turbulenzen an den Märkten wirke dieser Effekt „wie ein toxischer Mix für Vermögensverwalter und Kapitalverwaltungsgesellschaften, was einen enormen Druck auf die Ertragsseite ausübt“, warnt Sälzle. Wegen der schlechten Ergebnisse werde es zu Geldabflüssen bei Fonds kommen und das neu eingesammelte Kapital hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Gleichzeitig fällt nach dem Kurseinbruch an den Finanzmärkten die Bewertung der Bestände, auf deren Grundlage die Gebühren berechnet werden. Es besteht also Druck von allen Seiten. „Die gesamte Branche beschäftigt sich mit dem Thema Kostenoptimierung“, betont AGI-Manager Mainert, dessen Unternehmen ein Vermögen von 530 Milliarden Euro verwaltet. Bei AGI gehe das aber nicht zulasten der Kernbestandteile Vertrieb und Portfoliomanagement.

Blackrock-Präsident und -Mitgründer Rob Kapito beschreibt die Veränderungen in der Branche in seinem Memo so: „Die Unsicherheit im Markt wächst, neue Investorenpräferenzen entwickeln sich, und das Ökosystem, in dem wir arbeiten, wird immer komplexer.“

Er betont aber, dass der Megavermögensverwalter auch nach den Entlassungen vier Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigen wird als vor einem Jahr. Und Dirk Schmitz, Deutschlandchef des Vermögensverwalters, beschwichtigt: „Deutschland ist und bleibt ein strategischer Wachstumsmarkt für Blackrock.“

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