Vermögensverwaltung Deutsche Banken ringen um Milliardenvermögen der Kirchen

Deutsche Banken berichten von einer Kundengruppe, die immer häufiger an ihre Türen klopft: Kirchen. Auch sie kämpfen mit den Auswirkungen der Niedrig-Zinsen.
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Kirchen und Gemeinden in Deutschland spüren ebenfalls die Auswirkungen der niedrigen Zinsen. Quelle: dpa
Kölner Dom

Kirchen und Gemeinden in Deutschland spüren ebenfalls die Auswirkungen der niedrigen Zinsen.

(Foto: dpa)

New YorkSchätzungen zufolge verfügen die Kirchen in Deutschland über ein Vermögen von mehreren hundert Milliarden Euro. Das stellt sie vor ein Problem: Die niedrige Zinsen drücken auf die Erträge klassischer Anlagen, zudem haben erstmalige Finanzberichte einige Fehl-Investments ans Licht gebracht. Die Kirchen holen sich deshalb verstärkt professionelle Hilfe bei der Verwaltung ihrer Vermögen.

„Die Kirche hat sich in ihrer Vermögensanlage in den zurückliegenden Jahren immer weiter professionalisiert und greift daher auch häufiger auf professionelle Asset-Manager wie uns zurück“, sagt Martina Erlwein, die sich bei der Hamburger Joh Berenberg Gossler & Company um kirchliche Investoren kümmert. Ähnliches berichtet Daniel Kerbach, CIO der Merck Finck Privatbankiers: „Kirchen sind einer der ganz großen Markteilnehmer. Sie nutzen vermehrt professionelles Asset Management.“

Gerade im aktuellen Umfeld niedriger Zinsen könne mit einer „klassischen Buy-and-Hold-Rentenanlage keine auskömmliche Rendite mehr erzielt werden“, sagt Philip Schätzle, Head of Institutions & VAG Investors Europe bei Metzler Asset Management in Frankfurt. Die Folge sei eine breitere Diversifikation, wofür sich die Kirchen nun Hilfe holen würden.

Gleichzeitig hatten sich viele Kirchen zuletzt verpflichtet, ihre Finanzen erstmals genauer zu durchleuchten und Berichte zu veröffentlichen. Dabei sind sie auf Fehltritte gestoßen. So geht das Bistum Eichstätt davon aus, dass riskante Immobilien-Investments zu einem Verlust in Millionenhöhe geführt haben. Jetzt sollen sich im Bistum Fachleute ums Geld kümmern.

Zwar waren die Einnahmen aus der Kirchensteuer in den vergangenen Jahren gestiegen. Doch bei einer schwächelnden Konjunktur droht ein Rückgang, was die Renditen aus den Vermögensanlagen um so wichtiger macht.

Erträge brauchen die Kirchen nicht nur für ihren laufenden Betrieb. Sie haben als Arbeitgeber auch „erheblichen Pensionslasten“, sagt Eberhard von Alten, Direktor Institutionelle Kunden bei Feri Trust. Er war Anfang 2018 vom Bistum Mainz, wo er seit 2009 als Finanzdirektor gearbeitet hatte, zu dem Bad Homburger Vermögensverwalter gekommen. „Das Markt-Volumen ist schwer zu schätzen, weil noch nicht alle Körperschaften ihre Vermögen vollständig bewertet und offengelegt haben.“

Der Politologe und Kirchen-Experte Carsten Frerk hat sich an einer Hochrechnung zur katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland versucht. „Aufgrund meiner eigenen plausiblen Schätzungen kommen beide Kirchen inklusive ihrer Wirtschaftsunternehmen auf einen Vermögenswert von rund 345 Milliarden Euro“, sagt er. „Das ist allerdings ohne Caritas und Diakonie, die über ein erhebliches Immobilienvermögen verfügen.“

Das deckt sich mit Aussagen von Martina Erlwein, der Bankerin von Berenberg. „Das Gesamtvermögen der Kirchen wird auf einen mittleren dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt.“

Zu den Häusern, die einen Blick in ihre Bücher bereits zulassen, zählt das Erzbistum München und Freising. Zum 31. Dezember wies dieses allein eine Bilanzsumme von rund 3,4 Milliarden Euro aus. Neben Grundstücken wurden auch Finanzanlagen von rund 1,5 Milliarden Euro aufgezählt. Das Erzbistum arbeitet mit Bankmitarbeitern zusammen, sagt Sprecher Christoph Kappes. „Diese Zusammenarbeit umfasst alle Bereiche an Bankdienstleistungen – vom Zahlungsverkehr bis zu Anlageentscheidungen.“

Je größer die zu investierenden Vermögen der einzelnen Kirchen sind, desto spezieller sind auch die Bedürfnisse, gerade vor dem Hintergrund der erforderlichen Diversifikation, sagt Axel Rogge, Leiter Institutionelle Kunden bei der Bethmann Bank, die zur niederländischen ABN Amro Bank gehört. „Es werden Immobilien gesucht, auch Private Equity kann Bestandteil einer Anlagelösung sein. Hinzu kommen Trends wie Nachhaltigkeit, nach denen Kirchen uns schon seit längerem gezielt fragen“, sagt er.

Philip Schätzle von Metzler bestätigt, dass Kirchen sich inzwischen sowohl für liquide als auch illiquide Investments interessieren würden.

„Illiquide Investments, wie zum Beispiel Infrastruktur, werden jedoch nur von den sehr großen Einrichtungen nachgefragt“, sagt er. Bei den liquiden Assets habe die Aktie in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Während in der Vergangenheit fast ausschließlich in der Eurozone investiert worden sei, spiele zunehmend die globale Diversifikation eine Rolle.

Eberhard von Alten von Feri Trust beschreibt die meisten Mandate von Kirchen zwar weiterhin als „klassisch Renten- und Aktien-lastig“. Dennoch sammeln manche Anleger mit Hilfe externer Manager in der Tat auch langsam Erfahrung mit alternativen Assets, sagt er: „Asset-Management ist bei Bistümern und Landeskirchen keine Kernkompetenz, hier ist das Outsourcing die Regel.“

  • Bloomberg
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