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Versicherer Allianz-Chef Bäte sieht Dreijahresziele in Reichweite – und plant die nächsten Veränderungen

Die Allianz-Zahlen fürs erste Halbjahr fielen überraschend gut aus. Spannender ist indes, was Konzernchef Bäte mit dem Versicherer vorhat. Ein Ausblick.
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Nicht alle Mitarbeiter sind von den Plänen des Chefs begeistert. Quelle: dpa
Allianz in Unterföhring

Nicht alle Mitarbeiter sind von den Plänen des Chefs begeistert.

(Foto: dpa)

MünchenDie Präsentation der Halbjahreszahlen überließ Allianz-Chef Oliver Bäte am Freitag erstmals seinem neuen Finanzvorstand Giulio Terzariol. Künftig werde er selbst nur noch bei der Vorstellung der Jahresbilanz im Februar an die Öffentlichkeit gehen, ließ er schon vor einer Woche mitteilen. Allgegenwärtig waren jedoch Bätes Pläne für den Münchener Versicherer.

Dass es davon viele gibt, ist bekannt. Ebenso, dass der Chef nach dem Auslaufen seines bisherigen Strategieplans mit dem Namen „Renewal Agenda“ zum Investorentag des Konzerns Ende November einen Folgeplan präsentieren will. Insofern rückten die Zahlen für das erste Halbjahr, auch wenn sie die Erwartungen der Analysten übertrafen, rasch in den Hintergrund: Der operative Gewinn lag bei 5,8 Milliarden Euro und damit fast auf Vorjahresniveau.

Vom großen Konkurrenten Axa, der am Donnerstag einen Ergebnisschwund von 14 Prozent vermelden musste, konnte sich die Allianz absetzen. Und auch die Prognose für das laufende Jahr von 11,1 Milliarden Euro mit einer Schwankungsbreite von 500 Millionen Euro nach oben wie nach unten wurde bestätigt. Das genügte, um die zuletzt etwas schwächelnde Aktie mehr als ein Prozent in die Höhe zu treiben.

Im Kern geht es aber heute schon darum, dass Bäte und seine Vorstandsmannschaft mit Verve daran arbeiten, dem Konzern ein neues Gesicht zu geben. Die nun ablaufende „Renewal Agenda“ ist dafür die Blaupause, die es weiterzuentwickeln gilt.

Dass die dort formulierten, ambitionierten Ziele – ein Mix aus Gewinn-, Unternehmens- und Mitarbeiterzielen – zum Jahresende geschafft werden, daran ließ er wenig Zweifel. „Es stimmt mich zuversichtlich, dass wir unsere Dreijahresziele der Renewal Agenda erreichen werden“, ließ Bäte sich in der Pressemeldung am Morgen zitieren.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die nächste Stufe ein Mix aus der Weiterentwicklung der bisherigen Ziele plus einer sehr starken Ausrichtung auf die digitale Welt sein wird. Dass es Bätes Ziel ist, an der Spitze der digitalen Revolution in der Branche zu stehen, hat er schon mehrmals deutlich gemacht. Details soll es dann zum Jahresende geben.

Details folgen im November

„Im November lassen wir die Öffentlichkeit detailliert in unseren Maschinenraum gucken“, kündigte er vor wenigen Wochen gegenüber dem Handelsblatt an. Dann werde auch die Produktivität der Allianz zum ersten Mal seit 18 Jahren jährlich steigen.

Die Kunden sollen den Wandel vor allem auf Produktseite zu spüren bekommen. Dafür hat Bäte im Frühjahr den Spanier Ivan de la Sota als „Chief Business Transformation Officer“ in den Vorstand berufen – eine Position, die es vorher nicht gab. Erstes Ziel ist nun eine einheitliche Produktstruktur in Europa, danach will man sehen, was davon sich künftig auch weltweit ausrollen lässt. Bisher waren beispielsweise Produkte für die Kfz-Versicherung in Italien anders strukturiert als in Deutschland.

Generell soll so das Angebot entschlackt werden, vor allem in der Sachversicherung. Dass das bitter nötig und vielerorts auch einfach zu bewerkstelligen ist, verdeutlicht Bäte an einem einfachen Beispiel: Bei der Betriebshaftpflicht gebe es inzwischen 340 Produktvarianten, von denen mehr als 90 Prozent so gut wie gar nicht genutzt werden.

Der Allianz-Chef setzt auf Veränderungen. Quelle: dpa
Oliver Bäte

Der Allianz-Chef setzt auf Veränderungen.

(Foto: dpa)

„Vieles schleppen wir mit trotz neuer Entwicklungen“, schimpfte der Chef vor kurzem bei einem öffentlichen Auftritt. Ebenfalls sollen Entscheidungsprozesse verkürzt werden, sodass Kunden im Idealfall nur noch einen Ansprechpartner haben.

In der Belegschaft verfolgen sie die Pläne nicht nur mit Wohlwollen. Das ist auch dem Vorstand bewusst. Speziell die übergeordneten Fachabteilungen, die beispielsweise erst bei schwierigen Schadensfällen hinzugezogen werden, sollen sich verändern und weiterentwickeln, heißt es. Dort sind die Mitarbeiter nicht begeistert.

Für Bäte ist es aber ein weiterer Schritt hin zu höherer Kundenorientierung. In Befragungen, die der Konzern regelmäßig durchführt, heißt es regelmäßig, dass die Produkte zu wenig selbsterklärend seien.

Entsprechend geht die klare Tendenz im Haus auch dahin, den Anteil für die Verwaltung zu reduzieren und sich dafür mehr auf Beratung und Kundenakquise zu konzentrieren. Auch um den Kunden eine Orientierung zu geben für „die Kakophonie an unverständlichen Informationen aus dem Netz“, wie es Bäte nennt.

Kundenzufriedenheit steigt

Dann soll auch der sogenannte Net Promoter Score (NPS) weiter steigen. Diese Messgröße zeigt die Weiterempfehlungsquote und damit letztlich die Kundenzufriedenheit an. Bei Bätes Amtsantritt vor drei Jahren lag sie bei weniger als 50 Prozent, im vergangenen Jahr bei 60 Prozent, aktuell bei 70 Prozent. Die zum Jahresende angestrebten 75 Prozent sind in Sichtweite.

Aber auch in die externe Struktur soll Bewegung kommen. Der Aufbau eines Direktversicherers ist geplant, wie Bäte schon zur Hauptversammlung im Mai angekündigt hatte. Die Allianz hat hier zwar die Tochter Allsecur am Start, im Vergleich zum Wettbewerb besteht hier aber sehr viel Luft nach oben. Der Konkurrent Generali hat an seiner Tochter Cosmos Direkt beispielsweise sehr viel mehr Freude.

Bewegung könnte es auch im Portfolio der Lebensversicherungen geben, wie Finanzvorstand Giulio Terzariol am Freitag ankündigte. Schon vor zwei Jahren hatte sich die Allianz von einem Bestand in Südkorea getrennt. Das sei in Zukunft auch bei weiteren Lebensversicherungen außerhalb Deutschlands möglich.

Im Heimatmarkt, wo die Veräußerung von Versicherungsbeständen derzeit eifrig diskutiert wird, schließt er das dagegen kategorisch aus. Hier arbeite man hochprofitabel, zudem gebe es hier „gewisse emotionale Gründe“, so Terzariol.

Andere Gesellschaften sehen das anders. Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re kündigte am Freitag an, für das Geschäft mit geschlossenen Lebensversicherungsbeständen in Großbritannien einen Börsengang zu prüfen. Der könnte dann im kommenden Jahr stattfinden.

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