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Versicherer Allianz kauft für mehr als 600 Millionen Euro bei Sul America in Brasilien zu

Die Allianz übernimmt die Kfz-Versicherung und andere Sachversicherungsgeschäfte der brasilianischen Assekuranz. Die Übernahmekasse ist noch nicht leer.
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Durch die Übernahme in Brasilien erweitert der Versicherer sein internationales Geschäft. Quelle: dpa
Allianz

Durch die Übernahme in Brasilien erweitert der Versicherer sein internationales Geschäft.

(Foto: dpa)

Frankfurt Giulio Terzariol hatte bereits Anfang August eine zarte Andeutung gemacht. Der Allianz-Finanzchef antwortete in einer Telefonkonferenz auf die Frage nach einem neuen Aktienrückkaufprogramm, dass der Vorstand zunächst schauen werde, ob es Möglichkeiten für anorganisches Wachstum gebe. Knapp vier Wochen später hat Europas größter Versicherer Fakten geschaffen.

Wie der Dax-30-Konzern am Freitag verkündete, übernimmt er die Automobilversicherung und andere Sachversicherungsgeschäfte der brasilianischen Assekuranz Sul America. Der Kaufpreis beläuft sich demnach auf rund drei Milliarden brasilianische Real, umgerechnet etwa 667 Millionen Euro.

Für die Allianz ist der Deal der Vorstoß in eine Region, in der das Unternehmen bisher nicht allzu stark vertreten ist. Der Konzern ist zwar in Europa eine Macht und beispielsweise auch in den USA und Australien sehr gut aufgestellt, in Südamerika hat die Allianz jedoch Nachholbedarf.

Das liegt unter anderem daran, dass der Versicherungsmarkt dort sehr stark von Maklern bestimmt wird. Neulinge haben es dabei schwer. Ein etablierter Name wie Sul America hilft, die Position deutlich auszubauen. Die Akquisition katapultiere die Allianz zur Nummer zwei auf dem Kfz-Versicherungsmarkt des Landes, wie der Konzern mitteilte.

Das gesamte Prämienaufkommen des Übernahmeziels belief sich 2018 auf knapp 806 Millionen Euro, erklärte die Allianz. Insgesamt komme der Dax-30-Konzern in Brasilien nunmehr auf ein Prämienvolumen von 1,5 Milliarden Euro.

Sul America ist der Allianz einen Zuschlag wert

Das war den Münchenern offensichtlich eine kleine strategische Prämie wert. Bei dem Deal bewertete die Allianz die Anteile von Sul America mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 14 – und damit höher als die Allianz selbst, die es derzeit an der Börse auf ein KGV von etwa zehn bringt. Doch angesichts der deutlich höheren Wachstumsraten in Brasilien waren die Münchener offensichtlich bereit, einen kleinen Zuschlag zu liefern.

Die Übernahme in Brasilien bedeutet für die deutsche Versicherung einen weiteren Schritt, das internationale Geschäft zu erweitern. Erst Ende Mai hatte der Versicherer in Großbritannien gleich doppelten Vollzug gemeldet: Für 274 Millionen Euro übernahm der Konzern dort die Sachversicherungssparte von Legal & General (L&G). Gleichzeitig flossen 654 Millionen Euro für die restlichen 51 Prozent am Sachversicherer Liverpool Victoria.

Damit wird die Allianz künftig auch in Großbritannien Nummer zwei hinter Marktführer Prudential. Erst im vergangenen Jahr wurden zudem die verbleibenden Anteile am weltgrößten Rückversicherer Euler Hermes komplett übernommen.

Der Münchener Versicherer hat damit dieses Jahr bereits das dritte Mal mit einer mittelgroßen Übernahme zugeschlagen und sein jährliches Budget für M&A von rund 1,5 Milliarden Euro mehr als ausgeschöpft.

Dennoch könnte Sul America möglicherweise nicht der letzte Kauf der Münchener in diesem Jahr gewesen sein, denn dank Desinvestitionen im laufenden Jahr ist die Übernahmekasse des Dax-30-Konzerns noch immer nicht restlos ausgeschöpft. Denn erst im Juni hatte der deutsche Versicherungskonzern für fast eine Milliarde Euro sein Vertriebs-Joint-Venture an die spanische Großbank Santander verkauft.

Doch den Dax-Konzern lockt auch in Spanien die Möglichkeit, auf der iberischen Halbinsel wieder mehr Policen über Bankfilialen zu verkaufen. Branchenkreisen zufolge ist die Allianz ebenfalls an einer Übernahme der Versicherungssparte von Spaniens zweitgrößter Bank BBVA interessiert.

Erste Meldungen dazu gab es bereits Ende Februar. Experten schätzen den Wert der Versicherungssparte auf rund 1,5 Milliarden Euro. Der Münchener Versicherungsriese habe ebenso wie die italienische Generali und der US-Rivale Liberty Mutual ein Angebot zum Einstieg in die Versicherungssparte der BBVA abgegeben, berichtete im Frühjahr die Nachrichtenagentur Reuters.

Europas größter Versicherer hatte zuletzt allerdings betont, sich finanziell bei Zukäufen auf keine Abenteuer einzulassen. Allianz-Boss Oliver Bäte unterstrich mehrfach, dass die Preise noch sehr hoch seien und Übernahmen ökonomisch und strategisch passen müssten. Sul America scheint diese Kriterien offensichtlich erfüllt zu haben.

Mehr: Die Allianz übertrifft mit ihren Halbjahreszahlen die Erwartungen der Analysten. Der Umbau des Sach- und Unfallgeschäftes ist in vollem Gange.

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