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Versicherer Allianz macht Druck auf die Tochter AGCS

Der Industrieversicherer AGCS trübt seit Jahren die gute Bilanz der Allianz. Nun geht die Geduld des Managements mit dem Verlustbringer zu Ende.
Update: 08.11.2019 - 16:27 Uhr Kommentieren
Allianz macht Druck auf die Tochter AGCS Quelle: dpa
Fahnen der Allianz

Veränderungen bei der Konzerntochter

(Foto: dpa)

München Insgesamt 47 Seiten umfasste die Präsentation, in der Giulio Terzariol am Freitag darstellen wollte, wie erfreulich die Monate von Juli bis September bei der Allianz verlaufen sind. 47 Seiten, gespickt mit Zahlen, Vergleichen und Erläuterungen über die Entwicklung der komplexen Bilanz von Europas größtem Versicherer. Doch schon bei Seite 15 war dem Finanzvorstand des Hauses der Unmut deutlich anzumerken.

Fast überall auf der Welt hatte der Versicherer bei seinen Töchtern und Landesgesellschaften gutes Geld verdient. Herausstachen lediglich zwei Ausnahmen. In Lateinamerika hat der Konzern wegen der schwierigen Marktverhältnisse Geld verloren. Und Gleiches gilt für den Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). In beiden Fällen lag die Schaden-Kosten-Quote deutlich über 100 Prozent.

Generell teilt diese Maßzahl die Welt der Versicherer in Gewinn und Verlust. Vereinfacht ausgedrückt verliert eine Assekuranz oder eine ihrer Teileinheiten ab der Grenze von 100 Prozent Geld. Alles im zweistelligen Prozentbereich ist hingegen tendenziell positiv.

In der Münchener Zentrale der Allianz ist die Geduld mit den beiden Verlustbringern jedoch sehr unterschiedlich verteilt. Denn während die Einheit in Lateinamerika aufgrund der wirtschaftlichen Sondersituation der Region weiter auf das Vertrauen der Konzernebene setzen kann, schaut es bei der Industrietochter sehr viel anders aus.

„AGCS ist weiter eine Baustelle, alle anderen Bereiche haben eine gute Entwicklung gezeigt“, brach es aus Giulio Terzariol am Freitag hervor. Es gehe nicht, dass eine Gesellschaft ein, zwei, drei oder gar vier Jahre kontinuierlich Verluste schreibe. Auch 2019 werde wieder „definitiv ein schwieriges Jahr werden für AGCS“, kündigte der 47-jährige Italiener bereits die klare Tendenz für das Gesamtjahr an.

Im dritten Quartal lag die Schaden-Kosten-Quote der AGCS mit 102,7 Prozent um 1,3 Prozentpunkte besser als vor einem Jahr. Dem Topmanagement in München reicht das aber mittlerweile längst nicht mehr. Stattdessen ist der Unmut über die Industrieversicherungs-Tochter groß.

Spekulationen über harte Einschnitte

Erst ab dem kommenden Jahr und besonders ab 2021 sollte es zu deutlichen Verbesserungen kommen, hieß es. Die sollen die Schaden-Kosten-Quote bei der AGCS dauerhaft in den positiven Bereich führen. Konzernchef Oliver Bäte hatte im Jahresverlauf bereits den Wunsch nach Quoten von 95 bis 96 Prozent geäußert.

Neue Nahrung erhalten damit Spekulationen, wonach der Industrieversicherer der Allianz vor harten Einschnitten steht. In der ersten Jahreshälfte war bereits von einem Zusammenschluss mit dem mittlerweile vollständig übernommenen Kreditversicherer Euler Hermes die Rede. Dem erteilte Terzariol zwar im Sommer eine Absage. Zu unterschiedlich sei die Ausrichtung beider Geschäftsmodelle, zu weit seien die beiden Zentralen voneinander entfernt. Euler Hermes sitzt traditionell in Paris und hat in Hamburg seine deutsche Niederlassung. AGCS hat seine Zentrale bislang noch im Münchener Stadtteil Neuperlach.

Dass aber eine verstärkte Zusammenarbeit beider Häuser geplant ist, daraus macht auch das Topmanagement der Allianz kein Geheimnis. „Das geht besser“, gab Konzernchef Oliver Bäte bereits im Frühjahr die klare Richtung vor.

Seither hat sich bei AGCS nur wenig zum Besseren gewendet. Der Umsatz und das Neugeschäft haben zwar zuletzt deutlich angezogen, auf der Gewinnseite ist davon jedoch zu wenig angekommen. Deshalb wächst die Ungeduld innerhalb des Managements. „Wir wollen keine Gesellschaft, bei der die Schaden-Kosten-Quote immer wieder über 100 Prozent liegt“, machte Terzariol am Freitag eine klare Ansage. Verbesserungen sollen künftig über Preiserhöhungen und weitere Sanierungsmaßnahmen erreicht werden, so die Wunschvorstellung.

Verheerende Quote

Allerdings ist AGCS innerhalb der Branche kein Einzelfall. Viele Wettbewerber stehen schlechter da als die Allianz-Tochter. Für das vergangene Jahr hatte der Branchenverband GDV gar die verheerende Schaden-Kosten-Quote von 129 Prozent für die deutschen Industrieversicherer berechnet. Hohe Schadenszahlen, unter anderem durch Großfeuer, führten zu diesem Ergebnis. Seit geraumer Zeit versucht die Branche nun mit teils drastischen Preiserhöhungen entgegenzusteuern. Die werden wegen der offensichtlichen Notwendigkeit von den Kunden auch zähneknirschend akzeptiert, heißt es von dort.

Ganz anders steht der Kreditversicherer Euler Hermes da, den die Allianz im vergangenen Jahr komplett übernommen hat und daraufhin das Börsenlisting in Paris strich. Die Tochter verdiente auch im dritten Quartal sehr gut, auch wenn der Umsatz leicht rückläufig war. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 81,7 Prozent ragt Euler Hermes im gesamten Universum der Allianz erneut weit heraus. Das hat Tradition: In früheren Zeiten standen an dieser Stelle auch schon Quoten von 78 Prozent.

Beobachter gehen nun davon aus, dass Euler Hermes und AGCS in den kommenden Monaten sehr viel enger zusammenrücken werden. Aufgabenbereiche, die bisher beide Häuser übernehmen, sollen kombiniert werden. Das dürfte speziell für den Backend-Bereich gelten, in dem relativ schnell Synergien möglich sind.

Ohnehin müssen sich die Mitarbeiter der AGCS schon bald auf Veränderungen einstellen. Der Mietvertrag für die in die Jahre gekommene Zentrale im Münchener Südosten wurde gekündigt. Künftig wird die AGCS ihren Firmensitz in der Zentrale von Allianz Deutschland im Stadtteil Unterföhring haben.

Mehr: Die Allianz will mit einem neuem Online-Versicherer Europa aufmischen.

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