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Versicherer Allianz prüft Neuordnung der Industriesparte

Der Industrieversicherer AGCS kämpft seit Jahren mit der Profitabilität. Jetzt lotet die Allianz eine engere Zusammenarbeit mit Euler Hermes aus.
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Allianz Versicherer prüft Neuordnung der Industriesparte Quelle: imago stock&people
Allianz-Flaggen

Im Industriegeschäft werden neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesucht.

(Foto: imago stock&people)

MünchenDas Urteil war klar und deutlich. Angesichts sehr guter Geschäfte in der sonstigen Sachversicherung sei die Entwicklung des Industrieversicherers AGCS eine „einzige kleine Enttäuschung“ im Quartal gewesen, klagte Allianz-Finanzvorstand Guilio Terzariol jüngst. Seit fast vier Jahren kämpft der Industrieversicherer unter dem Dach des Dax-30-Konzern mit der Profitabilität. Nun ist die Geduld des Allianz-Topmanagements mit der Sparte offensichtlich erschöpft.

Europas größter Versicherer aus München prüft nun eine Neuordnung des Industriegeschäfts. Der hauseigene Industrieversicherer AGCS und der erst im vergangenen Jahr komplett übernommene Kreditversicherer Euler Hermes könnten demnach in Zukunft enger zusammenarbeiten.

„Wir suchen immer nach neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit in bestimmten Märkten und für bestimmte Kunden oder Produkte“, sagte ein Sprecher. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über solche Überlegungen berichtet. Dort war sogar von einer möglichen Fusion beider Häuser die Rede. Schon jetzt arbeiten die Zentralen beider Häuser in München und Paris in Teilbereichen eng zusammen.

Aus Allianz-Kreisen war zu hören, dass es zwar Überlegungen einer engeren Zusammenarbeit beider Töchter gebe, das Projekt selbst sich aber in einem sehr frühen Stadium befinde. Der Ausgang sei offen, auch weil beide Firmen bei manchen Gemeinsamkeiten auch große Unterschiede aufweisen würden.

AGCS, die Industriesparte der Allianz, kämpft mit ähnlichen Problemen wie viele andere Industrieversicherer. Seit Jahren schrumpfen wegen hoher Haftpflicht- und immer größerer Feuerschäden die Margen. Viele in der Branche schreiben Verluste. Der Wettbewerber Talanx aus Hannover meldete beispielsweise im dritten Quartal ein Minus von mehr als 100 Millionen Euro in diesem Bereich. Grund dafür war eine außergewöhnlich hohe Belastung an Großschäden.

Die AGCS aus dem Münchener Stadtteil Neuperlach schaffte zuletzt zwar die Wende zum Besseren, blieb aber hinter den Erwartungen der Zentrale zurück. Nach neun Monaten stand ein operativer Gewinn von 274 Millionen Euro zu Buche. Ein Jahr zuvor waren es gut 100 Millionen Euro weniger.

Dass nicht mehr verdient wurde, lag an einer Vielzahl kleinerer Schadensereignisse. Zudem stellt der Industrieversicherer gerade im wichtigen US-Geschäft sein IT-System um. Das führt zu einer Doppelbelastung bei Service- und Lizenzgebühren, was wiederum die Kostenquote in die Höhe treibt.

Bis hier wieder alte Margen erreicht werden, dürfte es somit noch dauern. Immerhin schaffte es die AGCS gerade wieder, die Schaden-Kosten-Quote auf 99,8 Prozent und damit unter die für Versicherer negative Marke ab 100 Prozent zu drücken.

Der Kreditversicherer Euler Hermes, der unter anderem auch für die staatlichen Hermes-Bürgschaften zuständig ist, verzeichnete in vielen Regionen der Welt zuletzt ein hohes Wachstum. Der Umsatz stieg bis zum Herbst 2018 um über 18 Prozent. Durch den rasant wachsenden weltweiten Handel nimmt auch die Nachfrage vieler Unternehmen nach einer Absicherung gegen Zahlungsausfälle ihrer Kunden zu.

Beim Umsatz ist AGCS immer noch mehr als dreimal so groß wie Euler Hermes. Die Allianz hielt zwar schon seit vielen Jahren die Mehrheit an Euler Hermes, erst seit der Gesamtübernahme im Frühjahr 2018 hat der Konzern nun aber den kompletten Zugriff. „Es ist viel zu früh zu sagen, was dies konkret bedeuten wird, da es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, die wir in den kommenden Monaten prüfen werden“, hieß es offiziell aus dem Unternehmen.

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