Versicherer Allianz startet besser als gedacht ins Jahr

Der Münchener Versicherungskonzern steigert zum Jahresauftakt den Gewinn. Unternehmenschef Oliver Bäte sieht die Allianz zur Hauptversammlung auf Kurs, das selbstgesteckte Jahresziel zu erreichen.
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Trotz des Niedrigzinsumfelds ist der Münchener Versicherer mit einem überraschenden Gewinnplus ins laufende Jahr gestartet. Quelle: Reuters
Allianz-Chef Oliver Bäte

Trotz des Niedrigzinsumfelds ist der Münchener Versicherer mit einem überraschenden Gewinnplus ins laufende Jahr gestartet.

(Foto: Reuters)

MünchenAllianz-Chef Oliver Bäte hat ein klares Ziel: Er will Europas größten Versicherer in den kommenden Jahren auf mehr Gewinn trimmen. Im ersten Quartal dieses Jahres hat der Münchener Dax-Konzern, der sich bis 2018 eine jährliche Ergebnissteigerung um fünf Prozent auf die Fahnen geschrieben hat, auf diesem Weg weiter an Fahrt gewonnen. Trotz Niedrigzinsumfeld ist der Konzern mit einem überraschenden Gewinnplus ins laufende Jahr gestartet, wie das Unternehmen unmittelbar vor Beginn der Hauptversammlung am Mittwoch in München mitteilte. Analysten hatten mehrheitlich mit einem leichten Rückgang des Ergebnisses gerechnet.

Operativ hält der blaue Riese damit weiter Kurs. Im ersten Quartal legte der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,4 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich stand dagegen allerdings ein gesunkener Überschuss von 1,8 Milliarden Euro – ein Minus von 15,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Rückgang sei hauptsächlich auf einmalige Gewinne aus der Veräußerung von Finanzbeteiligungen vor einem Jahr zurückzuführen, betonte die Allianz. Der Umsatz legte im ersten Quartal um 2,5 Prozent auf 36,2 Milliarden Euro zu.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Vorstandschef Bäte, der am Mittwoch den Aktionären Rede und Antwort stehen wird, sieht das Unternehmen jedoch auf gutem Kurs, das selbstgesteckte Gewinnziel im laufenden Jahr zu erreichen. „Wir hatten einen guten Start in das Jahr 2017, und unsere Bilanz war wieder stark“, sagte der Vorstandschef in München. „Trotz der Marktvolatilität und niedriger Zinsen bestätigen wir unseren Ausblick und erwarten weiterhin ein operatives Ergebnis für das Gesamtjahr von 10,8 Milliarden Euro, plus oder minus 500 Millionen Euro, vorbehaltlich unvorhergesehener Ereignisse, Krisen oder Naturkatastrophen“, kündigte er an. Den vollständigen Quartalsbericht will die Allianz am 12. Mai veröffentlichen.

Aktionäre profitieren von steigender Dividende

Das Timing der Zahlen ist kein Zufall. An diesem Mittwoch wird der Konzernchef auf der Hauptversammlung des Versicherungskonzerns den Aktionären Rede und Antwort stehen und die Bilanz 2016 vorstellen. Die Zahlen für das abgelaufene Jahr können sich dabei durchaus sehen lassen: Unter dem Strich kletterte der Gewinn bei der Allianz 2016 trotz Niedrigzinsen um vier Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen mit einer Dividende von 7,60 Euro je Aktie, nach 7,30 Euro im Vorjahr von dem wirtschaftlichen Erfolg profitieren. Dennoch sorgt der massive Umbau, den Bäte dem Konzern verordnet hat, intern für Murren. Viele Hoffnungen ruhen deshalb auf Ex-Allianz-Chef Michael Diekmann, der neu in den Aufsichtsrat einrückt.

Nach zweijähriger vorgeschriebener Wartezeit wird der 62-jährige Vorgänger von Bäte ab dem 7. Mai den Chefsessel von Helmut Perlet im Aufsichtsrat übernehmen. Es ist eine Personalie mit Tragweite, die das Machtgefüge im Konzern neu justieren könnte. Der knorrige Westfale gilt vielen in der Allianz als Hoffnungsträger, der neue Ruhe in den Konzern bringen soll – denn intern folgt nicht jeder dem Weg seines Nachfolgers. Dass Diekmann im Kontrollgremium nicht nur eine Rolle als Beobachter spielen will, hat er diskret bereits klargemacht.
Kenner des Konzerns gehen davon aus, dass er künftig stärker als sein Vorgänger hinter den Kulissen mitregieren wird. „Ein neuer Vorstandschef wird bei der Allianz hinter den Kulissen oft eng vom Aufsichtsratschef geführt“, sagt ein Allianz-Kenner.

Doch eine Kehrtwende vom Reformkurs werde es auch mit ihm nicht geben, berichten Insider. Intern ist zu hören, dass er Bäte, den er systematisch zum Nachfolger aufgebaut hat, auf dem richtigen Weg sieht. Der neue Vorstandschef dürfte dies mit Erleichterung vernehmen: Für den Rheinländer im Chefsessel könnte der Rückhalt des Patriarchen eine wichtige Rückendeckung bedeuten.

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