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Versicherer Allianz verbündet sich mit Microsoft

Der US-Softwarekonzern beteiligt sich an einer Tochterfirma des Versicherers. Die Assekuranz will so zum führenden Software-Anbieter für das Geschäft mit dem Risiko werden.
Update: 14.11.2019 - 09:07 Uhr Kommentieren
Der Versicherer will den Quellcode seines Systems als Open-Source-Software offen legen – so können auch externe Entwickler zusätzliche Funktionen anbieten. Quelle: dpa
Allianz

Der Versicherer will den Quellcode seines Systems als Open-Source-Software offen legen – so können auch externe Entwickler zusätzliche Funktionen anbieten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Gut zwei Jahre nachdem die Münchner Allianz bekanntgegeben hat, den Kern der teuer entwickelten Software „Allianz Betriebssystem“ (ABS) für Dritte zu öffnen, hat der Konzern nun einen wichtigen Fortschritt erzielt.

Europas größter Versicherer schließt ein Bündnis mit dem US-Softwareanbieter Microsoft und wird wesentliche Teile der Software ABS anderen Unternehmen der Versicherungsbranche auf dessen Cloud-Servern anbieten. Darüber hinaus will die Allianz den Quellcode ihres Systems als Open-Source-Software offenlegen, um externen Entwicklern die Möglichkeit zu geben, neue Funktionen zu entwickeln und einzubauen. Das teilten beide Unternehmen diesen Donnerstag in München mit.

Die Allianz will sich mit Hilfe des Bündnisses zum führenden Software-Anbieter für das Geschäft mit dem Risiko entwickeln. Der Softwareriese Microsoft beteiligt sich im Gegenzug an der Allianz-Tochterunternehmen Syncier, welches das konzerneigene Allianz-Betriebssystem verwaltet. Der Konzern hat demnach zehn Prozent an dem Start-up erworben.

Der Dax-30-Konzern strebt zudem an, in weiteren Schritten zum Minderheitseigner zu werden, wie Vorstandsmitglied Christof Mascher in einem Interview mit Bloomberg sagte. „Derzeit befinden wir uns in fortgeschrittenen Gesprächen mit weiteren potenziellen Partnern, die einen Anteil an Syncier erwerben könnten“, sagte er. Dabei handele es sich unter anderem um Unternehmen aus dem Technologie-Bereich. Zu den Konditionen äußerte sich Mascher nicht.

Hinter der Reduzierung der eigenen Anteile steht das Kalkül, dass andere Versicherer leichter als Syncier-Kunden gewonnen werden können, wenn der Einfluss der Allianz sinkt. „Unsere bevorzugte strategische Option ist es, die Mehrheit der Geschäftsanteile von Syncier abzugeben“, sagte Mascher. „Damit würde Syncier unabhängiger von der Allianz und interessanter für andere Versicherungsunternehmen werden.“ Die Pläne für ein offenes Betriebssystem gewinnen damit beim Münchener Versicherer weiter an Fahrt.

Die Amerikaner zählen bei der Entwicklung von Cloud-Diensten zu den führenden Unternehmen, wovon die Allianz bei der Weiterentwicklung ihres Systems profitieren könnte. Der Umsatz aus den Bereichen Cloud Services und Server bei Microsoft stieg im letzten Quartal um 30 Prozent an. Allein Microsofts Cloud-Computing-Plattform Azure konnte ihren Umsatz um 59 Prozent steigern.

Die Allianz bietet das ABS-System inzwischen als Open-Source-Lösung anderen Unternehmen kostenfrei an und hat mit dem Versicherer Frankfurter Leben bereits einen Kunden gefunden, der das Betriebssystem ebenfalls nutzt.

Kundendaten unter Verschluss

Der Versicherer verwaltet über das System allein mehr als 42 Millionen Verträge, korrespondierende Kunden- und Partnerdaten, sowie Schäden und Leistungen. Nicht teilen will die Allianz allerdings ihre Kundendaten: „Wir können beim Datenschutz keine Kompromisse eingehen“, sagte Allianz-Vorstandsmitglied Christof Mascher. „Das ist für uns eine nicht verhandelbare Vorbedingung.“ Auch die Allianz-Policen werden nicht zum Kopieren freigegeben.

Die IT-Technik gilt bei vielen Versicherern als Achillesverse, da die Technik teilweise veraltet ist und es immer wieder zu Ausfällen der Systeme kommt. Probleme, mit denen auch die Allianz gelegentlich zu kämpfen hat. Einmal klagten Kunden der privaten Krankenversicherung über mangelnde Erreichbarkeit durch den Ausfall der Systeme, vor rund einem Jahr ging dann bei den rund 8000 Vertretern im Land tagelang gar nichts durch eine fehlerhafte IT.

Zuletzt war in der Vertreterschaft erneut von Problemen bei der Privaten Krankenversicherung die Rede. Allianz-Chef Oliver Bäte macht mittlerweile aus seiner Verärgerung kein Geheimnis mehr. „Unsere IT lief zuletzt vereinzelt holprig, das müssen wir verbessern“, sagte er zuletzt ungewöhnlich schmallippig.

Mit Microsoft holen die Münchener dabei nun einen erfahrenen Partner für Softwarelösungen an ihre Seite. Plattformlösungen spielen auch in anderen Branchen eine immer größere Rolle. So vereinbarte auch die Deutsche Börse im Mai dieses Jahres bereits eine umfangreiche Cloud-Kooperation mit Microsoft und schloss im September zudem eine umfangreiche Cloud-Kooperation mit Google.

„Wir sehen auch in anderen Industrien den Trend zu offenen Plattformen“, sagte Jean-Philippe Courtois, Vizepräsident und Leiter des weltweiten Vertriebs bei Microsoft. „Wir als Microsoft glauben an diese Industrie-Ökosysteme.“

Mehr: Bei der Allianz-Tochter AGCS gibt es einen Chefwechsel. Deutschland-Vorstand Joachim Müller rückt laut Branchenkreisen an die Spitze.

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