Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Oliver Bäte

Der Allianz-Chef hat einen Aktienrückkaufprogramm angekündigt.

(Foto: AFP)

Versicherer Allianz will Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro zurückkaufen

Europas größter Versicherer kündigt unmittelbar vor den Jahreszahlen einen neuen Mega-Rückkauf eigener Aktien an. Anleger hatten auf diesen Schritt seit Längerem gewartet.
Kommentieren

FrankfurtOliver Bäte hatte sich bis zuletzt nicht festlegen wollen. „Wir werden Ihnen Geld zurückgeben, wenn wir es nicht ausgeben können“, sagte der Allianz-Chef noch Ende November auf dem „Capital Day“ zu den Investoren zum Thema Aktienrückkauf. „Aber wir sind kein Geldautomat.“

Gut zwei Monate später hat sich Europas größter Versicherer nun zu einer Entscheidung durchgerungen. Wenige Stunden vor der Vorlage der vorläufigen Jahreszahlen kündigte Europas größte Assekuranz am Donnerstagabend nachbörslich an, dass der Konzern abermals ein großes Aktienrückkaufprogramm auflegt. Das Papier des Versicherers erholte sich nach Handelsschluss auf außerbörslichen Handelsplattformen leicht.

Analysten hatten angesichts der dicken Kapitaldecke des Konzerns schon länger auf einen solchen Schritt spekuliert. Und auch die Anleger hofften auf das Programm angesichts des leicht sinkenden Aktienkurses des Dax-Schwergewichts. Der Grund: Das Programm beschert den Aktionären einen Geldregen.

Der blaue Riese öffnet nunmehr zum vierten Mal sein Füllhorn – und gibt so indirekt Geld an seine Aktionäre zurück. Starten soll das neue Rückkaufprogramm am 1. März dieses Jahres. Bis Dezember will der Dax-Konzern dann eigene Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro zurückkaufen, wie das Unternehmen mitteilte.

Die erworbenen Papiere will die Allianz einziehen, sodass sich die Zahl der Aktien am Markt verringert. Dadurch soll der Wert der verbleibenden Papiere steigen. Über Dividenden und Aktienrückkäufe schüttete die Allianz in den vergangenen zwei Jahren den Mittelzufluss fast komplett aus, nachdem Bäte die Hoffnungen auf große Zukäufe gedämpft hatte.

Die Allianz hatte Anfang 2017 erstmals ein Aktienrückkaufprogramm gestartet. Anlass war ein Versprechen von Bätes Vorgänger Michael Diekmann gewesen, überschüssiges Kapital regelmäßig an die Investoren auszuschütten.

So hatte Diekmann Ende 2014 angekündigt, das jährlich für Zukäufe zurückgelegte Geld alle drei Jahre auszukehren – ein Beschluss, den die Allianz zwar 2017 für die Zukunft wieder einkassierte, dennoch liefert sie seitdem regelmäßig. So erklärte die Allianz, überschüssiges Kapital künftig flexibel an die Aktionäre zurückzugeben.

Erst im September 2018 hatte der Versicherer den vorangegangenen Aktienrückkauf über eine Milliarde Euro abgeschlossen. Zuvor hatte die Allianz bereits von Anfang 2018 bis zum Monat Mai für zwei Milliarden Euro eigene Papiere zurückgekauft. Insgesamt wurden durch Aktienrückkäufe bisher rund sechs Milliarden Euro ausgeschüttet.

Aktienrückkäufe derzeit weltweit beliebt

Aktienrückkäufe liegen derzeit bei vielen großen Konzernen im Trend. So kauften allein in den USA im vergangenen Jahr die 3.000 größten börsennotierten Unternehmen für eine Billion Dollar eigene Aktien zurück – was eine neue Rekordmarke ist.

Auch deutsche Konzerne folgten diesem Beispiel. Im abgelaufenen Jahr kauften sie für 8,6 Milliarden Euro eigene Aktien zurück. Das war so viel wie zuletzt vor der Finanzkrise.

Und der Trend setzt sich fort: Der Gasehersteller Linde, gerade mit dem US-Wettbewerber Praxair fusioniert, hat erst vor Kurzem ein Rückkaufprogramm über die Rekordsumme von sechs Milliarden Dollar beschlossen, um die Investoren an einem Teil der freien Mittel teilhaben zu lassen.

Auch die Allianz verfügt über stattliche Kapitalreserven. Die Solvency-Quote des Konzerns, die ein Gradmesser für die finanzielle Stabilität der Versicherer ist, lag im dritten Quartal des abgelaufenen Jahres bei 229 Prozent – und war damit mehr als zweimal so hoch wie von den Aufsehern vorgeschrieben.

Überlegungen für eine größere Übernahme scheinen jedoch bei der Allianz mit dem Rückkauf in weite Ferne zu rücken. So signalisiert der neue Aktienrückkauf indirekt auch, dass die Allianz noch kein interessantes Übernahmeziel gefunden hat.

Konzernchef Bäte hatte erklärt, in der Sachversicherung zukaufen zu wollen. Allerdings seien die Preise für Unternehmen zu hoch. Im vergangenen Mai hatte Bäte in einem Interview angedeutet, dass er sich eine Megafusion mit einem großen Wettbewerber vorstellen könne. Doch seitdem wurde die Tonlage im Konzern bei diesem Thema deutlich defensiver.

Finanzchef Giulio Terzariol sprach sich im vergangenen August zwar nicht gegen Akquisitionen aus, sagte aber zugleich: „Ich bin fest überzeugt, dass wir Wert schaffen können ohne M&A.“ Es ist eine Haltung, an der sich in der Allianz-Zentrale seitdem offensichtlich nichts grundlegend geändert hat.

Europas größter Versicherungskonzern legt an diesem Freitag seine vorläufigen Jahreszahlen für 2018 vor. Analysten erwarten im Schnitt einen kräftigen Sprung des Nettogewinns um mehr als zehn Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, obwohl es im vergangenen Jahr wieder viele teure Großschäden gab.

Bäte hat seinen etwa 140.000 Mitarbeitern rund um den Globus Vereinfachung verordnet. Das soll einerseits Kosten sparen und andererseits für die Kundschaft eine Versicherung bei der Allianz attraktiver machen als bei der Konkurrenz. Noch in diesem Jahr soll in Deutschland und drei weiteren europäischen Ländern ein neuer Online-Versicherer an den Markt gehen, die Allianz Direct.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Versicherer - Allianz will Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro zurückkaufen

0 Kommentare zu "Versicherer: Allianz will Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro zurückkaufen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.