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Versicherer Allianz will mit neuem Online-Versicherer Europa aufmischen

Der Branchenriese versucht, die digitale Kundschaft stärker zu umgarnen. Die Hoffnungen sind beträchtlich. Doch mancher Konkurrent hat in Deutschland großen Vorsprung.
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Allianz will mit neuem Online-Versicherer Europa aufmischen Quelle: imago/Schöning
Die Allianz in Berlin an den Treptowers am Abend

Der Konzern kommt spät mit seinem neuen Angebot eines Direktversicherers.

(Foto: imago/Schöning)

München Öffentlich vernehmbar war der Startschuss nicht. Keine klassische, große Medienkampagne hat den kürzlich erfolgten Start des neuen Allianz-Direktversicherers Allianz Direct begleitet.

Stattdessen verkündete der Münchener Dax-Konzern die Premiere vor allem auf Social Media und Youtube per schrägem Werbevideo von rund 30 Sekunden, in dem ein alter Friseur und seine hippe Kundin zu Musik aus einem Transistorradio tanzen und ein Sprecher aus dem Funk lapidar mitteilt, dass aus der Allianz-Tochter Allsecur nun Allianz Direct geworden ist.

Fast still und leise hat Europas größter Versicherer so seinen neuen europaweiten Online-Versicherer kurz vor dem Wechselstichtag am 30. November im Kfz-Markt eingeführt. Doch die Hoffnungen, die auf der neuen Tochter ruhen, sind beträchtlich.

So verfolgt die Allianz mit ihrer neuen Online-Version große Pläne. Anders als die bisherigen nationalen Online-Tochtergesellschaften des Konzerns ist die Allianz Direct eine internationale Unternehmung: Nach Deutschland und den Niederlanden sollen 2020 Italien und Spanien folgen, wie eine Sprecherin sagte. Die Größe soll Kostenvorteile verschaffen, weil die angebotenen Policen in allen Ländern weitgehend identisch sein sollen - damit entfällt der Aufwand, für jedes Land eigene Kfz-Tarife zu entwickeln.

„Hier wollen wir etwas erreichen, was wir noch nie erreicht haben, und etwas ganz Großes schaffen“, wiederholte erst jüngst Finanzvorstand Giulio Terzariol. So will der Konzern mit Allianz Direct, in den die Allianz-Tochter Allsecur aufgegangen ist, stärker von den Größeneffekten des Konzerns profitieren.

Bisher galt der Grundsatz, dass Versicherungsmärkte regional zu unterschiedlich sind, als dass man Kunden länderübergreifend mit einem identischen Produkt gewinnen könnte. Allianz-Chef Oliver Bäte ist jedoch überzeugt, dass das nicht für alle Arten von Policen gilt.

Huk-Coburg liegt vorn

Doch die Münchener gehen auf dem Heimatmarkt spät ins Rennen um die digitale Kundschaft. Mancher Konkurrent hat noch einen deutlichen Vorsprung. Wettbewerber wie die italienische Generali mit dem deutschen Online-Ableger Cosmos Direkt oder die deutsche Nummer eins bei Kfz-Policen, Huk-Coburg, mit ihrem Onlineableger Huk24 bringen es im Netz auf deutlich mehr Kunden.

Gut 1,9 Millionen Kunden hatte die in Saarbrücken ansässige Cosmos Direkt zuletzt, bei der Huk24 sind es sogar mehr als zwei Millionen. Ein großer Teil davon stammt aus dem Kfz-Bereich. Die Allianz Direct startet in Deutschland dagegen mit den 750.000 Kunden der bisherigen Allsecur - der Abstand zu den Marktführern ist damit offensichtlich.

Für die ungewohnte Position unterhalb der Spitze gibt es Gründe. Denn die Allianz tat sich lange schwer mit einem Onlineanbieter unter dem eigenen Markennamen. So starteten die Münchener zwar schon im Jahr 2005 die Online-Marke Allianz24.

Diese stellte sie jedoch vier Jahre später wegen teils massiven Widerstands des mächtigen stationären Vertriebs wieder ein. Die Vertreter fürchteten um ihr Geschäft, wenn ein Teil der Kunden-Verträge künftig im Internet abschließt und verwaltet.

Im Jahr 2010 startete dann Allsecur als Online-Marke im Konzern. Diese Tochter baute ihr Angebot über die Jahre deutlich aus, der Erfolg blieb jedoch überschaubar. Auch weil die Vorbehalte in Teilen des Hauses gegenüber einem Online-Kanal noch immer groß waren.

Nun hat die Allianz aus den alten Fehlern gelernt. Für den neuen Online-Versicherer wählten die Münchener gleich einen internationalen Ansatz. Nach dem Start im Herbst in Deutschland und den Niederlanden sollen Italien und Spanien folgen. Dabei ist längst nicht klar, ob alle Kunden künftig nur noch online ihre Versicherungsgeschäfte erledigen wollen.

Ein persönliches Angebot und auch der Abschluss einer Police sind zwar inzwischen bei allen Versicherern auf deren Website möglich. Nennenswerte Abschlüsse verzeichnen aber lediglich die großen Namen der Branche über die eigene Seite.

Die Macht der Vergleichsportale

Denn zur heimlichen Macht im Netz haben sich inzwischen die Vergleichsportale entwickelt. Unumstrittener Marktführer ist dabei die Münchener Check24. Gesellschaften wie Axa, DEVK oder der HDI sind dort sogar offizielle Partner.

„Wir haben uns klar gegen einen reinen Online-Versicherer entschieden, ein Großteil des Geschäfts im Netz kommt bei uns von Vergleichsportalen, vor allem von Check24“, betont Wolfgang Hanssmann, der Vertriebsvorstand von HDI Deutschland.

„Das ist ein anspruchsvolles Geschäft, aber wir verdienen damit Geld.“ Wichtig sei es für den Erfolg beim Kunden allerdings, dass man einen guten Preis biete und mit einer starken Marke unter den Top 5 bis Top 8 stehe.

Vielen Versicherern unterhalb der Kfz-Marktführer Huk-Coburg und Allianz haben keine andere Wahl, als den Vertriebsweg über die Vergleichsportale zu wählen. Geht die Tendenz der Kunden doch eindeutig dorthin. So fanden in Deutschland im vergangenen Jahr rund 36 Prozent der Online-Abschlüsse über Vergleichsportale statt. Das haben die Berater von McKinsey herausgefunden.

Im europäischen Vergleich war es sogar fast jeder zweite Abschluss. „Die Auswirkungen für die Versicherer sind signifikant“, werten die Autoren diesen Trend. Dennoch verbindet die meisten Assekuranzen eine Hassliebe mit den Vergleichsportalen. Denn sie bringen nicht nur Kunden. Sie fordern auch stattliche Vermittlungsgebühren.

Die Branchengrößen machen deshalb inzwischen einen Bogen um Adressen wie Check24. Bekanntestes Beispiel dafür ist Huk-Coburg. Der Konzern hat schon vor mehr als zwei Jahren die Vergleichsplattform Check24 verlassen, auf der er bis dahin mit seinem Online-Angebot Huk24 vertreten war.

Als zu teuer kritisierte Vorstandschef Klaus-Jürgen Heitmann damals die Vermittlungsprovisionen, die an das Portal pro Abschluss gezahlt werden mussten. In der Branche sorgte das für gewaltiges Aufsehen. Durchaus nicht ohne Risiko sei dieser Schritt gewesen, sagte Heitmann später.

Im Nachhinein aber ein Erfolg. Die Kunden finden dank der Marktmacht der Franken die Seite von Huk24 auch ohne Vergleichsportal.

Aber nicht nur die Vergleichsportale ändern die Spielregeln im Netz. Die Konkurrenz kommt mittlerweile auch noch aus einer ganz anderen Richtung.

Junge Angreifer aus der Insurtech-Szene halten sich mit persönlicher Beratung kaum mehr auf und werben gezielt um die digitalaffine Kundschaft. Bei Firmen wie Getsafe, Wefox, Emil oder Ottonova läuft vom Antrag bis zur Schadensregulierung so gut wie alles über das Smartphone oder einen anderen elektronischen Kanal. Ihr Erfolg ist zwar im Moment noch keine echte Konkurrenz für die etablierten Namen.

Was sich hier in einigen Jahren ergeben könnte, ist jedoch erkennbar. Bei der Heidelberger Getsafe, die seit geraumer Zeit mit dem Rückversicherer Munich Re verbunden ist, bedient man bewusst das für junge Menschen nötige Grundpaket an Sachversicherungen um Fahrrad, Hausrat und Haftpflicht.

Mit zunehmendem Alter sowie wachsenden Ansprüchen und Einkommen soll die Kundenbindung steigen. Bis dahin will man bei Getsafe auch mit weiteren Angeboten soweit sein.

Herausforderung Künstliche Intelligenz

Noch größer ist für deutsche Versicherer der Druck aus dem Ausland. Für Insurtechs wie dem US-Startup Lemonade oder den chinesischen Versicherungsgiganten Ping An spielt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, beispielsweise in der Gesichtserkennung, schon heute eine große Rolle. Hier stecken die heimischen Versicherer – wenn überhaupt - noch in der Frühphase.

Das gilt erst recht, sollte ein forschungsstarker Technologieriese wie Amazon tatsächlich ins Versicherungsgeschäft einsteigen. Die Berater von Cap Gemini haben herausgefunden, dass fast 30 Prozent der Kunden bei einem Unternehmen wie Google oder Amazon auch eine Versicherung kaufen würden.

Dabei gilt: je jünger die Befragten, desto höher die Affinität. Spannend wird künftig auch sein, ob Amazons Sprachdienst Alexa womöglich in der Stimme auch gleich Atemwegserkrankungen oder psychische Krankheiten erkennen kann.

Bis es soweit ist, wird noch einige Zeit vergehen. Für die Branche steht nunmehr erst einmal die jährliche Preisschlacht um die Autofahrer an.

Bis Ende November können die ihre alte Police kündigen, um ab dem neuen Jahr zu einem anderen Versicherer zu wechseln. Die Allianz hat sich sicherheitshalber schon mal auf beiden Seiten des Vertriebs positioniert und stellt auch ihr traditionelles Angebot ins Schaufenster.

„Günstiger als du denkst“, heißt es da in Konkurrenz zur neuen Online-Versicherung. Viele Kunden dürfte das freuen. Wer bis Jahresende zu einem anderen Versicherer wechselt, hat gute Chancen, einen günstigeren Tarif zu finden.

Die großen Online-Makler Check24 und Verivox erwarten für die kommenden Wochen sinkende Preise beim Abschluss von Neuverträgen.

Mehr: Wer heute eine Police abschließen möchte, lässt oft keinen Berater mehr ins Haus. Versicherer rüsten sich für die Vorteile digitaler Dienste.

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