Versicherer Arbeitnehmer greifen Ergo-Führung an

Es rumort am Rhein: Die Düsseldorfer Versicherung hat zahlreiche Angebote für Ergo Leben und Victoria Leben eingesammelt, doch der Haussegen hängt schief: Gewerkschafter kritisieren das Management massiv.
Update: 09.11.2017 - 08:38 Uhr Kommentieren
Es droht Ärger. Quelle: dpa
Versicherer Ergo

Es droht Ärger.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Versicherungsriese Ergo steht vor einer beispiellosen Entscheidung: Das Unternehmen überlegt, sich von seinem wenig lukrativen Geschäft mit Lebensversicherungen zu trennen. Sechs Millionen Policen der Ergo Leben und Victoria Leben könnten auf einen Schlag den Besitzer wechseln – es wäre der größte Verkauf eines Bestandes, den es bisher in Deutschland gegeben hätte. Bei vielen Spezialabwicklern und einigen Finanzinvestoren weckt diese Aussicht bereits großes Interesse. Bei großen Teilen der Ergo-Belegschaft schürt es aber ein anderes Gefühl: Unmut.

Rund 5000 Unterschriften haben Mitarbeiter bereits in wenigen Wochen mit einer Online-Petition gegen den möglichen Verkauf innerhalb weniger Wochen eingesammelt, wie das Handelsblatt erfuhr. Vor einer am Donnerstag einberufenen Betriebsräteversammlung am Hauptsitz Düsseldorf ist die Stimmung angespannt. Erneut kritisieren führende Arbeitnehmervertreter das Management massiv wegen der Pläne.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Für Ergo-Boss Markus Rieß könnte die erwogene Veräußerung von bis zu sechs Millionen Policen damit zur Kraftprobe werden. Rieß, der derzeit auch als Kandidat für den Chefposten der Deutschen Börse gehandelt wird, hatte sich vor gut einem Jahr eigentlich entschieden, die Bestände selbst abzuwickeln. Ende September kündigte das Unternehmen jedoch an, mit einem Verkauf der beiden Töchter Ergo Leben, der früheren Hamburg-Mannheimer, und der Victoria zu liebäugeln.
Rund sechs Millionen Policen mit teils hohen Zinsgarantien haben die beiden Anbieter, die bis heute hohe Kapitalreserven binden. Inzwischen habe der Run-off-Markt aber an Fahrt gewonnen, hatte Rieß damals als Begründung dem Handelsblatt gesagt. Es gebe aber noch keine Entscheidung, ob der Konzern sich tatsächlich von den Lebensversicherungen trennen wolle.

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