Versicherer Axa will teure Unfallversicherungen loswerden – 17.500 Verträge gekündigt

Der Versicherer Axa hat bei bestimmten Unfallpolicen neu kalkuliert – und Tausende Verträge gekündigt. Verbraucherschützer sind alarmiert.
Kommentieren
Leistungsversprechen bei bestimmten Unfallpolicen seien nicht mehr aufrechtzuerhalten. Quelle: dpa
Axa-Logo

Leistungsversprechen bei bestimmten Unfallpolicen seien nicht mehr aufrechtzuerhalten.

(Foto: dpa)

FrankfurtAuch Versicherer versuchen offenbar, Kunden aus teuren Verträgen hinauszudrängen. Bekannt ist dieses Gebaren bisher von Bausparkassen und Sparkassen, die hochverzinste Verträge gekündigt hatten. Der Fall der Axa sieht etwas anders aus: Hier geht es nicht um hohe Zinsen auf Sparverträge, sondern um eine Unfallversicherung, aus der Versicherte einen Anspruch auf eine lebenslange Rentenzahlung haben.

Diese Finanzierung ist der Axa offenbar zu kostspielig, sie hat 17.500 Versicherten gekündigt. Verbraucherschützer fürchten, dass andere Anbieter nachziehen könnten und fordern Versicherer auf, auf ihr Kündigungsrecht zu verzichten. Für Verbraucher ist das keine gute Nachricht.

Die Gefahr besteht, dass das zum Trend wird“, regt sich Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, auf. Generell dürfen Unfallversicherungen von beiden Seiten gekündigt werden. Bisher hätten Anbieter dies aber selten getan, mit dem Argument der Niedrigzinsen sogar noch nie, sagt Grieble: „Damit gibt die Axa zu, sich in diesem Tarif verkalkuliert zu haben“ – was kein gutes Licht auf die Branche werfe.

Konkret geht es um das Produkt Unfall-Kombirente, eine Art abgespeckte Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit Recht auf eine lebenslange Rente im Schadensfall. Diese Versicherung wurde zwischen 2006 und 2010 verkauft. Der Versicherer hat nun gut 17.500 Verträge gekündigt, die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete zuerst darüber. Axa begründet diesen Schritt gegenüber betroffenen Kunden damit, dass die Kosten des Produkts für sie selbst aufgrund des medizinischen Fortschritts von Jahr zu Jahr erheblich gestiegen seien – hinzu kämen die niedrigen Zinsen: Daher könne man das „Leistungsversprechen in diesem Tarif nicht mehr aufrechterhalten“.

Axa hat nach eigener Aussage allerdings nicht alle Verträge des Produkts gekündigt. Ausgenommen seien etwa Versicherte, die 2017 mindestens 58 Jahre alt waren; ebenso, wer eine Unfallrente beziehe. Außerdem bietet die Axa Versicherten ein anderes Produkt an, das aber teurer sein soll.

Versicherten rät Verbraucherschützer Grieble zu prüfen, ob sie eine Police mit oder ohne Kündigungsrecht besitzen. Klassische BUs etwa sind nicht ordentlich kündbar. Außerdem hätten die Versicherten vor Vertragsabschluss auf das Kündigungsrecht hingewiesen werden müssen. Betroffene sollten nach einem Anbieter schauen, der auf sein Kündigungsrecht verzichtet. Dazu fordert Grieble Versicherer in wichtigen Sparten wie der Unfallversicherung generell auf – das poliere auch deren Image auf.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Versicherer - Axa will teure Unfallversicherungen loswerden – 17.500 Verträge gekündigt

0 Kommentare zu "Versicherer: Axa will teure Unfallversicherungen loswerden – 17.500 Verträge gekündigt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%