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Schwere Maschine in einem Rohbau

Die Industrieversicherer-Sparte der Allianz gab 2018 unterm Strich mehr aus als sie einnimmt.

(Foto: Moment/Getty Images)

Versicherer Das sind die Gründe für die geplatzte Allianz-Fusion

Die Allianz erteilt einer Fusion ihrer Großkundensparte AGCS mit dem Kreditversicherer Euler Hermes eine Absage. Schuld ist der Abschwung der Weltwirtschaft.
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MünchenEs ist ein Machtwort, das in freundliche Worte gekleidet war. „Sie können davon ausgehen, dass wir keine Fusion haben werden“, antwortete Allianz-Finanzchef Giulio Terzariol vor wenigen Tagen bei einer Telefonkonferenz auf hartnäckige Fragen nach der gemeinsamen Zukunft des zur Allianz gehörenden Kreditversicherers Euler Hermes und der Industriesparte der Münchener.

Monatelang hatte der Dax-30-Konzern Pläne für ein Zusammenrücken des weltweit größten Kreditversicherers mit der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) geprüft. Zusammen wäre eine Geschäftseinheit mit rund 10.000 Mitarbeitern entstanden, die massiv Kapital freigesetzt hätte.

Doch die sich eintrübende Weltwirtschaft machte den Münchenern offensichtlich einen Strich durch die Rechnung, wie der AGCS-Boss Chris Fischer Hirs nun erstmals im Gespräch mit dem Handelsblatt andeutet. „Wir müssen abwägen, welche Prioritäten wir derzeit setzen wollen“, sagte der Manager dem Handelsblatt nach dem Diktum von Terzariol.

„Zusammen mit dem Vorstand der Allianz SE haben wir daher entschieden, die gemeinsame Projektarbeit auszusetzen und uns auf die unmittelbaren geschäftlichen Herausforderungen und Chancen beider Unternehmen zu konzentrieren.“ Spätere Hochzeit ausgeschlossen.

Überlegungen für eine Fusion der beiden Einheiten, über die in der Branche seit Monaten spekuliert worden war, sind damit vom Tisch. Eine Vereinigung der beiden Sparten, die in unterschiedlichen Geschäftsfeldern unterwegs sind, hätte zwar zu deutlichen Kosteneinsparungen geführt, weil aus zwei Personalabteilungen eine hätte werden können und aus zwei Vorstandsgremien nur noch eine Führungsrunde.

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Aber offensichtlich schätzte das Topmanagement um Konzernchef Oliver Bäte die Risiken eines solchen drastischen Schritts momentan einfach als zu hoch ein. „Wir sehen eine ganze „Lastwagenladung“ an Unsicherheiten in Weltpolitik und Weltwirtschaft“, hatte Bäte erst noch vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung vor den Anlegern ausgerufen. „Wir bleiben also vorsichtig.“

Eine Vorsicht, die nun auch einer der Gründe dafür ist, warum die Allianz einer internen Fusion von Euler Hermes mit der Großkundensparte AGCS eine Absage erteilt. „Unser Ziel bei der AGCS ist es, in diesem Jahr im Versicherungsgeschäft wieder profitabel zu werden. Um für Euler Hermes zu sprechen: Unsere Schwestergesellschaft wird sich zunehmend mit den Auswirkungen eines Abschwungs der Weltwirtschaft konfrontiert sehen, den eine Reihe von Ökonomen vorhersagt“, nennt Fischer Hirs nun als neue wichtigste Aufgaben.

„Diese Herausforderungen stehen jetzt im Fokus für beide Gesellschaften.“ Stattdessen setzen die Münchener lieber auf eine kleinere, aber leichter zu realisierende Lösung. „Es gibt Kapitalsynergien, die wir heben können“, kündigte der Italiener Terzariol bereits an. Die sei auch ohne einen vollständigen Zusammenschluss der beiden Gesellschaften möglich.

Mehr Kooperation im Vertrieb

Doch was heißt das konkret? Fischer Hirs lässt sich zumindest ein wenig in die Karten schauen. „Es gibt Möglichkeiten der Kapitaloptimierung im Bereich der Rückversicherung für Euler Hermes“, führt er aus. Für AGCS gehe es dagegen in erster Linie um eine engere Zusammenarbeit bei den Produkten und im Vertrieb. „Bei der Vertrauensschadenversicherung oder auch bei technischen Versicherungen können wir sicher die jeweiligen Stärken noch besser gemeinsam nutzen und Cross-Selling-Möglichkeiten ausbauen“, kündigt er an.

Bisher sind die beiden Unternehmen auf unterschiedlichen Feldern unterwegs. Die AGCS versichert Unternehmen gegen Verluste durch Feuer, Stürme oder Schiffsuntergänge sowie gegen Schäden, die sie anderen zufügen. Das kann durch fehlerhafte Produkte oder durch Umweltschäden passieren.

Euler Hermes ist dagegen mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz der weltweit größte Kreditversicherer und schützt Unternehmen davor, dass ihr Kunde zwischen Erhalt einer Lieferung und Bezahlung in die Insolvenz rutscht. Nebenbei verwaltet das Unternehmen für die Bundesrepublik die staatliche Exportversicherung Hermesdeckung, ohne hier selbst Risiken zu übernehmen.

Die Allianz hatte die Pariser Euler Hermes, die auch die deutschen Exportbürgschaften (Hermesbürgschaften) abwickelt, erst im vergangenen Jahr komplett von der Börse genommen. Die AGCS ist mit 8,2 Milliarden Euro Umsatz zwar deutlich größer als Euler Hermes, verdiente aber mit einer Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent – wie viele andere Wettbewerber – in den vergangenen Jahren im Versicherungsgeschäft kein Geld.

Im ersten Quartal zählte die Sparte allerdings mit einem Umsatzplus von 16 Prozent zu den Wachstumstreibern in der Sachversicherung. Finanzchef Terzariol nannte die Entwicklung der AGCS noch vor einigen Monaten allerdings nichts weniger als eine „einzige kleine Enttäuschung“. Schon seit Anfang des Jahres wird daher eine engere Zusammenarbeit von Euler Hermes und AGCS geprüft. „Da kann man noch einiges heben“, sagte Bäte bereits im Februar zu den Plänen.

Der Allianz-Vorstand um Bäte will in den kommenden Jahren Europas größten Versicherer deutlich profitabler als bisher machen. Dazu will der Vorstand mehr Versicherungsangebote zentral für viele Länder entwickeln lassen und so Kosten und Komplexität verringern. Zudem startet der Konzern mit Allianz Direct einen europäischen Direktversicherer, der noch Ende 2019 in Deutschland und weiteren Ländern eine digitale Kfz-Versicherung anbieten soll.

Mit einem neuen Mehrjahresplan unter dem Credo „Simplicity wins“ schwor der Vorstand im vergangenen November den Dax-30-Konzern auf neue Unternehmensziele ein. Vorstandschef Bäte machte den weltweit 140 000 Beschäftigten dabei klare Vorgaben: „Das Ziel aller Bereiche der Allianz muss sein, die Besten im Markt zu schlagen“, sagte er. Ein Ziel ist höhere Profitabilität: Der Gewinn pro Aktie soll in den Jahren von 2019 bis 2021 um jeweils über fünf Prozent steigen, davon über vier Prozent organisch – also ohne Zukäufe anderer Unternehmen.

Industrieversicherer unter Druck

Der Versicherer strebt für das laufende Jahr ein operatives Ergebnis von elf bis zwölf (2018: 11,5) Milliarden Euro an. Die Experten erwarten sogar einen Gewinn nahe dem oberen Ende der Spanne. Am stärksten kam die Allianz im ersten Quartal dieses Jahres dabei in der Schaden- und Unfall-Sparte voran.

Nur das Geschäft mit Großkunden sorgte bei dem Versicherungskonzern in den vergangenen Monaten für Kopfschmerzen. Im Jahr 2018 kam die AGCS auf eine Schaden-Kosten-Quote von 102 Prozent, ein Jahr davor waren es sogar 105 Prozent. Konkret bedeutet dies, dass die Sparte unter dem Strich versicherungstechnisch mehr Geld ausgibt als sie einnimmt – ein Umstand, den die Allianz gerne rasch ändern würde.

AGCS ist mit ihren Problemen allerdings nicht allein. Branchenweit steht die Industrieversicherung in Deutschland unter Druck. Neben dem starken Wettbewerb begründet Talanx-Boss Torsten Leue das damit, dass insbesondere die deutsche Industrie inzwischen mit ihren weltweiten Lieferketten vernetzter sei denn je – weshalb Betriebsunterbrechungen größere Schäden als früher verursachten.

So verdient die Sparte auch bei vielen anderen deutschen Assekuranzen derzeit kein Geld: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft spricht von einer Kosten-Schaden-Quote von 129 Prozent, was bedeutet, dass die Versicherer mehr Geld für Schäden ausgeben als sie an Beiträgen einnehmen.

Deutschlands Marktführer, die zu Talanx gehörende HDI Global, hat deshalb in den vergangenen Monaten teilweise schneller als erwartet deutliche Preiserhöhungen durchgesetzt – oder sich von unattraktivem Geschäft getrennt. Ein Vorgehen, das offensichtlich Spuren bei den Tarifen für die Policen hinterlässt.

So sprach auch der französische Wettbewerber Axa von steigenden Preisen in der Industrieversicherung und legte im ersten Quartal dieses Jahres deutlich zu. „Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis gezahlte Prämie und versichertes Risiko wieder in einem angemessenen Verhältnis stehen werden“, glaubt Fischer Hirs.

Doch der Spartenchef sieht eine Wende im Großkundengeschäft der Allianz in greifbarer Nähe. Die AGCS arbeite mit unterschiedlichen Maßnahmen und mit voller Kraft an dem Ziel, „in diesem Jahr im Versicherungsgeschäft wieder profitabel zu werden“, bekräftigt der Vorstandschef der Allianz-Sparte.

Vor allem in den USA tut sich die AGCS schwer damit, die Altlasten der aufgelösten Allianz-US-Übernahme Fireman‘s Fund zu bereinigen. Doch auch da sieht sich Fischer Hirs auf gutem Weg. Seine unmissverständliche Prognose: „Wir sind der Meinung, dass wir den Break-even in Nordamerika in diesem Jahr erreichen können, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse wie große Naturkatastrophen dazwischenkommen.“ Es sind Worte, die Finanzchef Terzariol sicher nicht ungern hören wird.

Mehr: Die Allianz-Töchter AGCS und Euler Hermes müssen nicht zwangsläufig fusionieren. Chef Oliver Bäte wählt den leichteren Weg, meint Handelsblatt-Autor Christian Schnell.

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