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Versicherer Deutsche Versicherungen sind nur halbherzig nachhaltig

Bei einer Studie zur Nachhaltigkeit schneiden deutsche Versicherer schlecht ab. Drei Firmen liegen vorne, doch der überwiegende Teil offenbart Schwächen.
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Deutsche Versicherungen sind nur halbherzig nachhaltig  Quelle: AP
Proteste fegen den Klimawandel

Wenn Versicherer langfristig attraktiv bleiben wollen, müssen sie mehr in Nachhaltigkeit investieren.

(Foto: AP)

Frankfurt Das Bekenntnis war klar und deutlich. „Ab sofort verzichtet die Allianz auf die Einzelversicherung von Kohlekraftwerken und Kohleabbau“, kündigte Vorstandschef Oliver Bäte im Mai vergangenen Jahres an.

Bis 2040 solle es „keine Art von Kohlerisiko“ mehr geben. „Wir wollen ein verantwortungsvoller Partner sein, der die Neugestaltung der Wirtschaft unterstützt“, begründete der Topmanager damals den Schritt.

Auch der weltgrößte Rückversicherer Munich Re will die eigene Klimastrategie an das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens knüpfen. Wenn es nicht gelinge, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, müsse mit teuren und gesellschaftlich einschneidenden Folgen gerechnet werden, warnte Munich-Re-Vorstandschef Joachim Wenning im vergangenen August.

Doch wie nachhaltig sind die deutschen Versicherer wirklich? Knapp ein Jahr nach den Ankündigungen hat das unabhängige Analysehaus Zielke Research Consult die Nachhaltigkeitsberichte, die sogenannten CSR-Berichte, der deutschen Versicherer auf deren Aussagefähigkeit analysiert und kommt dabei zu teilweise ernüchternden Ergebnissen.

„Insgesamt sind die 42 Nachhaltigkeitsberichte, die wir überprüft haben, wenig konkret“, kritisiert der geschäftsführende Gesellschafter Carsten Zielke am Montag in einer Telefonkonferenz in Düsseldorf. Am besten schneiden in Deutschland laut der Untersuchung die großen Versicherer Debeka und Allianz mit jeweils sieben Punkten und die Munich Re mit sechs Punkten von maximal 16 möglichen Punkten ab.

Der überwiegende Teil der untersuchten Assekuranzen offenbart dagegen deutliche Schwächen. „Die Berichte mit dem niedrigsten Informationsgehalt kamen von Provinzial Nordwest, WWK und Itzehoer“, klagt Zielke.

Die Mängelliste der Experten an die Versicherer ist dabei vergleichsweise lang. Nur 12 von 42 Versicherern würden demnach nachweislich Nachhaltigkeitsaspekte in ihrer Kapitalanlage berücksichtigen. Nur 10 von 42 veröffentlichten ihren CO2- Fußabdruck, heißt es in der Studie.

„Es ist ernüchternd, feststellen zu müssen, wie wenig Mühe sich die meisten Versicherer mit dem CSR-Bericht gemacht haben“, resümiert Zielke. In Frankreich dienten diese Berichte inzwischen als Entscheidungskriterium sowohl für die Kunden wie auch für potenzielle Mitarbeiter.

„Angesichts der Klimaproteste müssen die deutschen Versicherer aufpassen, sich für die junge Kund- und Mitarbeiterschaft attraktiv zu halten“, warnt der Experte. Die Einzelergebnisse können Versicherte im Internet unter www.check-deine-versicherung.de finden.

Seit dem vergangenen Jahr müssen alle Versicherer in Europa mit mehr als 500 Mitarbeitern Berichte über ihr Soziales- und Umweltengagement vorlegen, die sogenannten Corporate Social Responsibility Berichte, kurz CSR. Positiv sei zu bewerten, dass einige Versicherer selbst von kleiner Größe, wie die Concordia und der Münchener Verein, auf die Wesentlichkeit ihrer Berichte achteten, sagte Zielke.

Angesichts der jüngsten Entscheidungen im Europaparlament sei jedoch auch in Deutschland bald damit zu rechnen, dass die Versicherer ihre Kunden bei Abschluss darauf hinweisen müssen, wenn die Produkte keine Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen oder erfüllen. „Die Versicherer sollten sich ihrer Verantwortung als größte Kapitalgeber Deutschlands bewusster werden und ihre Investments nicht nur nach dem Renditeaspekt beurteilen“, so Zielke.

Das Bewusstsein, dass sich dringend etwas ändern muss, sei zwar vielerorts vorhanden, sagte Bäte vor wenigen Wochen auf einem Expertentreffen in München zum Thema Nachhaltigkeit. Die Umstellung bereite jedoch „ökonomische Schmerzen“.

Als Risikomanager, Versicherer und Investor spiele die Industrie jedoch eine wichtige Rolle, um Nachhaltigkeitsthemen in den Bereichen Ökonomie, Soziales und Umwelt voranzutreiben, heißt es in einer Erklärung zahlreicher Versicherungsunternehmen, die Ende Februar vorgelegt wurde.

Seit dem Jahr 2013 haben mehr als 100 Finanzkonzerne ihre Anlagen in den Brennstoff Kohle zurückgefahren, heißt es in einem Bericht des britischen Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA). Als erste große Finanzinstitution hatte sich 2013 die Weltbank zurückgezogen.

Zwei Jahre später folgten die ersten Schritte der beiden global operierenden Versicherer Axa und Allianz, im selben Jahr kürzte der norwegische Pensionsfonds seine Investitionen.

Denn immer mehr Aktionäre möchten ihr Geld mit gutem Gewissen anlegen. Drei von vier Anlegern in Europa halten Nachhaltigkeitskriterien für wichtig, doch nur jeder Fünfte hat das Thema bereits mit einem Finanzberater diskutiert, wie aus einer aktuellen Studie der Allianz Global Investors hervorgeht.

Der Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst kräftig, deshalb hat das Label durchaus eine hohe Bedeutung. 2017 wurden in Deutschland laut dem Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) rund 171 Milliarden Euro nachhaltig angelegt. 2014 waren es noch 127 Milliarden Euro. Auch die Europäische Union will nachhaltige Investments transparenter machen und setzt dafür auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket.

Der Fondsmanager Bert Flossbach mahnt jedoch, dass Anleger die Nachhaltigkeitsberichte der Versicherer nicht überbewerten sollten. Es spricht laut dem Flossbach-von-Storch-Chef nichts dagegen, diese sogenannten ESG-Analysen zu lesen. Man sollte sich jedoch nicht pauschal darauf verlassen.

Seiner Erfahrung nach können solche Berichte in den seltensten Fällen die Beschaffenheit eines Unternehmens angemessen erfassen. „Wir verwenden sie daher allenfalls als komplementäre Betrachtung, die uns vielleicht auf den ein oder anderen kritischen Punkt aufmerksam machen könnte“, erklärte er jüngst.

Ein Hinweis, den auch Zielke Research Consult jetzt untermauert. Das eher skeptische Fazit des Geschäftsführers Zielke lautet: Die deutschen Versicherer nehmen in der Mehrzahl die Auflage, Nachhaltigkeitsaspekte stärker zu berücksichtigen, „ bisher nur halbherzig wahr“.

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