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Versicherer Ergo verkauft seine Russlandtochter an Rosgosstrach

Ergo hat seinen Lebensversicherer in Russland verkauft. Der Käufer Rosgosstrach hofft durch das Geschäft auf einen schnellen Neustart – nach seinem Fast-Bankrott.
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Der Düsseldorfer Konzern will sein internationales Geschäft optimieren. Quelle: dpa
Ergo-Logo

Der Düsseldorfer Konzern will sein internationales Geschäft optimieren.

(Foto: dpa)

MoskauNach einer Vielzahl von Gerüchten wurde es am Montag offiziell: Der Düsseldorfer Versicherer Ergo trennt sich von seiner russischen Tochter Ergo Zhizn (Ergo Life). Die Lebensversicherungsgesellschaft geht wie vom Handelsblatt berichtet an den russischen Versicherungsgiganten Rosgosstrach.

„Mit Rosgosstrach haben wir einen geeigneten Investor mit einer eindrucksvollen langjährigen Geschichte im russischen Versicherungsmarkt gefunden“, erklärte Alexander Ankel, Vorstandsvorsitzender von Ergo International. Für das Unternehmen sei die Einigung ein weiterer „logischer Schritt“, um die „Optimierungsstrategie beim internationalen Geschäft weiter umzusetzen“, fügte Ankel hinzu.

Über den Kaufpreis wurde offiziell nichts bekannt. Im ersten Halbjahr sammelte Ergo Zhizn den jüngst veröffentlichten Zahlen nach umgerechnet gut 31 Millionen Euro an Versicherungsprämien ein. Der Kaufpreis soll Schätzungen zufolge in etwa diesem Bereich liegen.

Für Rosgosstrach-Chef Nikolaus Frei liegt der Wert der russischen Ergo-Tochter weniger im vorhandenen Portfolio, „das wir natürlich gern auch nehmen, aber ausschlaggebend waren nicht die Kunden, uns fehlte die Produktefabrik“, sagte der gebürtige Schweizer dem Handelsblatt. Mit der Ergo Zhizn könne sein Unternehmen den Aufbau einer Lebensversicherung wesentlich beschleunigen, weil Produktpalette, IT und geschultes Personal schon da seien. „Wir gewinnen damit sicher etwa ein Jahr“, ist der Top-Manager überzeugt. Schon im November sollen die ersten Policen über den neuen Versicherer verkauft werden.

Der 49-Jährige gilt in der Versicherungsbranche als Krisenmanager und Experte für besondere Aufgaben. Frei hat nach seiner Anfangszeit bei Versicherungsbrokern in London im Mittleren Osten eine islamische Versicherungsgesellschaft aufgebaut, ehe er vor fünf Jahren nach Russland gerufen wurde, um einen Turnaround bei der zuvor schwächelnden Allianz einzuleiten.

Als die Mission nach dreieinhalb Jahren erfüllt war „und ich schon die Koffer gepackt habe, kam der Anruf von Rosgosstrach“, erzählt der Schweizer.

Zu der Zeit befand sich die älteste und bekannteste russische Versicherungsgesellschaft, die 1921 als staatliche Versicherung der Sowjetunion gegründet worden war, in massiven Schwierigkeiten: Die Ausgaben für Schadenszahlungen bei der Autohaftpflicht, das jahrelange wichtigste Geschäft für viele russische Versicherer, waren um 80 Prozent höher als die Einnahmen aus den Versicherungsprämien.

In der Schieflage verkauften die Besitzer ihr Geschäft an die russische Bank Otkrytije, behielten allerdings den Lebensversicherungsbestand.

Zweistellige Zuwachsraten im Geschäft mit Lebensversicherungen

Otkrytije ging im August 2017 ebenso in die Knie wie Rosgosstrach. Nur durch das Eingreifen der Zentralbank wurden die beiden für den russischen Finanzmarkt strategisch wichtigen Institute vor dem Bankrott gerettet.

Seitdem geht es wieder bergauf. Die Schieflage bei der Haftpflicht konnte behoben werden, mit dem Lebensversicherungsgeschäft soll eine weitere Geldquelle eröffnet werden. Der Markt zeigt zweistellige Zuwachsraten.

Wegen der niedrigen Sparzinsen werde die Lebensversicherung mindestens noch ein bis zwei Jahre schnelles Wachstum zeigen, meint Branchenanalyst Alexej Janin von der Ratingagentur Expert.

Auch Frei ist optimistisch: „Lebensprodukte sind nicht nur wichtig für uns, sondern auch wichtig für unseren Shareholder, die Otkrytije-Bank, die nach der Fusion mit der Bin-Bank zu einer der drei bis vier größten Banken in Russland wird“, sagte er.

Das große Bankenfilialnetz und die eigene Infrastruktur erlauben es nach Schätzung Freis „dass wir innerhalb weniger Jahre zur Nummer drei, möglicherweise zur Nummer zwei im Neugeschäft bei Lebensversicherungen aufsteigen“. Mit Ergo sei für dieses Unterfangen der beste Partner für den Neustart gefunden worden, gibt er sich überzeugt.

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