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Versicherer So gut sind die Gegenseitigkeits-Lebensversicherer

Die Niedrigzinsen setzen die Anbieter von Lebenspolicen unter Druck. Eine Studie legt jetzt große Leistungsunterschiede bei den Vereinen offen.
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Die Lebensversicherer kämpfen mit den anhaltenden Niedrigzinsen. Eine neue Studie nennt die Versicherungsvereine, deren Bilanzen noch am besten dastehen. Quelle: dpa
Lebensversicherung

Die Lebensversicherer kämpfen mit den anhaltenden Niedrigzinsen. Eine neue Studie nennt die Versicherungsvereine, deren Bilanzen noch am besten dastehen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Sie sehen sich gerne als die Musterschüler in der Assekuranz. Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit halten den genossenschaftlichen Gedanken hoch, müssen keine Rücksicht auf Aktionärsinteressen nehmen und wahren Traditionen. Auch Experten preisen die Unternehmen deshalb oft als die besseren Anbieter aus Kundensicht.

Eine Bilanzanalyse des Ludwigshafener Betriebswirtschaftsprofessors Hermann Weinmann, die am Sonntag in der „Zeitschrift für das Versicherungswesen“ veröffentlicht wurde, weckt daran allerdings nun größere Zweifel. Allein die Rechtsform macht demnach noch keine gute Versicherung. Die wirtschaftliche Kluft zwischen den deutschen Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit ist laut dem Report beträchtlich.

Es sind schwere Zeiten für Lebensversicherer. „Die Situation der Lebensversicherer und Pensionskassen erfordert, dass wir unsere Kontrolle verstärken“, kündigte jüngst der oberste Versicherungsaufseher der Bafin, Frank Grund, an. In Zeiten von Null- oder gar Strafzinsen werfen festverzinsliche Wertpapiere aus dem Sicherungsvermögen der Gesellschaften kaum noch Gewinne ab, um alte Zusagen an die Kunden zu erwirtschaften oder neue Garantien auszusprechen.

Laut dem aktuellen Finanzstabilitätsbericht der Deutschen Bundesbank trüben die niedrigen Zinsen weiterhin die Aussichten der Branche ein. Die Eigenmittelausstattung der Gesellschaften sei aufgrund der Niedrigzinsen verglichen mit dem Vorjahr weiter deutlich gesunken, warnte die Bundesbank jüngst.

Wie gut stehen die zwölf überprüften großen Gegenseitigkeits-Lebensversicherer also da? Die Bilanz-Analyse gibt darauf eine zwiespältige Antwort. „Das Ergebnis der Versicherungsvereine hat sich deutlich verschlechtert“, lautet das Fazit von Weinmann. In der Summe der Kriterien erweise sich nur ein Verein als aktuell „sehr stark“ und auch nur ein Verein als „stark“. Vier der zwölf Versicherungsvereine seien aktuell dagegen „betriebswirtschaftlich schwach“.

Das habe es bisher nicht gegeben, betonte Weinmann. Die restlichen sechs Vereine bewegten sich zwischen diesen Polen. „Bei der Bewertung der betriebswirtschaftlichen Stärke sei ausdrücklich hervorgehoben, dass es sich um die Bewertung des Jahres 2018 handelt“, betonte Weinmann. „In dieser für Lebensversicherer schwierigen Zeit sind Sprünge nach oben oder unten in den Folgejahren durchaus möglich.“

Grundlegender Wandel zeichnet sich ab

Klarer Primus im Report der die Ertragskraft, die Beteiligung der Verbraucher an den Ergebnissen sowie die finanzielle Stärke der Unternehmen nach einem Punktesystem bemisst ist erneut die „Hannoversche Leben“. Bei einem Vergleich der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse vervollständigt um eine Verbrauchernote bringt sie es auf eine Note von 1,0. Die LV von 1871 bringt es knapp dahinter mit einer Benotung von 2,0 auf den zweiten Platz.

Alte Leipziger Leben, Volkswohl Bund Leben, Stuttgarter Leben, Gothaer Leben, Continentale Leben sowie LVM Leben bekommen von Weinmann die Einschätzung „aktuell befriedigend“. Signal Iduna Leben, Debeka Leben, WWK Leben und HUK-Coburg-Leben schaffen es dagegen 2019 nur noch auf ein „ausreichend“.

„Für das Geschäftsjahr 2018 ist die Benotung einiger Versicherungsvereine wenig erbauend, und der eine oder andere große Versicherungsverein scheint gegenüber der Konkurrenz an Boden zu verlieren“, heißt es in der Analyse. Die Ergebnisse mahnten zur Wachsamkeit und im Einzelfall zu einer Unternehmensführung, die „in diesen Zeiten nicht vor radikalen Maßnahmen bis hin zum Tabubruch zurückschrecken darf“, wie der Experte schreibt.

Im Mehrjahresvergleich sieht das Bild allerdings noch etwas glimpflicher aus. Erneut schneidet die „Hannoversche Leben“ mit einer Bewertung von sehr gut (1,3) am besten ab. Doch das Gros der Versicherungsvereine bringt es so noch auf eine Note von mindestens 3,0. Nur die Bewertung von Gothaer Leben und der Continentale Leben liegen mit 3,3 schlechter, während die WWK Leben mit 3,7 das Schlusslicht bildet.

Versicherungen, die als Verein auf Gegenseitigkeit organisiert sind, haben in Deutschland eine jahrhundertlange Tradition und sammeln jährlich rund 29 Prozent des auf dem deutschen Markt eingenommenen Beitragsvolumens in Deutschland ein. Bei den Vereinen ist der Versicherungsnehmer zugleich Kunde und auch Mitglied des Vereins, ähnlich wie bei einer Genossenschaft.

Im Gegensatz zu den Aktiengesellschaften können die Vereine rechtsformbedingt allerdings eine Außenfinanzierung weniger nutzen als die börsennotierten Konkurrenten. Weinmann bewertete in seinem Report unter anderem Kennziffern wie die Entwicklung der Rohüberschuss-Marge, die Ertragskraft sowie die Solvabilitätsquoten also die Kapitalausstattungsquote der Versicherer , die seit einigen Jahren individuell von jedem deutschen Versicherer ausgewiesen werden muss.

Für den Experten zeichnet sich in den Ergebnissen der Studie ein grundlegender Wandel der Branche ab. „Nicht nur die Automobilindustrie, auch die deutsche Lebensversicherung befindet sich in einer Phase des Umbruchs, der eine Transformation des Geschäftsmodells erzwingt“, lautet sein Resümee. „Genau wie dort wird es Gewinner und Verlierer geben.“

Vielleicht sei die Mitgliederorientierung in der Vergangenheit in dem einen oder anderen Fall übertrieben worden, wenn man sein Urteil allein auf betriebswirtschaftliche Tatbestände stütze. Die Vereinsidee sei jedoch zeitlos und werde weiterleben. Zumindest die „Hannoversche Leben“ dürfte ein sicheres Gefühl dafür haben, dass sie sich unter den Versicherungsvereinen wohl am wenigsten Sorgen machen muss.

Mehr: Für den BaFin-Exekutivdirektor ist bei der Zinspolitik offenbar eine Schmerzgrenze überschritten. Außerdem nimmt die BaFin Cyber-Risiken ins Visier.

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1 Kommentar zu "Versicherer: So gut sind die Gegenseitigkeits-Lebensversicherer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Solange die Politik lobbykratisiert werden kann (siehe abgeordnetenwatch.de) ist mir um diese Branche nicht bange. Bezahlen tut das halt der gutgläubige Versicherungsnehmer mit seinen Riester, Rürup und sonstigen undurchsichtigen und teuren Produkten. Und damits nicht so auffällt wird mit Steuergeldern noch subventioniert. Aber wer wählt diese Parteien denn? Ist es nicht derselbe Bürger, der (evtl. zu recht) dann betrogen wird?