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Versicherer Talanx-Chef Leue kündigt höhere Dividende an

Deutschlands drittgrößter Versicherungskonzern kommt beim Umbau der Industriesparte voran und erhöht die Dividende. In einem Bereich sollen die Prämien steigen.
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Der Vorstandschef verordnet dem Versicherer Talanx eine Kurskorrektur. Quelle: dpa
Torsten Leue

Der Vorstandschef verordnet dem Versicherer Talanx eine Kurskorrektur.

(Foto: dpa)

Baden-BadenHinter Torsten Leue liegen turbulente Monate bei Talanx. Bei der Vorstellung der endgültigen Jahresziffern an diesem Montag ist dem Vorstandschef davon aber wenig anzumerken. Er hat gute Nachrichten für die Anleger: Für 2018 wollen die Hannoveraner den Aktionären eine um fünf Cent erhöhte Dividende von 1,45 Euro zahlen.

Im Mai vergangenen Jahres übernahm der 52-Jährige den Chefsessel des Versicherungskonzerns. Fünf Monate später musste der neue Vorstandschef der drittgrößten deutschen Versicherungsgruppe bereits die erste Gewinnwarnung aussprechen. Dennoch sollen die Aktionäre des vom MDax in den SDax abgestiegenen Versicherers das turbulente Geschäftsjahr nicht zu spüren bekommen.

Am Aktienmarkt kam die Nachricht der Dividendenerhöhung gut an. Die Papiere lagen gegen Mittag gut zwei Prozent im Plus. Hauptnutznießer der höheren Dividende ist der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI), ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, dem rund 79 Prozent der Talanx-Aktien gehören.

Die Geste kann sich der Versicherungskonzern aus Hannover, zu dem der Rückversicherer Hannover Rück sowie der Industrieversicherer HDI zählen, durchaus leisten. Denn Talanx kommt beim Umbau der kriselnden Industriesparte voran. Der Absturz einer Boeing-Maschine könnte Talanx zwar mit einem niedrigen zweistelligen Millionen Eurobetrag belasten, hieß es. Das Großschadenbudget von Talanx liegt jedoch bei 1,2 Milliarden Euro.

Insgesamt steigerte der SDax-Konzern den Gewinn im vergangenen Jahr um fünf Prozent und traf damit die eigene abgesenkte Zielmarke fast punktgenau. Das Ergebnis nach Steuern kletterte auf 703 Millionen Euro, nach 670 Millionen Euro im Vorjahr. Belastungen aus Naturkatastrophen hatten 2017 tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Talanx peilte zuletzt für 2018 700 Millionen Euro an, nachdem der Konzern ursprünglich rund 850 Millionen Euro in Aussicht gestellt hatte.

Der Versicherer hatte die Erwartungen im Herbst zurücknehmen müssen, weil er in der Industrie-Feuerversicherung operativ hohe Verluste schrieb. Im vergangenen Jahr verschlechterte sich das versicherungstechnische Ergebnis auf minus 240 Millionen Euro, nachdem es bereits im Vorjahr mit 207 Millionen Euro im roten Bereich gelegen hatte.

Es ist ein Problem, das nicht allein die Talanx umtreibt. In der Feuerversicherung verdienen die Assekuranzen branchenweit nach Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft mit einer geschätzten Schaden-Kosten-Quote von 137 Prozent derzeit versicherungstechnisch kein Geld.

Ein wichtiger Grund dafür: Insbesondere die deutsche Industrie ist inzwischen mit ihren weltweiten Lieferketten vernetzter denn je. Wenn in einem Werk in den USA ein Produktionsstillstand eintritt, hat das erhebliche Auswirkungen auf viele andere Lieferanten und führt zu Folgeschäden, die die Versicherer bisher zu gering kalkuliert hatten.

Leue versucht nun mit Prämiensteigerungen gegenzusteuern. Etwa 87 Prozent der bis 2020 angepeilten Erhöhungen seien bereits vertraglich vereinbart, bilanzierte Talanx. Schon im laufenden Jahr will Leue in der Industrieversicherung operativ wieder eine schwarze Null schreiben. Insgesamt stellt Talanx für 2019 ein Konzernergebnis von rund 900 Millionen Euro in Aussicht, was gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Verbesserung um 150 Millionen Euro bedeutet.

Die meisten Experten sind aber noch optimistischer. Analysten gehen derzeit im Durchschnitt von einem Gewinn von 921 Millionen Euro im laufenden Jahr aus. Die Dividende soll auch dann mindestens stabil bleiben.

Talanx will Prämien für Feuerversicherungen anheben

Talanx profitiert dabei auch vom guten Abschneiden der Tochter Hannover Rück, die inklusive einer Sonderdividende die Ausschüttung für 2018 um 25 Cent auf 5,25 Euro je Aktie steigert. Hauptnutznießer ist der Mutterkonzern, dem gut die Hälfte der Anteile an der 1966 gegründeten Hannover Rück gehören.

Leue hatte den Chefposten im vergangenen Mai nach fast zwölf Jahren von Herbert Haas übernommen, der seitdem an der Spitze des Aufsichtsrats steht. Bei seiner ersten Bilanzvorlage gab sich Leue nun optimistisch. „Wir sind überzeugt, dass wir die Talanx in den kommenden Jahren noch agiler, wachstumsorientierter und ertragsstärker aufstellen werden“, betonte er.

Inzwischen setzt der Konzern stark auf Digitalisierung. Beim geplanten Abbau von 900 Vollzeitstellen im Privatkundengeschäft bis 2021 komme der Versicherer schneller voran als geplant, wie Deutschlandchef Jan Wicke sagte. Von den geplanten Einsparungen von 240 Millionen Euro, die bis zum Jahr 2021 erreicht werden sollen, seien 174 Millionen Euro bereits realisiert. In der Industrieversicherung arbeitet Talanx daran, die Preise im verlustreichen Geschäft mit Feuerversicherungen um 20 Prozent anzuheben.

Im Gesamtkonzern stiegen die Prämieneinnahmen 2018 zwar um sechs Prozent auf 34,9 Milliarden Euro. Dank operativer Verbesserungen im Privat- und Firmenkundengeschäft sowie in der Rückversicherung konnte der Ergebnisrückgang in der Industrieversicherung allerdings wettgemacht werden. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag mit 98,2 Prozent wieder im auskömmlichen Bereich, nachdem der Konzern mit 100,4 Prozent im Vorjahr noch Geld darauf gelegt hatte.

Dabei wird das Auslandsgeschäft von Talanx immer stärker. Das Ziel, bis 2018 mehr als die Hälfte der Prämien in der Erstversicherung im Ausland zu erzielen, hatte der Konzern mit 52 Prozent bereits 2017 erreicht. Perspektivisch soll der Anteil auf zwei Drittel steigen.

Größere Übernahmen hat der Vorstand aber nicht im Blick. Talanx könnte zwar ungefähr fünf Milliarden Euro für eine Übernahme einsetzen, ohne dass der Großaktionär HDI durch eine Kapitalerhöhung verwässert werden müsste. „Ich würde den Gesamtbetrag aber eher nicht auf eine Karte setzen“, betonte Leue vor kurzem im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der Vorstandschef dürfte dabei auch das Schicksal des größeren französischen Rivalen Axa im Kopf haben. Die Franzosen kauften im vergangenen Jahr den US-Versicherer XL für 15 Milliarden Dollar. Doch bei den Investoren kam der Megadeal nicht gut an. Die Axa-Aktien sackten danach deutlich ab. Ein Rückschlag, von dem sich die Papiere bis heute nicht völlig erholt haben.

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