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Markus Faulhaber

Wegen seines immensen Spezialwissens wurde er im Konzern inoffiziell „Mister Lebensversicherung“ genannt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Versicherer Wechsel bei der Allianz-Lebensversicherungssparte: Markus Faulhaber tritt ab

Der langjährige Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger Andreas Wimmer kommt aus dem eigenen Haus.
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Noch vor einem Jahr antwortete Markus Faulhaber auf die Frage nach seiner persönlichen Zukunft ausweichend. „Ich habe natürlich eine Lebensplanung, aber die werde ich Ihnen nicht verraten“, sagte er damals im Handelsblatt-Interview. Das ließ Freiheiten für Interpretationen nach allen Seiten. Nun ist bekannt, dass der Chef der Allianz Lebensversicherung zum Jahreswechsel seinen Stuhl räumen wird.

Andreas Wimmer wird sein Nachfolger. Der 45-jährige Betriebswirt ist bereits seit 2004 bei der Allianz und rückte dort vor vier Jahren in den Vorstand auf. Dort betreute er bisher die Sparte „Firmenkunden“. Die wird künftig Laura Gersch übernehmen. Die 35-jährige Freiburgerin leitete zuletzt das Büro von Konzernchef Oliver Bäte.
Für die wichtige Lebensversicherungssparte der Allianz gleicht der Personalwechsel an der Spitze und speziell der Abgang von Markus Faulhaber einer Zäsur. 66 Jahre wurde der gebürtige Göppinger im August und liegt damit bereits seit Jahren über der Altersgrenze für Vorstände der Allianz.

Doch Faulhaber war immer ein Sonderfall. Innerhalb der Allianz und in der gesamten Branche. Wegen seines immensen Wissens um das komplexe Produkt zur Absicherung von Leben und Alter verliehen sie ihm dort gar mal den inoffiziellen Titel „Mister Lebensversicherung“. Und Allianz-Chef Oliver Bäte, der ansonsten mit Lob für die deutschen Einheiten des Konzerns eher spärlich umgeht, bezeichnet bei öffentlichen Auftritten die Leistung der Stuttgarter Einheit schon mal als „spektakulär“.

Dass dem so ist, hat viel mit Faulhabers tiefem Wissen um die hochkomplexe Materie der Versicherungsmathematik zu tun. Staatsexamen in Mathematik und Physik hatten ihn bei seinem Einstieg bei der Allianz in die Mathematische Abteilung geführt. Dort berechnen Spezialisten anhand von Zinskurven, Inflation und Lebenserwartungen der Kunden, wie sich deren Lebensversicherung über die Laufzeit von mehreren Jahrzehnten entwickeln könnte.

Gefahren früh erkannt

Auch Jahrzehnte später kam Faulhaber diese Ausbildung zugute. 2009, mitten in der Finanzkrise, stieg er in den Vorstand auf. Staatliche Milliardenhilfen brachten damals die Wirtschaft wieder zum Laufen. Allerdings schraubten die Notenbanken die Zinsen zur Ankurbelung der Wirtschaft auch immer weiter nach unten. Faulhaber erkannte früh die Gefahr dieser Entwicklung für das Langfristprodukt Lebensversicherung und entwarf eine neue Strategie.

Statt auf feste Garantien für mehrere Jahrzehnte sollten die Kunden auf flexible Produkte setzen, die gerade deswegen am Ende mehr Rendite einbringen sollten. Faulhabers Rechnung ging auf. Statt auf das feste Korsett einer Garantie von mittlerweile nur noch 0,9 Prozent zu vertrauen, ließen sich immer mehr Kunden von den neuen Produkten überzeugen, hinter denen zumeist eine Fondslösung stand. Mittlerweile liegt der Anteil im Neugeschäft bei weit über 90 Prozent. Überall aus den weltweiten Niederlassungen der Allianz blicken sie wegen dieses Erfolgs nach Stuttgart.

Auf Seiten der Konkurrenz nennen sie den Erfolg des Marktführers im Neugeschäft mittlerweile „beängstigend“. Fließen doch gut ein Viertel aller Beitragseinnahmen in der deutschen Lebensversicherung inzwischen nach Stuttgart. Das war nicht immer so. Erst in den vergangenen Jahren hat sich der Marktanteil der Allianz mehr und mehr von der Konkurrenz entfernt.

Dabei ist die Zeit der großen Veränderungen bei der Allianz Lebensversicherung noch längst nicht vorbei. „Die Zeit heute ist eine der spannendsten, die ich seit 1981 erlebt habe“, sagte Faulhaber im vergangenen Jahr. Zum einen müsse sich „unser Haus“, wie er es stets nannte, auf die neue Kapitalmarktumgebung einstellen.

Schon damals ahnte er offensichtlich, dass die von vielen ersehnte Zinswende auch weiterhin auf sich warten lassen würde. Zum anderen müsse die Allianz Leben in die digitale Welt geführt werden. „Solche Veränderungsprozesse bergen, wenn man sie gut und schnell macht, Riesenchancen“, lautete sein Credo.

Die muss jetzt sein Nachfolger nutzen. Andreas Wimmer weiß schließlich, was auf ihn zukommt. Als Vorstand für das Firmenkundengeschäft hat er seit vier Jahren bereits eine wichtige Position im Führungsgremium inne. Einziges Manko: Bedeutende Steigerungen sind nach den immensen Zuwächsen der vergangenen Jahre für ihn kaum mehr möglich.

Das weiß auch Klaus-Peter Röhler, der Chef der deutschen Allianz, wenn er von einem „beispiellosen Erfolgskurs“ der Allianz Leben in den vergangenen Jahren spricht. „Andreas Wimmer wird als erfahrener Fachmann und Manager zusammen mit einem starken Vorstands-Team die Marktposition der Allianz Leben weiter festigen“, lässt er sich zitieren. Mittlerweile ist die Allianz der Konkurrenz im Neugeschäft so weit enteilt, dass eine Festigung der Position bereits als Erfolg betrachtet wird.

Den Ausblick auf den Stuttgarter Talkessel aus Markus Faulhabers ehemaligem Büro in der Stuttgarter Zentrale wird Andreas Wimmer allerdings nicht mehr lange genießen können. Vor den Toren der Stadt entsteht bis zum Jahr 2022 ein neuer Campus für die Allianz Leben. Das Modell dazu steht bereits im Foyer der alten Zentrale.

Mehr: Welche Lebensversicherer krisenfest sind – und was das für die Kunden bedeutet.

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