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Allianz Geschäft mit Cyber-Policen kommt in Fahrt

Die zunehmende Kriminalität im Netz eröffnet auch eine ganz neue Sparte für Versicherer. Der Markt der Cyber-Versicherungen ist in Europa aber noch klein. Allianz-Vorstand Theis wittert jedoch ein Milliardengeschäft.
26.05.2017 - 14:43 Uhr Kommentieren
Beim Versicherer spielt Cyberkriminalität eine zunehmende Rolle. Quelle: dpa
Allianz

Beim Versicherer spielt Cyberkriminalität eine zunehmende Rolle.

(Foto: dpa)

München Die sich häufenden Hacker-Angriffe auf Computersysteme lassen nach Beobachtungen der Allianz die Nachfrage nach Cyber-Versicherungen steigen. „Ich hatte gedacht, dass dieser Markt schneller und aggressiver wachsen wird als er das bisher getan hat“, sagte der für das Sachversicherungsgeschäft zuständige Vorstand Axel Theis der Nachrichtenagentur Reuters. „Aber jetzt nimmt das Fahrt auf.“ Versicherungen gegen Cyber-Angriffe sind der große Hoffnungsträger der Branche – das gilt auch für die Allianz-Tochter AGCS. Im Moment spielt sich das Geschäft vor allem in den USA ab.

Der europäische Markt ist bisher klein. Theis beziffert das Prämienvolumen auf rund 200 Millionen Euro, auf die Allianz entfalle ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag. „In den nächsten Jahren kann der Markt aber weltweit leicht auf 20, 30 oder gar 40 Milliarden Euro wachsen“, sagte er. Die Münchener Rück erwartet dagegen bis 2020 ein deutlich geringeres Marktvolumen von 8,5 bis 10 Milliarden Euro. Für Swiss Re sei „Cyber kurzfristig noch keine große Erfolgsgeschichte“, sagte Europa-Chef Jean-Jacques Henchoz dem Handelsblatt (Freitagausgabe).

Für einen Konzern wie die Allianz ist das Cyber-Geschäft ein Spagat. „Je mehr Kunden wir haben, desto höhere Deckungssummen können wir bieten“, sagt Theis in dem Reuters-Interview. Bisher sind Absicherungen von mehr als 100 Millionen Euro die Ausnahme. Andererseits falle es wegen der unwägbaren Schadenfälle schwer, die Prämien festzusetzen. „Ich habe kein Wachstumsziel für Cyber-Policen ausgegeben – hier auf Wachstum um jeden Preis zu setzen, wäre zu riskant.“ Auch die Versicherer lernten mit jedem Angriff dazu.

Die rapide zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft trifft die Allianz auch im eigenen Haus. „Ich bin jetzt seit 30 Jahren in der Branche, aber in den vergangenen drei bis vier Jahren habe ich die höchste Veränderungsgeschwindigkeit erlebt“, sagte Theis.

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    Acht IT-Sicherheitsregeln, die Chefs beachten sollten
    Als Mittelstand uninteressant?
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    Hacker haben es doch nur auf die ganz großen Konzerne abgesehen? Das ist ein gefährlicher Irrglaube. Wenn Sie so oder so ähnlich argumentieren, sobald Sie auf die Sicherheit Ihrer hauseigenen IT-Systeme angesprochen werden, ist es um die Sicherheit in Ihrem Unternehmen möglicherweise nicht gut bestellt.

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    Irrglaube mit fatalen Folgen
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    Einer Studie des Beratungsunternehmens PWC zufolge hat es in den vergangenen Jahren bereits Tausende kleine und mittlere Firmen erwischt. Allein im Jahr 2014 wurde jedes zehnte mittelständische Unternehmen Opfer eines Cyberangriffs. Der Schaden war jeweils beträchtlich: Er lag im Schnitt bei 80.000 Euro.

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    IT-Sicherheit ist Chefsache
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    Die meisten Chefs sollten wissen, dass sich Gefahren nur mit funktionierenden und sicheren IT-Systemen abwehren lassen. Dabei sind allerdings nicht nur die IT-Verantwortlichen gefordert, sagt Andreas Dannenberg, CEO von Reddoxx, einem Anbieter von IT-Lösungen für sichere Archivierung, Anti-Spam und E-Mail-Verschlüsselung. Der Chef muss die Richtlinien vorgeben. Worauf es dabei ankommt, hat der Experte in einem Fachbeitrag für das Wirtschaftsmagazin „GmbH-Chef“ aufgelistet.

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    1. Achten Sie auf die Compliance-Bestimmungen
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    Unternehmen sind verpflichtet, die datenschutzrechtlichen und archivierungsrechtlichen Pflichten einzuhalten, zum Beispiel für das Finanzamt. Andreas Dannenberg rät Chefs daher, folgende Fragen zu klären: Welche E-Mails sollen oder müssen wie lange archiviert werden? Welche E-Mails sind hingegen wann zu löschen? Ist privater E-Mail-Verkehr gestattet oder untersagt? Falls erlaubt: Wie können diese E-Mails von der geschäftlichen Archivierung getrennt werden? Wie lassen sich E-Mails vollautomatisch klassifizieren und archivieren? Was passiert mit E-Mails von Betriebsräten?

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    2. Legen Sie Verantwortlichkeiten fest
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    Weil die meisten Chefs nicht viel Zeit haben, um sich mit den IT-Risiken und Sicherheitsmaßnahmen ausführlich zu beschäftigen, sollten sie einen Verantwortlichen festlegen, der sich darum kümmert und regelmäßig an den Chef berichtet, rät Dannenberg und ergänzt: „Außerdem gilt es zu prüfen, ob das Unternehmen einen Datenschutzbeauftragten braucht. Wichtig ist es auch, die Mitarbeiter immer wieder dafür zu sensibilisieren, dass sie die Sicherheitsmaßnahmen einhalten.“

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    3. Verstärken Sie den Datenschutz
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    Eine Grundvoraussetzung, um zu verhindern, dass Internetkriminelle und Wirtschaftsspione an sensible Daten kommen, sieht Dannenberg in sicheren Passwörtern. Sein Tipp: „Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern, was gute Passwörter kennzeichnet und warum sie diese regelmäßig ändern sollen.“

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    4. Sorgen Sie für eine sichere E-Mail-Nutzung
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    „Sensible Informationen sollten unbedingt verschlüsselt werden. Dafür gibt es bereits leicht anwendbare Programme“, schreibt der IT-Experte. Viren, Trojaner und andere Schadsoftware können ansonsten via E-Mails in ein IT-System eindringen und die Datensicherheit massiv gefährden. Dannenberg: „Zudem sind unverschlüsselt gesendete E-Mails so transparent wie Postkarten.“

    (Foto: Getty Images)

    Der Sach-Vorstand hat die Devise ausgegeben, dass von 2018 an kein neues Produkt mehr auf den Markt kommen dürfe, das nicht auch online abgeschlossen werden kann. „Das diszipliniert uns auch selbst: Auf diese Weise fallen Anfragen oder Eigenschaften, die für niemanden wirklich wichtig waren, ganz schnell weg.“ Bald sollen Fragen auf Antragsformularen ganz wegfallen. „Das Ziel ist, dem Kunden beim Verkauf eines Produkts eigentlich gar keine Fragen stellen zum müssen. Wir holen uns die nötigen Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen.“ Kein Kunde müsse aber fürchten, dass die Allianz heimlich seinen Facebook-Eintrag auswerte, beschwichtigt Theis.

    Auch in der Bearbeitung der Verträge helfe der Einsatz der IT. „Daten sind heute viel schneller und billiger auszuwerten. Damit können wir auch Versicherungsbetrug leichter aufklären – nicht nur in der Sach-, auch in der Krankenversicherung.“ Den Abgleich zwischen Krankheitsdiagnose und Rezept erledige heute ein Computer. Die Aufklärungsquoten seien um einen zweistelligen Prozentsatz gestiegen. Experten werfen den Versicherern oft vor, ihre IT-Systeme seien veraltet und damit gegenüber „InsurTechs“ – neuen, computeraffinen Konkurrenten – im Hintertreffen. Theis sieht für die Allianz aber kein Problem: „Ich bin kein Freund davon, Riesenprojekte zu fahren und die Kernsysteme komplett auszutauschen. Das dauert zu lange und ist viel teurer.“

    • rtr
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