Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Anlagestrategie Kunden fordern von Lebensversicherern mehr Nachhaltigkeit

Neben Rendite und Sicherheit pochen Neukunden von Lebensversicherern auf eine nachhaltige Anlage ihrer Beiträge. Für die Branche ist das eine zusätzliche Herausforderung.
29.06.2021 - 15:13 Uhr Kommentieren
Vor allem jungen Kunden, die sich nach Ausbildung oder Studium um Absicherung und Altersvorsorge kümmern, ist der Aspekt der Nachhaltigkeit sehr wichtig, Quelle: dpa
Lebensversicherung

Vor allem jungen Kunden, die sich nach Ausbildung oder Studium um Absicherung und Altersvorsorge kümmern, ist der Aspekt der Nachhaltigkeit sehr wichtig,

(Foto: dpa)

München Für die Deutschen gewinnt das Thema Nachhaltigkeit auch beim Abschluss einer Lebensversicherung immer mehr an Bedeutung. Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata, spricht deshalb bereits von einer vierten Dimension, um die der bisherige Dreiklang in der Lebensversicherung aus Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit erweitert wird. „Die Bedeutung der Nachhaltigkeit nimmt in der Neuanlage zu, bei vielen Lebensversicherern spielt sie bereits eine große Rolle“, sagt Will.

Vor allem jungen Kunden, die sich nach Ausbildung oder Studium um Absicherung und Altersvorsorge kümmern, ist dieser Aspekt sehr wichtig, berichten Versicherer immer öfter. Für mehr als die Hälfte der von Assekurata befragten Kunden sind Nachhaltigkeitsaspekte essenziell, heißt es von dort.

In vorherigen Befragungen fiel die Zahl derjenigen, die dem Thema Nachhaltigkeit so große Bedeutung beigemessen haben, deutlich geringer aus. Getrieben wird diese Entwicklung künftig auch vom Gesetzgeber. Nach einer demnächst gültigen Richtlinie müssen Anlageberater ihre Kunden befragen, ob bei der Geldanlage ESG-Aspekte berücksichtigt werden sollen. Der Anteil derer, die sich dafür aussprechen, dürfte noch einmal steigen.

Dabei bezieht sich der Wunsch nach Nachhaltigkeit nicht nur auf die Geldanlage, in die die Kunden mit ihren Monatsbeiträgen investieren, sondern auch auf die Nachhaltigkeitskriterien, die sich eine Gesellschaft selbst auferlegt hat.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Allianz und Munich Re haben sich zur Klimaneutralität bekannt

    Große Anbieter wie die Allianz oder die Munich Re-Tochter Ergo haben sich bereits zum Ziel der Klimaneutralität bekannt, aber auch kleine und mittelgroße Gesellschaften wie die Huk-Coburg stellen Maßnahmen für ihr wirtschaftliches Handeln nach vorn, in denen es unter anderem um die Einsparung von Treibhausgasen bis hin zu Maßnahmen bei der Gebäudesanierung und Modernisierung geht.

    Bei der Geldanlage stellen die Kunden die Versicherer damit gleich vor zwei Herausforderungen. Zum einen rangiert traditionell der Blick auf die Rendite weit oben. Seit Jahren sinkt in der Lebensversicherung die laufende Verzinsung. Die Allianz, mit einem Anteil von fast 30 Prozent am Gesamtmarkt unangefochtener Marktführer, hatte für dieses Jahr die laufende Verzinsung nach drei stabilen Jahren gesenkt.

    Für das klassische Produkt mit fester Verzinsung sind es nun 2,3 Prozent, beim meistverkauften Produkt Perspektive sind es 2,4 Prozent. Der Branchendurchschnitt liegt jeweils knapp darunter.

    Ab dem kommenden Jahr dürfte das Geschäft mit den klassischen Policen, das etliche Anbieter schon seit Längerem kaum noch betreiben, endgültig zum Erliegen kommen. Der Grund liegt in der Absenkung des Garantiezinses von bisher 0,9 auf 0,25 Prozent. „Ein Beitragserhalt ist bei einem Rechnungszins von 0,25 Prozent kalkulatorisch nicht mehr darstellbar“, sagt Assekurata-Geschäftsführer Will.

    Dafür präsentiert er eine einfache Rechnung: Wer 30 Jahre jeweils 200 Euro im Monat einzahlt, kommt auf die Gesamtsumme von 72.000 Euro. Durch marktübliche Kosten und die Absicherung des Lebensrisikos kommen bei einer Verzinsung von 0,25 Prozent aber nur 66.637 Euro am Ende heraus.

    Zum Vergleich: Bei den bisherigen 0,9 Prozent waren es nach den Berechnungen von Assekurata 73.415 Euro. Der Kunde hätte damit zumindest ein leichtes Plus erwirtschaftet. Die sogenannte kritische Grenze läge bei einer Verzinsung von 0,77 Prozent, damit wären zumindest die eingezahlten 72.000 Euro wieder erreicht.

    Nachhaltigkeit sorgt für Umbau im Depot

    Kommt nun der Kundenwunsch nach einer nachhaltigeren Anlagepolitik hinzu, steigen die Herausforderungen noch einmal. Nach wie vor sind fast 83 Prozent der Beiträge aus der Lebensversicherung in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Die restlichen 17 Prozent verteilen sich unter anderem auf Aktien, Immobilien und alternative Anlagen wie Windparks.

    Da bei besonders sicheren festverzinslichen Wertpapieren – beispielsweise bei US-Staatsanleihen – von einzelnen Notenbank-Mitgliedern frühestens im kommenden Jahr mit einer Zinserhöhung gerechnet wird, muss das Thema Nachhaltigkeit vor allem in den kleineren Anlageklassen stattfinden.

    Um dem Kundenwunsch nach mehr Nachhaltigkeit zu entsprechen, haben die Versicherer diese Vorgabe im vergangenen Jahr vor allem bei Aktien, im Bereich Private Equity und bei Unternehmensanleihen gesucht. Der Grund dafür ist einfach. Die Unternehmen, in die dort investiert wird, stehen selbst unter Druck und müssen bei Investoren mit einer nachhaltigen Ausrichtung punkten.

    Anhand der Nachhaltigkeitsberichte, die inzwischen die meisten Konzerne präsentieren, lassen sich für Investoren die Entwicklungen bei ökologischen und sozialen Aspekten sowie bei guter Unternehmensführung kontrollieren. Für die Versicherer geht es dabei laut Michael Franke von der Ratingagentur Franke & Bornberg um Glaubwürdigkeit und ums Image: „Nachhaltigkeit wird zur Überlebensfrage“, so seine Einschätzung.

    Mehr: Wie sich das Geschäft mit Lebensversicherungen verändert.

    Startseite
    Mehr zu: Anlagestrategie - Kunden fordern von Lebensversicherern mehr Nachhaltigkeit
    0 Kommentare zu "Anlagestrategie: Kunden fordern von Lebensversicherern mehr Nachhaltigkeit"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%